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„Oceans Eleven“ in Berlin : Polizei sucht die KaDeWe-Einbrecher

  • Aktualisiert am

Das Kaufhauf des Westens (KaDeWe) in Berlin Bild: AP

Im noblen Kaufhaus des Westens in Berlin liegen die Sicherheitsvorkehrungen nach eigenen Angaben „weit über den üblichen Standards“. Gleichwohl ist es Profi-Dieben gelungen, die Alarmanlage zu überlisten und eine Juwelierfiliale auszuräumen. Die Beute soll mehrere Millionen Euro wert sein.

          So hatte sich Ursula Vierkötter die ersten Tage im neuen Job sicher nicht vorgestellt. Kaum war die 43-Jährige am 21. Januar als neue Chefin des berühmten Berliner Kaufhauses KaDeWe angetreten, stand ihr Haus ganz oben in den Schlagzeilen - allerdings anders als erhofft. Mit einem spektakulärem Einbruch räumten Profi- Diebe eine Juwelier-Filiale im Erdgeschoss des KaDeWe aus. Die vermeintlich hochmodernen Alarmanlagen im zweitgrößten Kaufhaus Europas rührten sich in der Nacht zu Montag nicht, während die Bande offenbar unbelästigt von Wachleuten Schmuck und Uhren im Millionen- Wert einpackte und entkam.

          Wie die Einbrecher genau in das Edel-Kaufhaus in der Nähe des Kudamms gelangten, und ob sie am Tatort in der Filiale der Juwelier-Kette Christ Spuren hinterließen, wollte die Berliner Polizei am Dienstag nicht sagen. Inzwischen hätten sich aber Zeugen gemeldet, sagte Polizeisprecher Bernhard Schodrowski. „Es gibt Hinweise zu der Tat, aber bisher nichts Konkretes und keine heiße Spur.“ Die Polizei suche nach weiteren Zeugen. Experten des Landeskriminalamtes würden nun die Spuren vom Tatort auswerten.

          100.000 Euro Belohnung

          Angaben über die genaue Höhe des Schadens wollte Christ am Dienstag nicht machen. In einer Pressemitteilung hieß es nur, „Uhren und Schmuck von nicht unerheblichem Wert“ seien gestohlen worden. „Darüber hinaus sagen wir nichts“, sagte eine Sprecherin. Laut Zeitungsberichten soll das Diebesgut mehrere Millionen Euro wert sein. Zehn Prozent des Wertes von wiederbeschafftem Schmuck, aber höchstens 100.000 Euro, will Christ als Belohnung für Hinweise zahlen.

          Am Dienstag füllten Angestellte hinter Absperrungen die ausgeräumten Regale und Vitrinen wieder auf. Vor den Absperrwänden vertrieben Wachleute die Fotografen. Am Mittwoch soll die Filiale wieder eröffnet werden.
          Bekannt ist bisher, dass die Einbrecher offenbar über das Vordach eines Seiteneingangs kletterten. Im Erdgeschoss brachen sie Schränke auf und schlugen Glasvitrinen ein. Ein Wachmann entdeckte den Einbruch am Montagmorgen gegen 6.00 Uhr. Eine Sprecherin des KaDeWe betonte: „Wir gelten als eines der am besten gesicherten Kaufhäuser.“ Die Sicherheitsvorkehrungen lägen „weit über den üblichen Standards“.

          Überfall „militärisch geplant“

          Zum Schutz von Juweliergeschäften werden laut Experten Überwachungskameras, Lichtschranken oder Bewegungsmelder angeboten. Meistens patrouillieren auch Wachleute. Wie in Hollywoodfilmen à la George Clooneys „Oceans Eleven“ müssen die Diebe die Alarmanlagen überlistet haben. Sicherheitsexperte Martin Winckel, der einen kostenpflichtigen „Juwelier-Warndienst“ betreibt, tippt auf professionelle Täter aus Osteuropa. Darauf weise der reibungslose Ablauf der Tat ohne Alarm hin.

          Profi-Banden, die „militärisch geplant“ vorgehen würden, gebe es in Deutschland nicht mehr, sagte Winckler. „Sie haben genug Zeit gehabt, sich nur auf die eine Filiale konzentriert und optimal abgeräumt.“ Der Einbruch sei offenbar gut geplant und lange vorbereitet gewesen. Dass Uhren und Schmuck wieder gefunden werden, erwartet Winckler nicht. „Als der Alarm einging, waren Täter und Juwelen wahrscheinlich schon fast in Moskau.“

          Quelle: dpa

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