Home
http://www.faz.net/-gum-7b9zf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Veröffentlicht: 15.07.2013, 17:30 Uhr

Nordrhein-Westfalen Tumult im Gerichtssaal nach „Ehrenmord“-Urteil

Mit ihrem westlichen Lebenswandel hatte eine junge Libanesin ihre Familie erzürnt und musste mit dem Leben dafür zahlen. Nach dem Urteil im „Ehrenmord“-Prozess gingen Angehörige im Gerichtssaal aufeinander los.

© dpa Hinter Akten: Die angeklagte Mutter des Opfers (links) und ein Onkel (zweiter von rechts) im März auf der Anklagebank.

Mit einem Tumult im Gerichtssaal ist ein Prozess um den „Ehrenmord“ an einer 20 Jahre alten Libanesin zu Ende gegangen. Das Schwurgericht in Hagen (Nordrhein-Westfalen) verurteilte am Montag einen Onkel und einen Bruder des Opfers zu langen Haftstrafen. Mitglieder der inzwischen offensichtlich verfeindeten Zweige des syrisch-libanesischen Clans warfen darauf mit Stühlen und Schuhen, spuckten sich an und beschimpften sich gegenseitig. Erst nach mehreren Minuten hatten Wachtmeister die Lage unter Kontrolle.

Der Onkel erhielt eine lebenslange Haftstrafe, der zur Tatzeit im Jahr erst 16 Jahre alte Bruder wurde zu einer Jugendstrafe von sechseinhalb Jahren verurteilt. Beide waren nach Einschätzung des Gerichts von einem „übersteigerten Ehrgefühl“ besessen. Mit dem Mord habe die zerstörte Familienehre wieder hergestellt werden sollen. Die junge Libanesin liebte es auszugehen. Sie hatte Freunde, wollte einen Beruf ergreifen und auf eigenen Füßen stehen. Genau das aber wurde in ihrer Familie bei Frauen nicht geduldet. Das Mädchen war im August 2008 auf einem Autobahnparkplatz umgebracht worden.

Dass auch die Mutter des Opfers in die Mordpläne eingeweiht war, konnten die Richter nicht feststellen. In der Anklage hatte es ursprünglich geheißen, die Mutter habe ihre Tochter am Abend vor der Tat telefonisch in die elterliche Wohnung nach Schwerte gelockt und damit die Bluttat erst ermöglicht. „Das war aber sicher nicht so“, sagte die Richterin. Für die Kammer stehe vielmehr fest, dass der Bruder den verhängnisvollen Anruf getätigt hatte. Der 16 Jahre alte Verurteilte habe sich nach dem Tod des Vaters als neues Oberhaupt dieses Familienzweiges hervortun wollen.

Freigesprochen wurde die Mutter jedoch nicht. Sie muss eine Geldstrafe von 1500 Euro zahlen, weil sie in einem früheren Prozess gelogen hatte. Damals war schon ein Cousin der Libanesin wegen Mordes zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Einen Freispruch erhielt jetzt aber ein weiterer Onkel des Opfers. Ihm sei nicht nachzuweisen, dass er für die Auswahl des Tatorts verantwortlich gewesen sei, entschieden die Richter.

Quelle: DPA

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Odenwaldschule Früherer Lehrer ficht Urteil an

Ein früherer Lehrer der Odenwaldschule ist wegen des Besitzes von Kinderpornos zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Er hat Berufung gegen das Urteil eingelegt. Zudem könnte der Prozess ihn seinen jetzigen Job kosten. Mehr

04.02.2016, 17:23 Uhr | Rhein-Main
Ankara Merkel entsetzt über russische Bombenangriffe in Syrien

Bei ihrem Besuch in der Türkei hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Angriffe der russischen Luftwaffe und der syrischen Armee rund um die Stadt Aleppo verurteilt. Mehr

08.02.2016, 17:41 Uhr | Politik
Achteinhalb Jahre Haft Mann gesteht Missbrauch in 549 Fällen

Das Landgericht Münster hat einen 62 Jahre alten Mann verurteilt, der drei Töchter befreundeter Ehepaare mehr als 500 Mal missbraucht hat. Die Eltern hatten jahrelang nichts gemerkt. Und es soll noch viel mehr Übergriffe gegeben haben. Mehr

02.02.2016, 18:34 Uhr | Gesellschaft
Hoffnung auf Gerechtigkeit Prozess gegen ehemaligen SS-Mann startet

Am Donnerstag beginnt der Prozess gegen den ehemaligen SS-Mann und Auschwitz-Aufseher Reinhold H. in Detmold. Nebenkläger sagen, sie sehen die Verhandlung in Detmold auch als Signal gegen die Rechtsentwicklungen in Deutschland. Dem Angeklagten wird 170.000-fache Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Mehr

11.02.2016, 17:53 Uhr | Politik
Niedersachsen Mörder der Küsterin vergiftet sich

Ein Mann, der seine Frau ermordet hatte, hat im Gefängnis Selbstmord begangen. Er war im vergangenen Jahr zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Mehr

01.02.2016, 15:30 Uhr | Gesellschaft

Channing Tatum Da steppt der Bär

Channing Tatum hängt die Tanzschuhe an den Nagel, Jess kommt zurück zu den Gilmore Girls und Nationalspieler Reus hat ein Model zur Freundin – der Smalltalk. Mehr 33



Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden