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Montag, 13. Februar 2012
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Natascha Kampusch „Ein paar Mal wäre ich fast gestorben“

04.01.2007 ·  Nahrungsentzug, Schläge und Knochenarbeit: In einem Fernsehinterview schildert Entführungsopfer Natascha Kampusch weitere Einzelheiten ihrer acht Jahre währenden Geiselhaft in einem Kellerverlies ihres Peinigers Priklopil.

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Sie habe ihn damals, im März 1998, schon von weitem gesehen und sich gefragt, was er da auf ihrem Schulweg verloren habe. Aus Angst überfahren zu werden wechselte die zehnjährige Natascha Kampusch nicht die Straßenseite und wurde von Wolfgang Priklopil verschleppt. Es folgte ein achtjähriges Martyrium in einem Kellerverlies für das Mädchen, aus dem sie sich im vergangenen Jahr selbst befreien konnte.

In der 45-minütigen Dokumentation des Österreichischen Rundfunks beschrieb Natascha Kampusch die Umstände ihrer Entführung. „Irgendwie hatte ich ein Bauchgefühl und wusste, das hier etwas nicht stimmt, beziehungsweise, dass er mir unheimlich ist.“

Bereits direkt nach der Geiselnahme, noch in dem Kastenwagen ihres Entführers, habe sie mit dem Leben abgeschlossen, berichtete Kampusch vom Tag ihrer Entführung.“Ich habe schon meinen inneren Frieden geschlossen. Ich habe mir gedacht, jetzt gibt es dich bald nicht mehr.“ Tagelang habe sie in ihrem Verlies unter dem Haus ihres Entführers wach gelegten, um zu verhindern, dass ihr im Schlaf etwas zustößt. „Man sieht nichts, man hört nur. Man hört das eigene Blut rauschen, man spürt die Enge, die Kälte, man denkt viel nach.“

Er soll sterben, er darf nicht sterben

Ein Entkommen aus dem Raum sei nicht möglich gewesen, da Priklopil den Eingang blockiert hatte. „Allein schon dieser schwere Betonklotz, da kann man ja gar nicht ausbrechen, der ist viel zu schwer für mich“, sagte Kampusch. Daher habe sie stets befürchtet, ihrem Entführer könne etwas zustoßen. „Wenn ihm etwas passiert wäre, wäre ich niemals dort raus gekommen.“

Diese Abhängigkeit vom Schicksal ihres Kidnappers bezeichnete die Achtzehnjährige als „irrsinnig ungutes Gefühl.“ Sie habe einerseits darauf hoffen müssen, „dass er ja nicht stirbt, damit man nicht verrottet, nie wieder gefunden wird“. Andererseits habe sie jedoch auch gebetet, „dass ihm irgendetwas passiert, damit das Ganze ein Ende hat“.

Ein paar Mal fast gestorben

Die Behandlung durch ihren Entführer beschrieb Kampusch als sehr zwiespältig. Einerseits sei sie ihm irrsinnig wichtig gewesen. Auf der anderen Seite habe er sie „wie den letzten Dreck behandelt.“ Unter anderem sei er sehr geizig mit Nahrung gewesen. „Er war fast wie ein Magersüchtiger, der es auf andere Leute übertragen hat“. Ein paar Mal sei sie fast gestorben, vor Hunger oder an einer Kreislaufschwäche.

Manchmal habe sich Priklopil aufgeführt wie ein Kleinkind. Zu manchen Zeiten hätte er einem Dreijährigen „alle Ehre gemacht“. Es sei aber ein Unterschied, „ob ein dreijähriges Kind auf jemanden eintritt, einbrüllt und zornig ist und alles kaputt macht, oder ob das ein 1,72 Meter großer starker Mann ist“.

„Als ob sie einem das Herz rausreißen“

Am Tag ihrer Flucht am 23. August 2006 habe sie beschlossen, es müsse ein Ende geben. „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken und eine Qual ohne Ende“, erklärte Kampusch, der die Schilderung ihrer Leidenszeit sichtbar schwer fiel. Nach ihrer dramatischen Flucht aus dem Haus Priklopils beging der Entführer Selbstmord. In den vergangenen Monaten wurde Kampusch von Experten betreut. Anwälte versuchen seither, sie vor aufdringlichen Medienvertretern zu schützen.

Auch die Mutter der jungen Frau äußerte sich in der Sendung zu ihren Ängsten nach dem Verschwinden ihrer Tochter. „Ich bin neben mir gestanden, das ist alles an mir vorbei gezogen. Man ist da wie in Trance, als ob sie einem das Herz rausreißen“, beschrieb sie das mehr als acht Jahre andauernde Bangen um ihr Kind. Vor allem ein Streit mit Natascha am Vorabend der Entführung habe sie immer wieder beschäftigt. „Das hat mich in den acht Jahren auch sehr viel gekostet an Substanz. Ich habe immer wieder gesagt zu all meinen Kindern, man geht im Streit nicht auseinander. Wer weiß, ob man sich wieder sieht“, sagte sie.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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