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Veröffentlicht: 24.07.2016, 06:24 Uhr

München und die Folgen Die Diskussion über die Konsequenzen beginnt

Ein labiler 18-Jähriger dürfe nicht an Schusswaffen gelangen, sagt Vizekanzler Sigmar Gabriel. Bundesinnenminister de Maizière will die Einsatzkonzepte der Polizei überprüfen. Bayerns Innenminister Herrmann fordert Unterstützung durch die Bundeswehr.

© dpa Bundesinnenminister Thomas de Maizière (rechts) und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann besuchen am Tag nach dem Amoklauf den Tatort in München.

Nach dem Amoklauf in München setzt die politische Debatte darüber ein, wie solche Bluttaten in Zukunft verhindert werden können. Bundesinnenminister Thomas de Maizière erklärte, es müsse nun ermittelt werden, wie sich der Täter die Waffe beschafft habe. „Dann müssen wir sehr sorgfältig prüfen, ob und gegebenenfalls wo es noch gesetzlichen Handlungsbedarf gibt“, sagte der CDU-Politiker der „Bild am Sonntag“. Die bestehenden Waffengesetze seien bereits sehr streng, sagte de Maiziere. Auf europäischer Ebene sollten mit der zur Verabschiedung anstehenden Waffenrichtlinie weitere Fortschritte erreicht werden. Auch die Einsatzkonzepte der Polizei müssten überprüft werden, sagte de Maizière am Samstagabend in der ARD.

Nach Schießerei in München © dpa Vergrößern Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (rechts) und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann verlassen nach einer Tatortbesichtigung das McDonald’s-Schnellrestaurant nahe dem Olympia-Einkaufszentrum (OEZ).

Vizekanzler Sigmar Gabriel forderte eine bessere Waffenkontrolle. Ein labiler oder sogar psychisch kranker 18-Jähriger dürfe nicht an Schusswaffen gelangen, sagte der SPD-Vorsitzende den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Es müsse alles getan werden, um „den Zugang zu tödlichen Waffen zu begrenzen und streng zu kontrollieren.

„Wir teilen Ihren Schmerz“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich schockiert. Zugleich lobte sie — wie Politiker aller Parteien — die Einsatzkräfte für ihre „hoch professionelle“ Arbeit. Nun gehe es darum, die Morde vollständig aufzuklären. Deutschland trauere „mit schwerem Herzen um die, die nie mehr zu ihren Familien zurückkehren werden“, sagte Merkel. Sie fügte an die Adresse der Angehörigen hinzu: „Wir denken an Sie, wir teilen Ihren Schmerz, wir leiden mit Ihnen.“

Bayerns Innenminister Joachim Herrrmann (CSU) forderte in der „Welt am Sonntag“, dass „wir in extremen Situationen“ wie Terroranschlägen „auch in Deutschland auf die Bundeswehr zugreifen können“.

© AP, reuters Erklärung von Kanzlerin Merkel nach Amoklauf in München

Der 18-jährige Todesschütze von München war Ermittlungen zufolge ein Einzeltäter ohne islamistische Verbindungen. Bei seinem Amoklauf hatte er am Freitagabend am Olympia-Einkaufszentrum mit einer Pistole neun Menschen getötet. Anschließend erschoss er sich vor den Augen von Polizisten selbst. Die Waffe besaß er illegal.

Er hatte nach Behördenangaben noch 300 Schuss Munition übrig. In der Wohnung des jungen Mannes wurde nach Aussage de Maizières Material gefunden worden, das Verbindungen zum Amoklauf von Winnenden 2009 und zum Massenmord des Norwegers Anders Behring Breivik vor genau fünf Jahren vermuten lasse. Einen zunächst befürchteten Bezug der Bluttat zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) schlossen die Behörden aus.

Gedenken am Tatort

Nahe dem Tatort in München legten zahlreiche Menschen zum Gedenken an die Opfer Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Der Eiffelturm in Paris erstrahlte am Samstagabend in den deutschen Nationalfarben Schwarz, Rot und Gold. Präsidenten und Regierungschefs sowie Prominente und Sportler weltweit drückten den Hinterbliebenen ihr Beileid aus und verurteilten den Amoklauf scharf.

Nach Schießerei in München © dpa Vergrößern Trauernde haben am Tatort Blumen niedergelegt und Kerzen angezündet.

Der Täter war für die Sicherheitsbehörden ein unbeschriebenes Blatt. „Gegen ihn waren bisher keine polizeilichen Ermittlungen bekannt“, sagte de Maizière. „Und es gibt auch keine Erkenntnisse der Nachrichtendienste über diese Person.“ Möglicherweise sei der junge Mann gemobbt worden. De Maizière machte brutale Internetvideos und Computerspiele für Gewaltexzesse wie in München mitverantwortlich.

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Der Amokschütze, der in München aufgewachsen ist und zur Schule ging, litt nach ersten Erkenntnissen von Ermittlern an einer depressiven Erkrankung. „Wir haben einige Hinweise dafür, dass eine nicht unerhebliche psychische Störung bei dem Täter vorliegen könnte“, sagte auch Bayerns Innenminister Herrmann.

Die Getöteten stammten nach Angaben des Münchner Polizeipräsidenten Hubertus Andrä alle aus München und Umgebung. Zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige seien ums Leben gekommen, so die Ermittler. Weitere Opfer seien 17, 19, 20 und 45 Jahre alt gewesen. Unter den neun Todesopfern seien drei Frauen. Drei Tote stammten aus dem Kosovo. Der Präsident des Balkanstaates, Hashim Thaci, ordnete für Sonntag Staatstrauer an.

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