18.08.2009 · Gewaltsames Ende eines Gutachter-Termins: Bei einer Schießerei in Schwalmtal bei Viersen am Niederrhein sind drei Menschen getötet worden. Eine weitere Person wurde schwer verletzt. Nachdem sich der Täter stundenlang in einer Wohnung verschanzt hatte, ergab er sich der Polizei.
Von Reiner Burger, SchwalmtalAm frühen Dienstagabend ist der Schwalmtaler Stadtteil Amern von Polizisten in Uniform und Zivilbeamten belagert. Weitere Spezialeinsatzkräfte kommen aus dem Münsterland und aus dem Ruhrgebiet herbeigeeilt in die kleine Stadt am Niederrhein. Es soll eine Schießerei gegeben haben, einen Amoklauf, eine Geiselnahme - die Schaulustigen und die Journalisten wissen so wenig, dass sie sich an Gerüchten festhalten.
Das Wohngebiet mit den Backstein-Einfamilienhäusern ist weiträumig abgesperrt. Aus dem Margeritenweg, wo sich der Täter in einem Haus verschanzt haben soll, dringt nichts nach außen. Erst um kurz nach 19 Uhr kommt Bewegung in die Einsatzkräfte. Einer der Polizisten in schwerer Einsatzkleidung hat ein Brecheisen und eine Axt dabei.
Eine Beziehungstat
Im Garagenhof einer Neubausiedlung in der Nähe findet um 20.15 Uhr die erste Pressekonferenz statt. Gegen 16.30 Uhr seien mehrere Schüsse abgegeben worden, sagt Polizeisprecher Markus Niesczery. Ein unbeteiligter Zeuge habe die Polizei alarmiert. Gegen 19.30 Uhr gab der Täter schließlich auf. Als die Polizisten in das Haus vordrangen, entdeckten sie demnach drei Tote im und vor dem Haus. Eine Person sei schwer verletzt worden und befinde sich im Krankenhaus, drei weitere Personen im Haus seien unverletzt geblieben.
Der Hintergrund ist eine Beziehungstat. Niesczery nennt mehrere mögliche Motive. Demnach könnte die Tat im Zusammenhang einer möglichen Zwangsräumung der Immobilie stehen. Sicher ist gegen 21 Uhr jedenfalls, dass zwei Gutachter des Landkreises Viersen bei dem Aufmaßtermin dabei waren, wie der Landkreis Viersen bestätigt. Der Schwerverletzte sei einer der beiden Gutachter. Der Mann musste im Krankenhaus Viersen operiert werden. Der Verbleib des anderen Mitarbeiters war zunächst ebenso unklar wie die Identität der drei Toten.
Es scheint nicht der erste Gewaltausbruch des mutmaßlichen Täters gewesen zu sein. Anwohner berichten, der Mann, lebe in Scheidung von seiner Frau. Schon häufiger sei es zu heftigen Auseinandersetzungen mit Tätlichkeiten in der Familie gekommen. Die Polizei, so ergänzt der Sprecher später am Abend, sei vor dem Zugriff äußerst besorgt gewesen. Die Polizeiaktion sei nämlich aus einem Dachfenster von Anwohnern gefilmt worden. Wenn die Bilder an die Öffentlichkeit gelangt wären, hätte auch der Täter die Polizei beobachten können.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) zeigte sich tief betroffen über die schrecklichen Ereignisse in Schwalmtal. Er betonte seine Anteilnahme mit den Opfern. Sein Dank gelte der Polizei und den Rettungskräften, hieß es am Abend in Düsseldorf.
Zu den Hintergründen un dem Hergang der Tat gab es von der Polizei zunächst keine weiteren Einzelheiten. Unklar war auch, ob die geschiedene Frau des Täters bei dem Termin anwesend war. Die „Rheinische Post“ schrieb, zwei Immobilienmakler und Anwälte seien anwesend gewesen, um den Wert des Hauses zu ermitteln. Am Mittwoch will die Polizei bei einer Pressekonferenz in Düsseldorf weitere Details bekanntgeben.
Ballerspiele gespielt oder was?
Nils Ziegemeier (NilsZiegemeier)
- 19.08.2009, 08:50 Uhr