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Nach Holzklotz-Wurf Kaum Schutz vor Steinewerfern möglich

Nach dem Tod einer Frau durch einen Holzklotz, der am Ostersonntag von einer Autobahnbrücke geworfen wurde, gibt es zahlreiche Trittbrettfahrer. In den vergangenen Tagen flogen verschiedene Gegenstände von Brücken. Wie lassen sich solche Straftaten verhindern?

© AP Vergrößern Möglicher Schutz vor Steinewerfern: Videoüberwachung der Autobahnbrücken

Nach dem Wurf eines Holzklotzes von einer Autobahnbrücke bei Oldenburg, durch den am Ostersonntag eine Frau getötet wurde, gibt es noch immer keine heiße Spur von den Tätern. Unterdessen nutzten am Wochenende weitere Nachahmungstäter die Aufmerksamkeit der Medien.

So wurden am Sonntag auf der A 7 vor dem Horster Dreieck Steine auf die Fahrbahn geworfen; verletzt wurde niemand. Am Freitagabend hatte vor dem Autobahnkreuz Maschen ein Gegenstand ein Loch in das Glasdach eines Autos gerissen; die Fahrerin blieb unverletzt. In Unna hatten vier Jugendliche am selben Tag Steine auf eine S-Bahn geworfen. Und wieder fragt sich die Öffentlichkeit, ob man Autobahnbrücken nicht besser sichern kann. Einige Vorschläge:

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Absperrungen

Drahtgeflecht oder Plexiglas könnte am Geländer der Brücke befestigt werden. Auch könnten die Mauern rechts und links erhöht werden. „Baulich ist alles möglich, allein die Finanzierung ist fraglich“, sagt Bernd Löchter von den Landesbetrieben Straßenbau in Nordrhein-Westfalen. 400 Euro koste der Meter Drahtgeflecht. Drei bis vier Meter hoch müsste der Absperrdraht sein. Diese Sicherung brauchte man auf beiden Seiten der Brücke und somit auf einer Länge von 150 Metern, wenn man eine durchschnittliche Brückenlänge von 75 Metern zugrunde lege. Bei den allein 2000 Brücken in Nordrhein-Westfalen fielen 120 Millionen Euro Kosten an.

Nach Ansicht von Fachleuten könnten so zumindest „Schwerpunkt-Brücken“, von denen öfter Gegenstände geworfen werden, gesichert werden. Auf der A 52 bei Essen wurde die 1800 Meter lange Mintarder-Ruhrtalbrücke so gesichert - allerdings, um Selbstmörder abzuhalten. Auch ließe sich durch eine Absperrung nicht jeder Täter abhalten. Selbst im Darmstädter Fall, als im Februar 2000 drei Amerikaner Steine auf die Autobahn warfen und so zwei Frauen töteten, konnte eine Absperrung die Taten nicht verhindern. Die jungen Männer wuchteten die schweren Steinbrocken über eine 2,50 Meter hohe Schutzwand aus Plexiglas. Zudem werden Plexiglaswände oft schnell verschmiert, verlieren somit ihre Transparenz - und bieten potentiellen Tätern sogar Deckung. Daher wurde die Plexiglasverblendung auf der Fußgängerbrücke in Darmstadt inzwischen ganz entfernt.

Überwachung

Nach dem Oldenburger Fall überwacht die Polizei in Nordrhein-Westfalen auf Anweisung des Landesinnenministers Ingo Wolf (FDP) verstärkt die Autobahnbrücken. Eine Videoüberwachung - wie sie von manchen Politikern gefordert wurde - lehnt Wolf ab, weil sie allein keine Straftat verhindere. Auch die Autobahnbrücken in Sachsen-Anhalt werden nun vermehrt in Streifenfahrten einbezogen.

Säuberung

Durch herumliegende Gegenstände könnten potentielle Täter „in Versuchung“ geführt werden. Der Münchner Psychologe Georg Sieber sagte der „Süddeutschen Zeitung“, eine regelmäßige Kontrolle auf den Brücken sei eine sinnvolle Prävention. Man solle darauf achten, dass kein Wurfmaterial herumliegt, das Gelegenheitstäter animiere. Allerdings werden die Brücken ohnehin regelmäßig gesäubert. Und in den meisten Fällen mit tödlichem Ausgang hatten die Täter ihre Wurfgeschosse nicht auf der Brücke gefunden.

Durchnummerierung

Der ADAC sieht kaum eine Möglichkeit, die Autofahrer vor Steinewerfern zu schützen. Bei 37.000 Brücken in Deutschland sei der finanzielle Aufwand nicht zu rechtfertigen, da die tödlichen Fälle zum Glück recht selten seien. Maximilian Maurer vom ADAC sagt, in der Regel seien Jugendliche unter Alkoholeinfluss für die Taten verantwortlich. „Unter Gruppenzwang lassen die sich auch nicht von Fangnetzen und Plexiglaswänden abhalten.“

Als sinnvoll sieht der ADAC indes die Überlegung an, die Brücken durchzunummerieren, wie es in Italien gemacht wird. So könnten Zeugen im Falle eines Anschlags der Polizei schneller sagen, um welche Brücke es sich genau handelt. „Der Polizeihubschrauber kann dann sofort am Tatort sein und die Täter eventuell schneller finden.“ Denn bei Steinewerfern, wo meist jede Beziehung zwischen Täter und Opfern fehle, sei die Fahndung schwierig. Es fehlten Ansatzpunkte. Zu oft blieben die Täter unerkannt.

Quelle: F.A.Z., 01.04.2008, Nr. 76 / Seite 9

 
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