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Kriminalstatistik : Intensivtätern auf der Spur

Nordrhein-Westfalen ist Haupt-Tatort von Einbrechern Bild: dpa

Die Zahl der Einbrüche in Deutschland steigt, oft stecken Banden dahinter. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen versucht seit einiger Zeit, Intensivtäter durch bessere Vernetzung schneller zu stellen. Das Konzept scheint zu greifen.

          Es war einer der bisher größten Erfolge der nordrhein-westfälischen Polizei im Kampf gegen Einbrecherbanden, seit sie mit dem Konzept „Mobile Täter im Visier“ („Motiv“) arbeitet. Im März nahmen Wuppertaler Ermittler neun Mitglieder zweier Banden fest, denen in 31 nordrhein-westfälischen und hessischen Städten 63 Einbrüche zugerechnet werden. Bei ihren Beutezügen waren die 32 südosteuropäischen Serieneinbrecher zwischen 16 und 56 Jahren stets nach demselben Schema vorgegangen: Sie kundschafteten freistehende Einfamilienhäuser aus, um von der Rückseite aus durch Fenster oder Verandatüren einzudringen und schnell Schmuck, Uhren, Bargeld, Kameras und tragbare Computer zu erbeuten.

          Zahl der Einbrüche in NRW wieder gestiegen

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Auch die am Mittwoch vorgestellte Kriminalitätsstatistik weist Nordrhein-Westfalen wieder als Haupt-Tatort von Einbrechern aus. Und wieder ist zwischen Rhein und Weser die Zahl der versuchten und vollendeten Einbrüche im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, um 1,5 Prozent auf nun 54953. Es ist der höchste Stand seit 1995. Das bevölkerungsreichste Bundesland ist auch deshalb so beliebt bei Einbrechern, weil es nirgends so viele urbane Ballungsräume gibt. In städtischen Regionen ist die Zahl der Wohnungseinbrüche drei Mal so hoch wie in ländlichen Regionen. Zudem bietet Nordrhein-Westfalen mit seinem dichten Netz an Autobahnen mit vielen Tank- und Rastanlagen auch Einbrecherbanden eine gute Infrastruktur – für die schnelle Tatortanfahrt und -abfahrt ebenso wie für die zügige Beute-Übergabe.

          „Wir haben in Nordrhein-Westfalen vor etwa fünf Jahren erkannt, dass die Zahl der Einbrüche, Taschendiebstähle und der Metalldiebstahl stark zunimmt“, sagt Uwe Jacob, der Leiter des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts. Als eine Arbeitsgruppe die Tätergruppen genauer unter die Lupe nahm, stellte man fest, dass der Anteil der hochmobilen Intensivtäter im Vergleich zur Zahl der räumlich begrenzt aktiven Einbrecher und der Personen, die Eigentumsdelikte begehen, um ihre Rauschgiftsucht zu finanzieren, schnell steigt. „Relativ wenige Täter begehen immer mehr Straftaten“, sagt Jacob. „Wenn man die Zahl der Einbrüche wirksam bekämpfen will, müssen wir mit einem langfristigen, täterorientierten Gesamtkonzept diesen in Banden organisierten Personen das Handwerk legen.“

          Für das Konzept „Motiv“, mit dem die Polizei in Nordrhein-Westfalen seit August 2013 arbeitet, filtern Fachleute des LKA aus den Datenbanken alle „mobilen Intensivtäter Eigentum“ heraus. Die 374 Personen sind jene Tatverdächtigen, die innerhalb von zwölf Monaten mit mindestens fünf Eigentumsdelikten (ohne Ladendiebstahl) und in mindestens drei Polizeibezirken auch außerhalb Nordrhein-Westfalens aufgefallen sind. Diese 374 mobilen Einbrecher stehen im Verdacht, in den vergangenen Monaten Tausende Taten begangen zu haben. „Früher wurden diese Täter in der Regel von den lokalen polizeilichen Maßnahmen nicht effektiv genug erfasst“, sagt Jacob. „Deshalb haben wir überbezirkliche Strukturen geschaffen.“

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