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Mutmaßlicher Kindermörder : Marcel H. in Herne festgenommen – weitere Leiche gefunden

Bild: SASCHA STEINBACH/EPA/REX/Shutterstock

Tagelang hat die Polizei nach dem mutmaßlichen Mörder des neunjährigen Jaden gefahndet. Nun hat sich der Verdächtige Marcel H. gestellt und die Polizei auf eine weitere Leiche hingewiesen.

          Der mutmaßliche Mörder stellte sich in einem Imbiss an der Bismarckstraße in Herne. Am Donnerstagabend soll er in das Schnellrestaurant gekommen sein und gesagt haben: „Ich bin der Gesuchte. Bitte rufen Sie die Polizei!“ Von den herbeigerufenen Polizisten ließ sich der junge Mann festnehmen. Seine Identität musste noch geklärt werden. „Vom äußeren Erscheinungsbild kann es der Gesuchte sein“, teilte die Polizei bald mit. Die Ermittler waren sich dann schnell sicher, dass es sich wirklich um den Gesuchten handelte. Später gab die Polizei bekannt, dass der Festgenommene „zweifelsfrei als Marcel H. identifiziert“ worden sei.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Nach seiner Festnahme machte der mutmaßliche Mörder Angaben zu einem Brand in einer nahegelegenen Wohnung. In dem Haus, in dem es in der Tat im ersten Stock gebrannt hatte, fanden die Ermittler dann eine männliche Leiche. Zuvor hatte die Polizei fälschlicherweise von zwei Leichen gesprochen.

          Damit scheinen sich die seit Tagen gehegten Befürchtungen zu bestätigen, dass der Neunzehnjährige, wie von ihm im Internet angekündigt, noch weitere Menschen umgebracht hat. Der Festgenommene wurde in der Nacht weiter vernommen.

          Marcel H., der als verschrobener Einzelgänger beschreiben wird, soll am späten Montagnachmittag den neun Jahre alten Nachbarsjungen Jaden unter dem Vorwand, Hilfe beim Aufstellen einer Leiter zu benötigen, in den Keller seines Hauses gelockt und dort mit einer Vielzahl von Messerstichen brutal getötet haben. Marcel H. hatte sich am frühen Montagabend im Internet einem Chat-Partner gegenüber mit der Tat gebrüstet und ihm auch Fotos von sich und seinem Opfer per Whatsapp geschickt. Zudem kündigte er zu in dieser Zeit vage einen weiteren Mord an. Wenig später verlor sich die Spur des mutmaßlichen Mörders.

          Die Fahndung nach dem mutmaßlichen Serienmörder in ganz Deutschland war auch am Donnerstag trotz mehrerer Großeinsätze der Polizei erfolglos geblieben. In Wilnsdorf im Siegerland stellte die Polizei die Suche nach Marcel H. ein. Dort war mehrere Stunden lang ein großes Aufgebot rund um einen Autohof im Einsatz, nachdem Zeugen den mutmaßlichen Mörder dort gesehen haben wollten. Ebenfalls beendet wurde die Suche in Mönchengladbach. Im dortigen Stadtteil Neuwerk durchkämmten Beamte ein Krankenhaus, in dessen Umfeld Anwohner Marcel H. entdeckt zu haben glaubten.

          Auffallende Gefühlskälte

          Die Polizei hatte in den vergangenen Tagen mehr als 1400 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten. Am Donnerstag verteilten Polizisten Handzettel und Fahndungsplakate in Herne, der 160.000-Einwohner-Stadt im Ruhrgebiet.

          Am Dienstag war ein Internet-Dialog aufgetaucht, in dem sich jemand unter dem Namen von Marcel H. bezichtigte, etwa 80 Kilometer von Herne entfernt nun auch noch eine Frau in seine Gewalt gebracht, gefoltert und ermordet zu haben. Die angegebenen Details sprachen für Täterwissen, doch wollten die Ermittler auch eine besonders perfide Fälschung nicht ausschließen.

          Geprüft wurde auch, ob eine Audio-Botschaft von H. stammt. In dieser Botschaft beschreibt ein Mann seine Eindrücke nach dem Mord an dem neun Jahre alten Kind. Auffallend sei die Gefühlskälte, mit der das in der Aufnahme geschehe, sagte der Polizeisprecher. Zuletzt hatten die Ermittler am Donnerstag auch das Foto eines Hundes und baten um nähere Angaben zu dem Tier und dessen Besitzer. Ob der Hund zu den beiden Toten in der Wohnung gehörte, war zunächst nicht klar.

          Anwalt Reinhard Peters, der die Familie des ermordeten Jaden vertritt, sagte der Zeitung „Bild“ nach der Festnahme: „Die Familie ist unendlich erleichtert und glücklich, dass der mutmaßliche Mörder des kleinen Jaden lebend gefasst werden konnte und seiner gerechten Bestrafung zugeführt werden kann.“

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