02.11.2009 · Wie rüde der Angeklagte im Dresdner Prozess um den Mord an der Ägypterin Marwa al Scharbini sein späteres Opfer auf einem Spielplatz beleidigt hat, berichteten mehrere Zeugen. Er beschimpfte sie lauthals als „Terroristin“ und „Schlampe“.
Von Peter Schilder, DresdenIm Prozess um den Mord an der Ägypterin Marwa al-Scharbini vor dem Landgericht Dresden stand am Montag die erste Begegnung zwischen dem späteren mutmaßlichen Mörder und seinem Opfer im Mittelpunkt der Verhandlung. Von zwei Zeugen ließ sich das Gericht berichten, was am 21. August 2008, ein knappes Jahr vor dem Mord, auf dem Spielplatz in der Dresdner Johannstadt geschehen war.
Dort war an jenem Tag zunächst die Mutter des Angeklagten Alex W. mit ihrer Enkeltochter zum Spielen, wie die russlanddeutsche Zeugin Ludmilla N. berichtete, die auch mit ihren Kinder auf dem Spielplatz war. Dann kam Alex W. hinzu. Er setzte sich zu seiner Nichte auf die zweite Schaukel. Nach einer Weile kam die Ägypterin. Sie ging auf Alex W. zu und bat ihn, die Schaukel ihrem damals zweijährigen Sohn zu überlassen. Sofort trat ihr Alex W. entgegen und beschimpfte sie lauthals als „Terroristin“ und „Schlampe“, die in Deutschland nichts zu suchen habe. Frau Scharbini entgegnete ihm: „Wir sind keine Terroristen.“
„Warum machst du das?“
Durch die Lautstärke der Disputs wurde ein weiterer Zeuge, der heute dreißig Jahre alte Andreas B., auf die Auseinandersetzung aufmerksam ein. Er mischte sich ein und versuchte Alex W. zu beruhigen. Ohne Erfolg. Auch er berichtete von Schimpfworten, mit denen Alex W. Frau Scharbini traktiert habe. Ein Satz habe die Worte enthalten: „Kind, Scheiße, Löffeln“. Trotz angestrengten Bemühens brachte der Zeuge den genauen Wortlaut nicht mehr zusammen. Der Angeklagte habe aber zu der Frau gesagt, sie erziehe ihr Kind auch zu einem Terroristen, der „uns in die Luft sprengen wird“. Andreas B. erinnerte sich daran, dass sich Alex W. nicht beruhigen ließ.
Frau Scharbini habe dann gefragt, ob einer ein Handy dabei habe. Sie wolle die Polizei anrufen. Sowohl Ludmilla N. als auch Andreas B. wollen ihr Handy zur Verfügung gestellt haben. Mit wessen Mobiltelefon telefoniert wurde, ließ sich aber vor Gericht nicht klären. Auf russisch habe Alex W. die Zeugin Ludmilla N. damals beschimpft: „Warum machst du das? Sie töten dort unsere Soldaten, und du leckst ihnen hier den Arsch.“ Die Zeugin war sichtlich verlegen, als sie den rüden Satz vor Gericht zitieren musste. Sie könne nicht sagen, welche Soldaten der Angeklagte damals meinte, und welches Land mit „dort“ gemeint gewesen sei. Weil Alex W. auf dem Spielplatz russisch mit ihr gesprochen habe, könne er russische Soldaten gemeint haben. Vielleicht aber auch deutsche, weil er sich ja als Deutscher fühle.
Fünfzehn bis 20 Minuten soll das Wortgefecht auf dem Spielplatz gedauert haben. Dann kam die Polizei mit zwei Streifenwagen. Alex W. sei nicht weggelaufen, sondern habe auf die Polizei gewartet, stellte der Zeuge B. verwundert fest. In verschiedenen Polizeiwagen hatten Frau Scharbini und Alex W. sich geäußert. Marwa al-Scharbini sei dann mit dem Wagen zum Polizeirevier gefahren, um Anzeige zu erstatten, Alex W. sei nach Hause gegangen. Damals ahnte niemand, welches Ende die Auseinandersetzung auf dem Spielplatz einmal nehmen würde.
Wäre er vor Eintreffen der Polizei doch nur gegangen.
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