07.01.2009 · Dreieinhalb Wochen nach der Messerattacke ist der Passauer Polizeichef Alois Mannichl wieder im Dienst. Die Solidarität aus der Bevölkerung sei sehr wohltuend gewesen, sagte er. Einen Heldenstatus im Kampf gegen Rechts lehnte er ab.
Dreieinhalb Wochen nach der Messerattacke ist der Passauer Polizeichef Alois Mannichl wieder im Dienst. Er nahm seine Arbeit als Direktionsleiter am Mittwoch wieder auf. „Die Verletzungen sind weitestgehend abgeheilt“, sagte Mannichl. Er fühle sich körperlich und psychisch gut erholt, nehme aber gelegentlich noch Schmerzmittel. „Die ersten Stunden im Dienst lassen erkennen, dass es mir gut tut, wieder bei meinen Kolleginnen und Kollegen zu sein“, betonte der Polizeidirektor.
Er habe seiner Familie und seinen Vorgesetzten allerdings versprochen, dass er jederzeit wieder eine Auszeit nehme, wenn er nicht fit genug sei. Trotz des Schreckens über den Anschlag habe er nie daran gedacht, seinen Beruf aufzugeben. Er denke auch überhaupt nicht daran, wegzuziehen. Es wäre eine Bankrotterklärung für die Demokratie, wenn er und seine Familie sofort die Segel streichen würden.
Vom Täter fehlt weiter jede Spur
Dass er in den vergangenen Wochen als mutiger Kämpfer gegen Neonazis gelobt wurde, ist Mannichl nicht recht. „Der Status als Held im Kampf gegen Rechtsextremismus ist nicht angebracht“, sagte er und fügte hinzu: „Ich tue nur das, was alle meine Kollegen tagtäglich machen.“ Die Solidarität aus der Bevölkerung sei allerdings sehr wohltuend gewesen. Er habe Hunderte Briefe aus ganz Deutschland erhalten. Wichtig sei vor allem, dass die Solidarität nicht nur ihm, sondern der Arbeit der gesamten Polizei galt. Vom Täter fehlt weiter jede Spur. Mannichl mahnte zur Geduld. Verbrechen dieser Art ließen sich oft erst nach wochen- oder monatelanger Arbeit aufklären.
Er war am 13. Dezember an der Tür seines Wohnhauses in Fürstenzell niedergestochen und schwer verletzt worden. Mannichl beschrieb den Täter als Skinhead, der ihn als „linkes Bullenschwein“ beschimpfte. Der Polizist hatte sich immer wieder Anfeindungen aus der rechten Szene gegenüber gesehen, denn unter seiner Leitung war die Polizei im Landkreis Passau häufig gegen Neonazis vorgegangen. Wegen eines vermuteten Racheaktes von Rechtsextremisten hatte der Fall bundesweit für erheblichen Wirbel gesorgt und die Debatte über ein NPD-Verbot angeheizt.