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Nordrhein-Westfalen Angst vor einem neuen Rockerkrieg

11.02.2012 ·  Der „Friedenspakt“ zwischen „Hells Angels“ und „Bandidos“ scheint nicht mehr zu gelten. Seit einer Bandenschlägerei setzt die Polizei in Nordrhein-Westfalen verstärkt auf große Razzien im Milieu.

Von Reiner Burger, Düsseldorf
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© dapd 2010 in Hannover: Medienwirksam geschlossener „Friedenspakt“ zwischen „Hells Angels“ und „Bandidos“

Es war eine generalstabsmäßig geplante Aktion gegen die Rocker-Kriminalität. Mehrere hundert Einsatzkräfte hatte die Polizei am Donnerstagabend zusammengezogen, um gleichzeitig ein als Saunaclub bezeichnetes Bordell in Leverkusen und drei Privatwohnungen in Köln, Duisburg und Leverkusen durchsuchen zu können.

Die Großaktion steht im Zusammenhang mit der Massenschlägerei zwischen den beiden Rocker-Clubs „Bandidos“ und „Hells Angels“, bei der am 21. Januar vor einer Diskothek in Mönchengladbach vier Personen zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden. Konkret suchte die Polizei am Donnerstagabend nach zwei Männern aus dem Umfeld der Bandidos, die in Mönchengladbach mit Messern auf ihre Gegner losgegangen sein sollen.

Wendepunkt in der Rockerszene

Der 21. Januar dürfte über die Grenzen Nordrhein-Westfalens hinaus in der Rockerszene als Wendepunkt wahrgenommen worden sein. Das Landeskriminalamt sieht in der Massenschlägerei jedenfalls ein untrügliches Zeichen dafür, dass der 2010 medienwirksam in einer Hannoveraner Anwaltskanzlei für ein Jahr geschlossene „Friedenspakt“ zwischen „Hells Angels“ und „Bandidos“ seither endgültig nicht mehr gilt und nun wieder verstärkt mit Klub-Überfällen, Revierstreitigkeiten, Verletzten oder gar Toten im Kampf um Einfluss im Rotlicht-Milieu zu rechnen ist.

Wie der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) vor kurzem im zuständigen Landtagsausschuss mitteilte, mischten in Mönchengladbach nicht nur „Bandidos“ und „Hells Angels“ mit, sondern auch Mitglieder der Rockerclubs „Outlaws“ und „Gremium MC“. Die Vielzahl der Tatbeteiligten deute darauf hin, „dass gezielt eine Auseinandersetzung gesucht“ wurde. Generell bereiten dem Innenminister die „Supporter“ von „Hells Angels“ und „Bandidos“ zunehmend Sorgen. Auffällig bei den „Supportern“ sei nicht nur die Häufung „krimineller Biografien“, auffällig sei auch der hohe Anteil der Rocker-Unterstützer mit Migrationshintergrund. Auch an der Großschlägerei in Mönchengladbach waren viele Männer mit ausländischen Wurzeln beteiligt.

Bordell mit Wagenburg umstellt

Im Fokus der Großrazzia am Donnerstagabend stand der 37 Jahre alte Tunesier Brahim Z., der Betreiber des Bordells in Leverkusen, und der 23 Jahre alte deutsche Staatsbürger Ramin Y. Die Polizei kam den beiden Männer aus dem erweiterten Kreis der Bandidos durch die Auswertung der Videobänder einer Überwachungskamera aus der Mönchengladbacher Innenstadt auf die Spur. Aus den Aufnahmen sollen sich Hinweise ergeben, dass es sich bei den Männern um die beiden gesuchten Messerstecher handelt. Ermittlungshilfe aus der Szene kann die Polizei nicht erwarten. Weder Tatverdächtige noch Opfer seien bereit, Aussagen zu machen, heißt es von den Mönchengladbacher Ermittlern.

Innenminister Jäger betont immer wieder, dass bei der Bekämpfung der Rockerkriminalität „null Toleranz“ gelte. Die Polizei werde konsequent durchgreifen. Was das bedeutet, bekommt die Szene mittlerweile regelmäßig vor Augen geführt. Ende Januar rückten zwei Hundertschaften in den Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim ein, wo der zu den „Hells Angels“ zählende Motorradclub „Clan 81“ im vergangenen Jahr die Kneipe „Red Pearl“ eröffnet hatte. Und auch am Donnerstagabend zeigte die Polizei ihre Entschlossenheit. Zum Einsatz in Leverkusen rückte sie mit schwerem Gerät an. Das Bordell umstellte sie mit einer Wagenburg, um alle Fluchtwege abzuschneiden.

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Jahrgang 1969, politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

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