Home
http://www.faz.net/-gus-7b9zf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Nordrhein-Westfalen Tumult im Gerichtssaal nach „Ehrenmord“-Urteil

Mit ihrem westlichen Lebenswandel hatte eine junge Libanesin ihre Familie erzürnt und musste mit dem Leben dafür zahlen. Nach dem Urteil im „Ehrenmord“-Prozess gingen Angehörige im Gerichtssaal aufeinander los.

© dpa Vergrößern Hinter Akten: Die angeklagte Mutter des Opfers (links) und ein Onkel (zweiter von rechts) im März auf der Anklagebank.

Mit einem Tumult im Gerichtssaal ist ein Prozess um den „Ehrenmord“ an einer 20 Jahre alten Libanesin zu Ende gegangen. Das Schwurgericht in Hagen (Nordrhein-Westfalen) verurteilte am Montag einen Onkel und einen Bruder des Opfers zu langen Haftstrafen. Mitglieder der inzwischen offensichtlich verfeindeten Zweige des syrisch-libanesischen Clans warfen darauf mit Stühlen und Schuhen, spuckten sich an und beschimpften sich gegenseitig. Erst nach mehreren Minuten hatten Wachtmeister die Lage unter Kontrolle.

Der Onkel erhielt eine lebenslange Haftstrafe, der zur Tatzeit im Jahr erst 16 Jahre alte Bruder wurde zu einer Jugendstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt. Beide waren nach Einschätzung des Gerichts von einem „übersteigerten Ehrgefühl“ besessen. Mit dem Mord habe die zerstörte Familienehre wieder hergestellt werden sollen. Die junge Libanesin liebte es auszugehen. Sie hatte Freunde, wollte einen Beruf ergreifen und auf eigenen Füßen stehen. Genau das aber wurde in ihrer Familie bei Frauen nicht geduldet. Das Mädchen war im August 2008 auf einem Autobahnparkplatz umgebracht worden.

Dass auch die Mutter des Opfers in die Mordpläne eingeweiht war, konnten die Richter nicht feststellen. In der Anklage hatte es ursprünglich geheißen, die Mutter habe ihre Tochter am Abend vor der Tat telefonisch in die elterliche Wohnung nach Schwerte gelockt und damit die Bluttat erst ermöglicht. „Das war aber sicher nicht so“, sagte die Richterin. Für die Kammer stehe vielmehr fest, dass der Bruder den verhängnisvollen Anruf getätigt hatte. Der 16 Jahre alte Verurteilte habe sich nach dem Tod des Vaters als neues Oberhaupt dieses Familienzweiges hervortun wollen.

Freigesprochen wurde die Mutter jedoch nicht. Sie muss eine Geldstrafe von 1500 Euro zahlen, weil sie in einem früheren Prozess gelogen hatte. Damals war schon ein Cousin der Libanesin wegen Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Einen Freispruch erhielt jetzt aber ein weiterer Onkel des Opfers. Ihm sei nicht nachzuweisen, dass er für die Auswahl des Tatorts verantwortlich gewesen sei, entschieden die Richter.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Völkermord-Prozess Haftstrafen für Massenmord von Srebrenica

1995 wurden in Srebrenica fast 8000 Menschen ermordet. Nun wurden fünf Angeklagte in einem Berufungsverfahren vom UN-Tribunal für Kriegsverbrechen endgültig zu langen Haftstrafen verurteilt. Mehr

30.01.2015, 14:34 Uhr | Politik
Wende im Fall Pistorius Berufung der Staatsanwaltschaft zugelassen

Der Prozess gegen den wegen Totschlags zu fünf Jahren Haft verurteilten südafrikanischen Sprintstar Oscar Pistorius geht in die zweite Runde. Die Richterin Thokozile Masipa gab in Pretoria einem Berufungsantrag der Staatsanwaltschaft statt. Diese will durchsetzen, dass Pistorius nicht wegen Totschlags, sondern wegen Mordes verurteilt wird. Mehr

10.12.2014, 12:15 Uhr | Gesellschaft
Mord an einer jungen Frau Pferde, Schulden, böse Menschen

Mit Höchststrafen ahndet das Berliner Landgericht den Mord an einer jungen Frau, deren Freunde sich entschlossen hatten, ihrem Leben ein jähes Ende zu setzen. Mehr Von Mechthild Küpper, Berlin

29.01.2015, 10:39 Uhr | Gesellschaft
Unschuldig verurteilte Halbbrüder frei nach 30 Jahren Haft

Zwei Brüder waren seit 1983 in den USA inhaftiert, wegen Vergewaltigung und Mordes. Zu Unrecht, wie jetzt festgestellt wurde. Ein DNA-Test hatte die Halbbrüder entlastet. Mehr

04.09.2014, 09:26 Uhr | Gesellschaft
Getötete Frau in Darmstadt Ehrenmord wegen des falschen Bräutigams?

Zwei Tage, nachdem eine 19 Jahre alte Frau in Darmstadt tot an einem Parkplatz gefunden wurde, verdichten sich die Hinweise auf einen Ehrenmord. Es wäre nicht der erste in Hessen. Mehr Von Katharina Iskandar

30.01.2015, 07:23 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 15.07.2013, 17:30 Uhr

Benedict Cumberbatch Für die Rechte Homosexueller

Schauspieler Benedict Cumberbatch hat eine nachträgliche Begnadigung zehntausender britischer Schwuler gefordert. Das Baby von Shakira und Gerard Piqué hat bereits eine Fußball-Konfession und die kleine North West könnte ein Geschwisterchen namens South West bekommen – der Smalltalk. Mehr 11

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden