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Mord an Irina A. : Wer ist der Verdächtige vom Niddapark?

Bei der Spurensicherung: Ein Mitarbeiter der Polizei am Fundort der Leiche im Frankfurter Niddapark Bild: dpa

Die Polizei hat einen Gastronomen festgenommen, der Irina A. umgebracht haben soll. In Frankfurt ist der Mann nicht nur für seine erfundene „Sex-Mob“-Geschichte bekannt.

          Es war der 6. Februar 2017, als Jan M. und Irina A. zusammen in die Öffentlichkeit traten. Sie ließen sich von der „Bild“-Zeitung fotografieren und erzählten dazu eine Geschichte: Sechs Wochen vorher, in der Silvesternacht, sei es auf der Frankfurter Freßgass' zu massiven sexuellen Übergriffen gekommen. Jan M., Chef der Bar „First In“, sagte: „Als ich rein kam, war der ganze Laden voll mit einer Gruppe von rund 50 Arabern. (…) Die Frauen baten mich um Hilfe, weil sie angegrabscht werden.“ Irina A. bestätigte das: „Sie fassten mir unter den Rock, zwischen die Beine, an meine Brüste, überall hin.“ Die Aufregung war zunächst groß, schnell fand die Polizei aber heraus, dass Irina A. an dem fraglichen Abend überhaupt nicht in Deutschland gewesen war. Im vergangenen November erhob die Staatsanwaltschaft Anklage wegen des Vortäuschens einer Straftat gegen Jan M. und Irina A. Der Prozess hätte im Juni starten sollen. Das war der Stand bis vergangenen Mittwochmorgen.

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Dann fand ein Spaziergänger im Frankfurter Niddapark eine blutverschmierte Leiche. Polizisten waren schockiert, wie brutal die Frau mit einem Messer getötet worden war. Schnell identifizierten sie das Opfer: Es war die 29 Jahre alte Irina A. Sie war in Frankfurt nicht nur als schillernde Figur im Nachtleben bekannt, sondern dem Vernehmen nach auch Mitglied der jüdischen Gemeinde. Am Tatort fanden die Ermittler Blutspuren von Jan M. Nachdem weitere Indizien, zum Beispiel sein mit Handydaten erstelltes Bewegungsprofil, darauf hindeuteten, dass der Gastronom Irina A. getötet haben könnte, wurde der 50-Jährige am Freitagabend festgenommen. Zunächst hatte ihm eine Frau noch ein Alibi für die Tatzeit gegeben, an das die Ermittler mittlerweile nicht mehr glauben. Am Samstagnachmittag wurde gegen ihn ein Haftbefehl erlassen. Der Mann sitze wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft, sagte eine Polizeisprecherin. Der Frankfurter Haftrichter habe als Mordmerkmal Habgier angegeben, da bei dem Opfer Schmuck gefehlt habe. Es würden aber noch weitere Motive geprüft. Am Freitag hatte es die Polizei als wahrscheinlichstes Szenario bezeichnet, dass sich Irina A. mit jemandem zu einer Aussprache getroffen habe und „dass da etwas eskaliert ist“. Jan M. äußert sich bisher nicht zu den Vorwürfen.

          Weil er selbst mit der „Sex-Mob“-Geschichte an die Öffentlichkeit ging und als Gastronom in der Stadt bekannt ist, ist der Lebensweg von Jan M. gut dokumentiert. Die „Frankfurter Neue Presse“ schrieb 2017, dass er zuerst eine Banklehre und dann einen Abschluss als Diplom-Kaufmann an der Frankfurter Goethe-Universität gemacht habe. Danach sei er zunächst bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft angestellt gewesen, später dann als Investmentbanker bei einer Privatbank. Anschließend habe er sich selbstständig gemacht und sei „zu einer festen Größe in der Frankfurter Gastronomie- und Clubszene“ geworden. Außer im „First In“ mischte er demnach im vergangenen Sommer noch im „Garibaldi“ und im „Gibson Club“ mit. Zumindest auf der Homepage des „First In“ wird Jan M. bis heute als Geschäftsführer geführt. Seine nach ihm benannte GmbH lief aber nicht besonders gut, so sieht es zumindest im Jahresabschluss des Geschäftsjahrs 2016 aus: Das Anlagevermögen nahm von 2015 bis 2016 um mehr als 50.000 Euro ab, die Verbindlichkeiten stiegen dagegen von rund 947.000 Euro auf mehr als eine Million.

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