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Mißbrauchsvorwürfe Prozeß gegen Michael Jackson auf Januar verschoben

28.07.2004 ·  Der King of Pop muß sich erst im kommenden Jahr vor Gericht wegen des Verdachts des Kindesmißbrauchs verantworten. Michael Jacksons Anwälte erwirkten eine Verschiebung des Prozeßbeginns.

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Der wegen Kindesmißbrauchs vor Gericht stehende Musiker Michael Jackson hat nach Darstellung der Staatsanwaltschaft einem Jugendlichen systematisch Alkohol verabreicht, um ihn zu verführen. Wegen dieser und anderer Anschuldigungen muß sich der Popstar erst ab Januar kommenden Jahres vor Gericht verantworten. Auf Antrag der Verteidigung verschob Richter Rodney Melville vom Superior Court im kalifornischen Santa Maria den Prozeßbeginn um gut vier Monate auf den 31. Januar. Die Verteidiger Michael Jacksons hatten mit dem Hinweis auf die Fülle der Dokumentation des Falles eine Verlängerung des Verfahrens beantragt. Ursprünglich sollte der Prozeß am 13. September beginnen.

Staatsanwalt Gordon Auchincloss hatte zuvor bei einer Anhörung gesagt, der 45jährige Sänger habe seine rund 160 Kilometer südlich von Los Angeles gelegene Ranch Neverland zu dem einen Zweck in einen enormen Erholungs- und Freizeitpark umgestaltet, um Kinder anzulocken und sich an ihnen zu vergreifen. Damit gingen die Ankläger tiefer ins Detail als bisher in dem Fall.

Jungen sollten Jackson öffentlich loben

Nach den Worten des Staatsanwalts hat Jackson den Teenager, um den es in dem Verfahren geht, just in Neverland verführt. Dies sei geschehen, nachdem der Junge vor zwei Jahren mit Jackson Hand in Hand in einer umstrittenen Dokumentation des britischen Fernsehens aufgetreten sei.

In dem Film hatte Jackson gesagt, er sehe nichts Falsches darin, sein Schlafzimmer mit Kindern zu teilen, die auf Neverland übernachteten. Diese Aussage hatte weltweit Empörung ausgelöst. Auchincloss zufolge löste der Dokumentarfilm eine Krise im Jackson-Lager aus. Daraufhin habe Jackson den Jungen und dessen Familie so zu manipulieren versucht, daß sie den Entertainer bei einer Pressekonferenz loben sollten.

Verteidiger weisen Vorwürfe zurück

„Jackson fühlte, daß es helfen würde, die Empörung einzudämmen, wenn er (den Jungen) filmen konnte, wie er ihn selbst als wundervollen Menschen beschreibt. Der Dokumentarfilm brachte Jacksons Welt zum Einstürzen", sagte der Staatsanwalt. Jackson habe den Jungen und dessen Familie auf seine Ranch gelockt. Dort habe er dem Teenager Alkohol gegeben und ihn auf diesem Wege dazu verführt, mit ihm zu schlafen.

Die Verteidiger Jacksons taten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als lächerlich ab. Anwalt Thomas Masereau sagte, die Geschworenen würden diesen Fall lachend abweisen. Er warf der Staatsanwaltschaft vor, Zeugen eingeschüchtert und ungeeignete Expertengutachten verwendet zu haben.

„Das Bemühen, einen großen Prominenten zu zerstören“

Jacksons Anwälte erschienen am Dienstag zur Anhörung mit etlichen prall gefüllten Aktenkoffern vor Richter Melville. Der Popstar war nicht anwesend. „Die Nachforschungen des Staatsanwaltes sind vom Umfang her atemberaubend. Hier geht es nicht um die gewöhnliche Untersuchung eines Kriminalfalles, sondern um das Bemühen, einen großen Prominenten zu zerstören“, heißt es in dem schriftlichen Gesuch. Bei der Anhörung ging es außerdem darum, Aussagen von Zeugen vor einer Grand Jury offen zu legen. Die Geschworenen hatten den Popsänger auf Grund dieser Aussagen in zehn Punkten angeklagt.

Bei der geplanten nächsten Anhörung am 16. August soll dann über den Antrag von Jacksons Verteidiger Thomas Mesereau auf Einstellung des Verfahrens entschieden werden. Mesereau hatte schriftlich auf Fehler von Staatsanwalt Thomas Sneddon und einen Mangel an Beweisen hingewiesen. Er stellte auch in Frage, ob Sneddon das Recht hatte, das Büro eines Privatdetektivs im November 2003 zu durchsuchen. Mögliche Beweismittel, die damals von der Polizei konfisziert wurden, sollten deshalb nicht im Prozeß vorgelegt werden dürfen, heißt es in Mesereaus Einspruch.

Jackson ist angeklagt, sich zwischen Februar und März 2003 an einem damals zwölfjährigen Jungen vergangen zu haben. Er wurde im November festgenommen und befindet sich gegen Kaution auf freiem Fuß. Zu den Anklagepunkten gehören außer Kindesmißbrauch in vier Fällen auch Verschwörung zur Kindesentführung. Jackson hat sich in allen Punkten für nicht schuldig erklärt.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters/dpa
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