Home
http://www.faz.net/-gus-weyz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

München Zwei Schläger nach Angriff auf U-Bahn-Fahrgäste in Haft

05.01.2008 ·  Zwei der drei mutmaßlichen Schläger, die vor wenigen Tagen in München U-Bahn-Fahrgäste angegriffen und zum Teil schwer verletzt hatten, sind in Haft genommen worden. Überwachungskameras hatten die beiden 20 und 21 Jahre alten Männer sowie einen 17-Jährigen bei ihren Taten gefilmt.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (14)

Nach dem brutalen Angriff auf drei Fahrgäste der Münchner U-Bahn sind zwei der drei mutmaßlichen Schläger in Haft genommen worden. Die beiden 20 und 21 Jahre alten Männer sollen zusammen mit einem 17-Jährigen am vergangenen Sonntag die drei Fahrgäste attackiert und geschlagen haben. Zu den Hintergründen der Haftbefehle wollte sich eine Polizeisprecherin am Samstagabend nicht äußern und verwies eine für diesen Sonntag angesetzte Pressekonferenz. Neben dem Münchner Polizeipräsidenten Wilhelm Schmidbauer will dabei auch der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld über den Stand der Ermittlungen informieren.

Der 17 Jahre alte Verdächtige war bereits am Freitagabend nach seiner Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Mehrere CSU-Politiker sprachen sich unterdessen für eine Verschärfung des Jugendstrafrechtes aus, nachdem es in den vergangenen beiden Wochen bereits ähnliche Attacken gegeben hatte. Das bislang größte Aufsehen hatte ein Angriff auf einen Rentner ebenfalls in der Münchner U-Bahn erregt. Der 76 Jahre alte Mann war vor Weihnachten von zwei jungen Männern mit Schlägen und Tritten so traktiert worden, dass er einen mehrfachen Schädelbruch erlitt.

Opfer lehnte Entschuldigung der Eltern ab

Der 76-Jährige hatte die beiden Verdächtigen in der U-Bahn gebeten, ihre Zigaretten auszumachen. Daraufhin hatten sie ihn nach dem Aussteigen verfolgt und angegriffen. Der 20-Jährige will sich nach Angaben seines Anwalts beim Opfer entschuldigen. Auch seine Mutter bat in der „Bild“-Zeitung (Samstag) um Entschuldigung. „Ich bin froh, dass es dem Mann wieder besser geht. Ich hatte große Sorge. Ich würde ihn gerne besuchen, ihn um Verzeihung bitten“, wurde die Frau in dem Blatt zitiert.

Der Rentner lehnte dies aber ab. Er wolle von den Schlägern keine Entschuldigung und auch nicht von ihren Eltern, sagte der Mann der „Bild“-Zeitung. „Denn das ist keine ehrliche Entschuldigung. Ich will kein Mitleid. Ich bin nicht dazu bereit, ihnen deshalb die Hand zu reichen. Von ihnen lasse ich mir nicht meine Zeit klauen, keine fünf Minuten.“ Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“ belasten sich unterdessen die beiden mutmaßlichen Täter, ein 20 Jahre alter Türke und ein 17 Jahre alter Grieche, gegenseitig.

Von Überwachungskameras gefilmt

Die drei Verdächtigen des jüngsten Falls vom vergangenen Sonntag waren am Freitag festgenommen worden. Die beiden 20 und 21 Jahre alten mutmaßlichen Schläger seien bereits wegen mehrerer Körperverletzungs-Delikte bekannt, sagte die Polizeisprecherin. Bei dem 20-Jährigen handelt es sich nach Polizeiangaben vermutlich um den Haupttäter.

Drei Fahrgäste hatten das Trio am Sonntagmorgen gebeten, ihre Musik leiser zu stellen. Die jungen Männer quittierten dies mit Faustschlägen. Eines der Opfer flüchtete an der nächsten Haltestelle. Das Trio setzte seine Angriffe auf die anderen beiden Männer fort. Als die beiden 45-Jährigen ausstiegen, folgten ihnen die Jugendlichen bis auf die Straße. Einen Mann schlugen sie zu Boden und traten ihn mit Füßen. Der andere wurde von einem Ziegelstein am Kopf getroffen. Beide mussten im Krankenhaus ambulant behandelt werden. Die Attacken wurden teilweise von Überwachungskameras aufgezeichnet.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) begrüßte derweil die von der CDU-Spitze beschlossene Forderung nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts. Eine Erleichterung der Ausweisung krimineller ausländischer Jugendlicher und eine Erhöhung der Höchststrafe für Jugendliche auf 15 Jahre entspreche genau seinen Vorstellungen, sagte Herrmann am Samstag nach Angaben eines Sprechers. Die Union solle diese Position jetzt gemeinsam durchsetzen. Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) sagte dem „Focus“, gerade gegenüber „Problemkindern“ dürfe sich der Staat nicht „schwach“ zeigen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel