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Veröffentlicht: 03.03.2017, 21:06 Uhr

Niklas-Prozess „Der hat bestimmt etwas damit zu tun“

Im Mordfall Niklas P. werden immer mehr Details zur Tatnacht bekannt. Nun sagt die ehemalige Freundin des Hauptangeklagten Walid S. vor Gericht aus. Sie beschreibt den mutmaßlichen Täter als gewaltbereit und unberechenbar.

von Michaela Schwinn, Bonn
© dpa Verhängnisvolle Begegnung: Eine Schlägerei kostete Niklas P. das Leben.

Der achte Prozesstag um den Tod von Niklas P. ist kein leichter für den Hauptangeklagten. Seine damalige Freundin wird als Zeugin verhört. Mit ihr war Walid S. in der Nacht unterwegs, in der Niklas P. geschlagen und getreten wurde. Wenige Tage später starb der 17 Jahre alte Schüler an seinen Verletzungen. Walid S. ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt.

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Die Zeugin, 17 Jahre alt, Blümchenbluse, rote Lippen, betritt den Saal im Bonner Landgericht. Walid S. starrt auf das dunkle Holz der Anklagebank. Er beißt sich auf die Lippen, blickt nicht auf. „Ja, wir waren damals zusammen“, sagt das Mädchen leise, als der Richter nach ihrer Beziehung fragt. Auch in jener Mainacht im vergangenen Jahr, als im Bonner Stadtteil Bad Godesberg die Schlägerei stattfand, die Niklas das Leben kostete. Die Zeugin hatte Walid S. von der Arbeit abgeholt, der Kurpark war ihr Ziel. Mehrere Jugendliche waren dort. Sie hätten Wodka-Energy getrunken und gekifft, berichtet die Zeugin. Dann sei Walid S. gegangen. Er wollte zur Tankstelle und neue Mixgetränke besorgen.

Was Walid S. in den nächsten eineinhalb Stunden machte, ist unklar. Er selbst schweigt zur Tatnacht. Seine damalige Freundin, die um diese Zeit laut eigener Aussage schon stark alkoholisiert war, versuchte ihn zu erreichen. Immer wieder wählte sie seine Nummer. Doch er antwortete nicht. Irgendwann sei Walid wieder aufgetaucht, mit einer Flasche Energy-Drink in der Hand. Sie seien noch eine Weile geblieben und dann getrennt nach Hause gefahren.

Ehemalige Freundin vermutetet Täterschaft

Erst Tage später habe sie von der Schlägerei am Bahnhof Bad Godesberg erfahren, der nur wenige Meter von dem Park entfernt liegt, in dem sie gemeinsam getrunken und gefeiert hatten. Es dauerte nicht lange, bis Täterbeschreibungen kursierten und Bekannte sie fragten: Könnte es nicht Walid gewesen sein? „Was dachten Sie?“, hakt der Richter nach. „Er war lange weg in dieser Nacht“, antwortet die Zeugin, starrt auf ihre gefalteten Hände. „Ich dachte, der hat bestimmt etwas damit zu tun.“

Ihre Vermutung kommt nicht von ungefähr. Schon mehrmals sei sie dabei gewesen, als Walid S. sich prügelte: „Es waren viele Schlägereien, ich weiß nicht mehr jede einzelne.“ Ob Walid dabei auch zugetreten habe, fragt der Staatsanwalt. „Ja“, antwortet sie. Ob schon ein kleiner Anlass reiche, dass er zuschlage? Wieder ein „Ja“. Der Staatsanwalt lächelt zufrieden.

Wie schon an vorherigen Verhandlungstagen kommt wieder eine Jacke zur Sprache. An ihr sollen Blutspuren von Niklas P. gesichert worden sein. Der Verteidiger von S. bestreitet, dass sie seinem Mandanten gehöre. Er habe sie lediglich im Kurpark angezogen. Und auch seine ehemalige Freundin sagt aus, dass ein Bekannter die Jacke angehabt und Walid S. sie erst angezogen habe, als er wieder von der Tankstelle zurück gewesen sei. Wem die Jacke wirklich gehört und welche Rolle sie noch für den Prozess spielen wird, das wird unter anderem an den nächsten Verhandlungstagen zu klären sein. Insgesamt sollen noch 30 Zeugen gehört werden. Da diese in der Tatnacht nur mit Walid S. zu tun hatten und nicht mit dem Mitangeklagten Roman W., der ebenfalls an der Schlägerei beteiligt gewesen sein soll, wird dessen Verfahren abgespalten und künftig gesondert weitergeführt.

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