Home
http://www.faz.net/-gus-76emg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Nach Vergewaltigungstod Aufschrei in Südafrika

 ·  Der schockierende Tod einer Siebzehnjährigen sorgt für Entsetzen in Südafrika. Das Mädchen war Ende vergangener Woche vergewaltigt worden. Im Krankenhaus starb sie an ihren schweren inneren Verletzungen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (31)
© AFP Vergrößern Proteste gegen Vergewaltigungen in Kapstadt in 2011: Das Land steht in internationalen Statistiken an vorderster Stelle

Die Vergewaltigung und bestialische Ermordung eines 17 Jahre alten Mädchens hat Südafrika in Schock versetzt und ähnlich wie zuvor in Indien einen Sturm der Empörung hervorgerufen. In einer ungewöhnlichen Stellungnahme bezeichnete Staatspräsident Jacob Zuma die Tat als „schockierend, grausam und im höchsten Maße unmenschlich“. Er forderte die härtesten Strafen für die Verbrecher. „Die ganze Nation ist entsetzt über diese extreme Gewalt und die Zerstörung eines jungen Lebens.“

Die 17 Jahre Anine Booysen aus Bredasdorp nahe Kapstadt war Ende vergangener Woche von mehreren Männern vergewaltigt und danach bei lebendigem Leib verstümmelt worden. Ein Sicherheitsmann hatte das Mädchen am Samstagmorgen in einem Industriegebiet gefunden. Der Zustand der jungen Frau war offenbar derartig erschütternd, dass die Klinik sich zunächst weigerte, Informationen darüber zu veröffentlichen. Das Pflegepersonal, das sich ihrer angenommen hatte, benötigte danach psychologischen Beistand. Ein Arzt teilte mit, das Mädchen habe mehrere innere Organe verloren.

Drei Männer festgenommen

In der Zwischenzeit sind drei Männer festgenommen worden, die der Tat verdächtigt werden. Noch kurz vor seinem Tod hatte das Mädchen den Namen eines der Täter genannt, bei dem es sich um ihren 22 Jahre alten früheren Freund handeln soll. Die Männer sollen am kommenden Dienstag vor Gericht erscheinen.

Südafrika steht in internationalen Statistiken zu Vergewaltigungen an vorderster Stelle. Nach Schätzungen wird dort im Durchschnitt alle vier Minuten ein Mensch Opfer sexueller Gewalt. Mehr als 60.000 Vergewaltigungen werden jedes Jahr angezeigt, die tatsächliche Zahl dürfte aber mindestens zehnmal so hoch sein. Vor einigen Jahren gab in einer Umfrage jeder vierte Mann zu, schon einmal eine Frau vergewaltigt zu haben. Die Täter machen auch vor kleinen Kindern und Großmüttern nicht halt; zur Verurteilung kommt es selten.

Parteien, Menschenrechtsaktivisten und Gewerkschaften forderten am Freitag ein entschiedenes Vorgehen, um der sexuellen Gewalt gegen Frauen ein Ende zu setzen. In der Bevölkerung wurde auch der Ruf nach einer Wiedereinführung der Todesstrafe laut. Als Ursachen für die hohe Zahl der Vergewaltigungen nennen Fachleute unzureichende Bildung, Frustration aufgrund von Armut und Arbeitslosigkeit, patriarchalische Gesellschaftsstrukturen und die weit verbreitete Auffassung, Männer hätten ein Recht auf Sex.

  Weitersagen Kommentieren (22) Merken Drucken
Weitere Empfehlungen
Studie zur sexuellen Gewalt Prozesse wegen Vergewaltigung enden immer öfter ohne Urteil

Die Chancen, dass in Deutschland ein Vergewaltiger verurteilt wird, sind laut einer neuen Studie deutlich gesunken. Für einen Rechtsstaat sei das ein problematischer Befund, sagen die Autoren. Mehr

17.04.2014, 05:00 Uhr | Gesellschaft
Sexuelle Belästigung von Männern Britische Beklemmung

Dieser Skandal überfordert das britische Königreich: Ein Politiker soll Männer sexuell belästigt haben. Sogar der Boulevardpresse fällt dazu nichts mehr ein. Mehr

06.04.2014, 14:27 Uhr | Politik
Aufarbeitung des Völkermords Lehren aus Ruanda

Am Vorrang der Realpolitik in der internationalen Politik hat Ruanda wenig geändert. Für die Entwicklung des Völkerstrafrechts war die Erfahrung des Genozids ein maßgeblicher Faktor. Die individuelle Verfolgung der Völkermörder aber verläuft fragwürdig. Mehr

07.04.2014, 14:27 Uhr | Politik

08.02.2013, 16:27 Uhr

Weitersagen
 

Lothars Ex-Frau Liliana Matthäus wegen schweren Diebstahls angeklagt

Liliana Matthäus, die Ex-Frau von Fußballstar Lothar Matthäus, wurde in New York vorübergehend festgenommen und wegen schweren Diebstahls angeklagt. Was sie gestohlen haben soll, lesen Sie im Smalltalk. Mehr 25

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden