17.01.2005 · „Gewaltige Summen“ kündigt der Anwalt des ermordeten Modemachers Rudolph Moshammer für die Obdachlosen in München an. Noch ist das Testament allerdings nicht eröffnet.
Nach dem gewaltsamen Tod des Modemachers Rudolph Moshammer dürfen die Obdachlosen Münchens offenbar mit einem Millionsegen rechnen. Moshammer hat beim Amtsgericht München ein Testament mit offenbar entsprechendem Inhalt hinterlegt. Viel Geld wird auch im Internet mit Moshammer bewegt. Erinnerungsstücke an den Münchner Paradiesvogel werden hoch gehandelt. An der Täterschaft des 25jährigen Festgenommenen gibt es unterdessen immer weniger Zweifel: Der Iraker hat sein Geständnis inzwischen wiederholt.
Der mutmaßliche Mörder Herisch A. wiederholte vor der Ermittlungsrichterin, er habe er in der Nacht zum Freitag sein Opfer wegen eines Streits um 2000 Euro getötet, die ihm Moshammer als Bezahlung für gemeinsamen Sex versprochen gehabt habe. Die Polizei sucht derzeit weitere Zeugen, um den Tatabend lückenlos rekonstruieren zu können. Polizeisprecher Wolfgang Wenger am Montag: „Wir zweifeln nicht an dem Geständnis.“ Der Iraker bestreite allerdings, zur Stricherszene zu gehören.
Anwalt: „Gewaltige“ Summen für Obdachlose
Moshammers Testament soll nach Aussage eines Gerichtssprechers vom Montag baldmöglichst geöffnet und anschließend die Erben benachrichtigt werden. Derzeit sei der genaue Inhalt des Testaments noch nicht bekannt. Moshammers Anwalt Lutz Libbertz sagte der „Bild“-Zeitung, der Tote habe einen Großteil seines Vermögens den Münchner Obdachlosen zukommen lassen wollen. Diese könnten nun mit „gewaltigen Summen“ rechnen.
Libbertz schätzte das Vermögen des Schneiders, Werbestars und Gastronomen auf mehrere Millionen Euro, allerdings nicht im zweistelligen Bereich. Moshammer besaß neben seinem Geschäft die Münchner Traditionsgaststätte „Hundskugel“ und hatte in der Vergangenheit verschiedene Werbeverträge. In München ebenfalls kursierende Gerüchte über angebliche Schulden des Modemachers wies Libbertz zurück.
Keine Stiftung für „Daisy“ geplant
Moshammers Schoßhündchen „Daisy“ dürfte nach Einschätzung des
Anwalts in dem letzten Willen wahrscheinlich leer ausgehen. „Über die Einrichtung einer Stiftung, beispielsweise für 'Daisy', hat Herr Moshammer nicht nachgedacht“, sagte Libbertz weiter. Der Yorkshire-Terrier befindet sich mittlerweile beim Chauffeur des in der Nacht zum Freitag getöteten 64jährigen. „Ich behalte 'Daisy' bis zum Schluß. Ich kann sie nicht weggeben, wir sind doch schon so lange zusammen“, sagte der langjährige Moshammer-Beschäftigte. Bei der Polizei hatten sich aus ganz Deutschland Hunderte von 'Daisy'-Fans gemeldet, die das Tier in Obhut nehmen wollten.
Derzeit steht noch nicht fest, wann Moshammers Beerdigung stattfinden soll. Die Planungen seien noch nicht abgeschlossen, heiß es. Moshammer soll in der Gruft eines Mausoleums auf dem Münchner Ostfriedhof beigesetzt werden, das er 1993 für seine verstorbene Mutter Else kaufte.
Über 200 Euro für Moshammer-Domain
Im Internet-Kaufhaus e-bay stehen am Montag hunderte Krawatten, Mäntel, Sakkos, Moshammer-Bücher, Fotos, Autogramme und T-Shirts mit „Mosi“-Konterfei zum Verkauf. Auf dem virtuellen Wühltisch gab es fast alles von der Plüsch-Daisy bis zu handgemalten Porträts des Modemachers. Sogar Ausgaben von Münchner Tageszeitungen mit dem Titel über den Mord wurden zahlreich angeboten.
Mehr als 50 Euro wurden teilweise für ein Autogramm des Modeschöpfers geboten, mehrere Ausgaben seines Buches „Mama und ich“ standen mit rund 40 Euro im Netz. Ein Luxus-Hunde-„Himmelbett“ wurde als Bettchen für Moshammers geliebte Yorkshire-Hündin Daisy angepriesen. Für eine Daisy in Plüsch wiederum wollten Fans allerdings nur 46,50 Euro zahlen. „Das Fell von Daisy ist seidenzart, auch der Körper ist sehr weich und sie sieht sehr lebensecht aus“, warb der Verkäufer.
Sogar eine Internet-Domain namens rudolph-moshammer.de wurde feilgeboten, das Gebot stand am Montag mit 201 Euro im Netz. Zum Gedenken an Rudolph Moshammer solle die Hälfte der Erlöse zugunsten des von Moshammer unterstützten Vereins „Licht für Obdachlose“ gespendet werden, kündigte der Verkäufer an.