Vor mehr als 16 Jahren hatte ein heute 56 Jahre alter Afghane seine 23 Jahre alte Ex-Partnerin bei einer Hochzeitsfeier erstochen – nun legte er vor dem Hamburger Landgericht ein Geständnis ab. Ihr Mandant habe in Rage auf die junge Frau eingestochen, weil sie eine Aussprache mit ihm verweigert habe, erklärten die Verteidiger des Angeklagten beim Prozessauftakt am Montag. Die Frau war im Juli 1996 bei der Hochzeit ihrer Schwester in Hamburg mit sieben Messerstichen getötet worden. Nach der Bluttat war der Angeklagte nach Afghanistan geflüchtet. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Sechsundfünfzigjährigen Mord aus Wut, Hass und Rache vor.
Ihr Mandant sei in der Zeit vor der Tat von Anrufern verhöhnt und provoziert worden, außerdem habe er angefangen, Alkohol im Übermaß zu trinken, erklärten dagegen die Rechtsanwälte des Mannes, der sich nicht zum Geschehen äußerte. Er bereue das Geschehen aber außerordentlich, so die Anwälte.
Die 23 Jahre alte Frau hatte sich fünf Monate vor der Bluttat von dem Mann getrennt und war mit der gemeinsamen Tochter ausgezogen. Nach Darstellung der Anklage hatte der Mann seine „Zweitfrau“ zuvor immer wieder geschlagen. Mit einer weiteren Frau, seiner „Erstfrau“, hatte der Mann laut Staatsanwaltschaft fünf gemeinsame Kinder. Ihre Schwester und der Angeklagte hätten sich oft gestritten, berichtete die Schwester der Toten am Montag im Zeugenstand. Hauptstreitgrund sei die Erstfrau des Mannes und seine Beziehung zu ihr gewesen. „Meine Schwester konnte es nicht mehr aushalten.“
Obwohl der Angeklagte wenige Minuten nach der Tat zur Fahndung ausgeschrieben worden war, gelang ihm die Flucht nach Afghanistan. Im Dezember 2011 reiste er über Usbekistan nach Schweden ein und wurde dort aufgrund eines europäischen Haftbefehls festgenommen. Im April dieses Jahres wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Ein Urteil wird Ende September erwartet.