Luka Rocco Magnotta, der wegen Mordes gesuchte kanadische Porno-Darsteller, ist nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in einem Internetcafé in der Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln festgenommen worden. Ein Sprecher bestätigte, der Haftbefehl sei aus Kanada gekommen. Zuvor hatte die kanadische Zeitung „Toronto Sun“ gemeldet, der Mann sei dort schon in der vergangenen Woche in einem Hotel erkannt worden.
Der 29 Jahre alte Mann soll vor laufender Kamera einen chinesischen Studenten zerstückelt und Teile der Leiche in Paketen an politische Parteien in Kanada geschickt haben. Am vergangenen Dienstag hatte die Polizei in der Nähe von Magnotta Wohnung in Montreal einen Koffer mit einem Torso entdeckt. Noch am selben Tag war bei der Konservativen Partei in Ottawa war ein Päckchen mit einem Fuß eingegangen, in einem Postzentrum stellten die Ermittler zudem ein an die Liberale Partei adressiertes Paket sicher, das eine Hand enthielt. Wie die Polizei mitteilte, stammen die Körperteile von dem 33 Jahre alten Jun Lin, mit dem Magnotta angeblich liiert war.
Am Donnerstagabend hatte Interpol eine weltweite Fahndung nach Magnotta herausgegeben. Zuvor waren diverse Spuren von ihm und sein Handy in Frankreich geortet worden. Kurz bevor er in Berlin festgenommen wurde, soll er Berichte über sich im Internet gelesen haben. Ein 42 Jahre alter Café-Mitarbeiter hatte Verdacht geschöpft und darum ein Foto von Magnotta im Internet gesucht. „Ich lese viel, deshalb habe ich ihn erkannt“, sagte Kadir Anlayisli der Nachrichtenagentur dpa. Auf der Straße habe der Mitarbeiter dann einen Polizeiwagen angehalten, erzählen Ladenbesucher – angeblich sei er erst beim zweiten Wagen erfolgreich gewesen, weil man ihm zunächst nicht geglaubt habe. Die Polizei erklärte, einer von drei Mannschaftswagen, die dort zufällig entlang fuhren, habe angehalten. Sieben Einsatzkräfte seien schließlich in den Laden gegangen. Der Kanadier wurde in Handschellen abgeführt.
Nach Angaben eines Polizeisprechers hatte der Festgenommene zwar keine Ausweispapiere bei sich. Gegenüber den Beamten habe er sich aber selbst zu erkennen gegeben. Nun werde die kanadische Botschaft kontaktiert, sagte der Sprecher. Bei der Staatsanwaltschaft hieß es, letzte Prüfungen zur Identität des Mannes liefen noch. „Es scheint sich aber um den Gesuchten zu handeln“, sagte ein Sprecher.
Nach jüngsten Erkenntnissen der französischen Polizei war Magnotta bereits am Donnerstagabend im Pariser Vorort Bagnolet in einen Eurolines-Bus in Richtung Berlin gestiegen. Dies ergaben am Montag ausgewertete Bilder der Videoüberwachung vom dortigen Busbahnhof. „Die französische Polizei hat daraufhin sofort die deutschen Behörden alarmiert“, berichtete der TV-Sender LCI mit Verweis auf Ermittler. Bereits am Samstag hatten französische Fahnder in seinem Hotelzimmer in Bagnolet unter anderem Pornohefte und Spuckbeutel entdeckt. Letztere sollen aus dem Flugzeug stammen, mit dem er vermutlich am 26. Mai von Montréal aus in Paris ankam.
Engagement
Stefan Zhentan (comsen)
- 05.06.2012, 12:21 Uhr
Hat der Mann vielleicht auch einen anderen Beruf?
Jan Bargheer (Bargheer)
- 05.06.2012, 08:12 Uhr
Aufgrund der Nachrichtenlage (vgl. Berliner Nachbarbezirk) ist dieser
Fall
Peter Hoch (luxor)
- 04.06.2012, 19:11 Uhr