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Serienmörder aus dem Taunus : Hinter der Fassade

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Er soll mehrere Leben auf grausame Art und Weise beendet haben: Jazzmusiker und Familienvater Manfred S. Bild: dpa

Plötzlich wird das Grauen sichtbar: Ein als hilfsbereiter Gärtner und Hobbymusiker bekannter Familienvater aus dem hessischen Schwalbach soll ein sadistischer Serienmörder gewesen sein.

          Das Freibier hat einen schalen Beigeschmack. Auf dem Schwalbacher Altstadtfest ist die Stimmung nicht wirklich ausgelassen. Trotz der Kinderkarussells, der Imbissbuden und der fröhlichen Musik beschäftigt viele Anwohner etwas anderes: Unter ihnen soll jahrzehntelang ein Serienmörder gelebt haben.

          „Gerade in einer so verstörenden Situation für die Stadt ist dieses Fest eine gute Gelegenheit, zusammenzukommen“, sagt Christiane Augsburger, die Bürgermeisterin der 14.000-Einwohner-Gemeinde im Taunus. „Man kommt ins Gespräch, isst und trinkt gemeinsam und tauscht sich natürlich auch über dieses Thema aus.“

          Dieses Thema, das ist Manfred S. Vor wenigen Tagen gab das Landeskriminalamt Hessen auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden Einblicke in die Ermittlungen zu einer möglichen Mordserie. Der Hauptverdächtige: der vor zwei Jahren verstorbene S. aus Schwalbach. Er soll zwischen 1971 und 2004 mehrere Frauen im Frankfurter Raum getötet und verstümmelt haben. „Das Unverständnis ist bei allen hier groß. Er war ja ein netter, umgänglicher Mann – und er hat gute Musik gemacht“, erinnert sich Augsburger. Aber offenbar war das nur die eine Seite seines Lebens.

          „Die Spitze sadistisch-sexueller Gewaltphantasien“

          S. spielte Saxophon in einem Jazzorchester. „Overall Jazz Gang“ nannten sie sich. Er war beliebt bei seinen Mitmusikern und dem Publikum. Fragt man die Schwalbacher heute nach ihm, reagieren alle ähnlich ungläubig. „Vorstellen kann ich mir das nicht“, sagt ein Nachbar aus der Straße, in der S. über 30 Jahre lang wohnte, bis er an Krebs starb. Er wurde 67 Jahre alt. „Das war einer wie Sie und ich“, versichert ein anderer. Gemeinsam stehen die Nachbarn jetzt an den Biertischen auf dem Stadtfest, halten sich an ihren Biergläsern fest und wippen im Takt der Musik. Auf der Hauptbühne spielt eine alternde Rock-Coverband Songs aus den siebziger Jahren. Dieses Jahr wird hier keine Jazzkapelle auftreten.

          Dass Manfred S. offenbar ein Doppelleben geführt hat, zeigte sich schon kurz nach seinem Tod im Spätsommer 2014. Beim Entrümpeln der angemieteten Garage im Altstadtkern von Schwalbach stießen seine Tochter und der Schwiegersohn auf Leichenteile, aufbewahrt in blauen Plastikfässern. Sie verständigten die Polizei. Mehrere Tage dauerte die Spurensuche. Parallel dazu versuchten die Ermittler herauszufinden, wer die unbekannte Tote war. Sie stießen auf den Namen Britta Diallo – eine Prostituierte aus Frankfurt. Sie war nach einem wahren Martyrium gestorben. Ihr Mörder hatte sie gequält und verstümmelt. Noch während sie gelebt hatte, waren ihr Wunden am ganzen Körper zugefügt und Gliedmaßen abgetrennt worden. Der Frankfurter Mordermittler Frank Herrmann, der jedes Detail dieses grausamen Mordes kennt, sagt: „Das, was der Täter dort auslebte, war die Spitze sadistisch-sexueller Gewaltphantasien.“

          Die Nachricht von dem grausamen Fund sprach sich 2014 schnell in Schwalbach herum. Anwohner erinnern sich noch gut an „die Geistermänner in Weiß“, Kriminaltechniker, die tagelang die vollgestopfte Garage durchforsteten. Dass zwischen dem Gerümpel und den Gartenmaschinen menschliche Überreste versteckt waren, überraschte jeden, der S. kannte.

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