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Aktualisiert: 28.12.2016, 14:36 Uhr

Zentralrat der Muslime „Die Nationalität sollte nicht verschwiegen werden“

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, würde die Herkunft von Straftätern benennen wollen – als Teil des Tatprofils. Außerdem sagt er: „Ich verstehe nicht, warum Menschen, die für den IS rekrutieren, nur beobachtet werden.“

© dpa „Wenn mehr über die Herkunft der Täter als über die Tat gesprochen wird, dann haben wir ein anderes Problem.“

Nachdem in Berlin Haftbefehl gegen sieben Flüchtlinge erlassen wurde, die versucht haben sollen, einen Obdachlosen anzuzünden, hat der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland Verständnis dafür geäußert, dass die Herkunft von Straftätern von der Polizei in solchen Fällen benannt wird. „Die Nationalität sollte beim Tatprofil nicht verschwiegen werden“, sagte Aiman Mazyek im Gespräch mit FAZ.NET. „Aber Verkürzungen, die nur aus der Nationalität bestimmte Kausalzusammenhänge schließen, sind meist Bestätigungen von Vorurteilen und helfen kaum, die Tat zu verstehen.“

Entscheidend sei am Ende nicht die Herkunft, sondern das Tatprofil, von dem aus man Rückschlüsse darauf ziehen könne, wie man solche Taten in Zukunft verhindern könne. Es heiße schnell: „Flüchtlinge greifen Menschen in U-Bahnen an, Deutsche sind Nazis, weil sie Flüchtlingsheime anzünden.“ Die Sache sei aber wesentlich differenzierter und schwieriger, sagte Mazyek. „Überspitzt könnte ein Rechtsextremist sonst auch sagen: Wenn die Flüchtlinge nicht gekommen wären, hätte ich das Heim nicht angezündet.“

43963385 © dpa Vergrößern Passanten verlassen die U-Bahnstation Schönleinstraße (Archivbild).

Eine fehlende Differenzierung führe zu Ressentiments, auf beiden Seiten. „Fragen Sie mal einen Tunesier, der hier seit 30 Jahren lebt und alles richtig macht, wie er sich im Moment schämt. Überall steht: ,Der Tunesier macht dies, der Tunesier macht das.'“ Es gebe immer einen Teil von Menschen, der kriminell sei, in jeder Kultur. „Das muss man einordnen. Wenn mehr über die Herkunft der Täter als über die Tat gesprochen wird, dann haben wir ein anderes Problem.“

„Es gibt berechtigtes Unverständnis“

Aiman Mazyek kann Kritik an den Sicherheitsbehörden nach dem Terroranschlag von Berlin verstehen: „Es gibt berechtigtes Unverständnis. Ich verstehe nicht, warum Menschen, die für den IS rekrutieren, nur beobachtet werden. Die müssen ins Gefängnis. Das wird auf Kosten unserer Sicherheit nicht gemacht.“

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Unter den minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen gebe es auch einen Anteil, „der verwahrlost und kriminell wird“. Die Jugendlichen würden oft alleine gelassen, manchmal werde die Aufenthaltserlaubnis bewusst bis zum 18. Lebensjahr nicht erteilt, damit sie ihre Familie nicht nachholen könnten. „Solche Jugendlichen stehen dann weinend vor mir, weil ihre Eltern in Syrien sitzen“, sagte Mazyek.

Die langjährige Berliner Ausländerbeauftragte Barbara John (CDU) hat sich unterdessen dafür ausgesprochen, die mutmaßlichen Täter aus dem Berliner U-Bahnhof Schönleinstraße nach einem Urteil außer Landes zu bringen. „Die Tatverdächtigen werden hoffentlich ein Strafverfahren kriegen, und dann müssen sie verurteilt werden“, sagte John der „Berliner Zeitung“ vom Mittwoch. „Es wäre gut, wenn man sie anschließend wieder loswürde, denn wenn das so anfängt, wo soll das enden?“

„Diese Menschen machen das nicht, weil sie Flüchtlinge sind“

John fügte mit Blick auf die Tat hinzu: „Man schluckt und fragt sich, wie es dazu kommen kann, dass man als Gruppenvergnügen einen Menschen verbrennen will.“ Dies sei „nicht zu begreifen“. Im Übrigen gelte: „Diese Menschen machen das nicht, weil sie Flüchtlinge sind, sondern weil sie so sind, wie sie sind – jung und verroht.“ Weiter sagte John: „Allerdings müssen wir zugeben können, dass mit den Flüchtlingen eben auch Kriminelle und Psychopathen zu uns kommen.“

Sieben Jugendliche und junge Männer im Alter von 15 bis 21 Jahren werden verdächtigt, in der Nacht zum ersten Weihnachtstag auf dem U-Bahnhof Schönleinstraße Kleidungsstücke eines schlafenden Obdachlosen in Brand gesetzt zu haben. Passanten löschten die Flammen. Der 37-Jährige blieb unverletzt. Die Polizei ermittelt wegen versuchten Mordes und fahndete öffentlich nach der Gruppe. Inzwischen sitzen die sieben Verdächtigen, sechs Syrer und ein Libyer, in Untersuchungshaft.

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