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Samstag, 11. Februar 2012
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Mißbrauchsprozeß Ein „fürchterlicher Albtraum“ vor Gericht

03.03.2005 ·  Den Geschworenen wurden vorsorglich Psychologen zur Seite gestellt. Denn was im größten Kindes-Mißbrauchsprozeß Frankreichs ans Tageslicht kommen wird, gilt als schier unerträglich. Am Donnerstag wurde der erste Teil der Anklageschrift verlesen.

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Im Prozeß um Pädophilie und Inzest wurde am Donnerstag in der westfranzösischen Stadt Angers ist am Donnerstag der erste Teil der umfangreichen Anklageschrift verlesen worden. Begleitet von Polizisten betraten die ersten Angeklagten nacheinander schweigend das Gericht. „Der Prozeß wird nicht ausschließlich auf den Aussagen der Kinder beruhen", sagte einer der Ankläger. „Es gibt auch Geständnisse.“

In dem größten Kinderschänder-Prozeß in der französischen Justizgeschichte müssen sich 66 Angeklagte - 39 Männer und 27 Frauen - wegen vielhundertfachen sexuellen Mißbrauchs an Kindern verantworten. Die 45 Opfern stammten aus einem heruntergekommenen Sozialmilieu vor den Toren Angers. Die Kinder im Alter von nur sechs Monaten bis zwölf Jahren erlebten von Januar 1999 bis Februar 2002 die Hölle auf Erden, und das in ihrem „familiären“ Umfeld.

„Sie wurden buchstäblich verkauft“

Was vor dem Geschworenengericht von Maine-et-Loire zur Sprache kommen wird, ist so drastisch, das bislang nur die Medien zum Prozeß zugelassen wurden.

Die Opfer mußten sich laut Anklage prostituieren und wurden vergewaltigt, auf Sex-Partys auch von den eigenen Eltern oder Großeltern. Sie wurden buchstäblich „verkauft“ - für Geld oder für Nahrungsmittel oder auch nur eine Stange Zigaretten. Vier Justizbeamte werden allein drei Tage brauchen, um die 430 Seiten dicke Anklageschrift zu verlesen. Der Aktenberg ist 25.000 Seiten hoch. Vier Monate wird der Prozeß dauern. Für die Gerichtsverhandlung wurde eigens ein 360-Quadratmeter-Saal gebaut.

„Widerlich und abstoßend“

Als „widerlich“ und „abstoßend“ umschreiben Kenner der Akten das, was sich vornehmlich in der Wohnung eines um die 30 Jahre alten Paares am Rand von Angers abgespielt haben soll. Auch die Sprache stößt dabei an ihre Grenzen, soll sie das Vorgefallene benennen. Die neun sorgsam ausgewählten Juroren und ihre acht Vertreter erhalten psychologische Unterstützung, damit sie angesichts all des Horrors, der im Gerichtssaal zu Tage gefördert wird, nicht zusammenbrechen.

51 Verteidiger wollen auf das soziale Elend der Angeklagten am Rand der Gesellschaft aufmerksam machen. Die Anwälte dürften Mutmaßungen über ein „organisiertes Netz“ von Kinderschändern anstellen, das über die „familiären Zirkel“ der 45 Opfer hinausgehe. Die meisten Angeklagten leben von Sozialhilfe, drei sind wegen sexueller Delikte vorbestraft.

Kinder „zur Verfügung“ gestellt

„Ein entsetzliches Martyrium“ nennt es die Untersuchungsrichterin Virginie Parent. Und Yves Crespin, Anwalt der Kinderhilfsorganisation „L'enfant bleu“, spricht von einem „fürchterlichen Albtraum“. Drei und vier Jahre alt waren die beiden Mädchen, die von 25 Erwachsenen mißbraucht und vergewaltigt wurden. „Ihr Leidensweg zeigt, wie diese Kinder von den eigenen Eltern zu Sexualobjekten herabgewürdigt worden sind“, aus Perversion und Geldgier, wie die Richterin festhält. Die Eltern der kleinen Mädchen sollen die Drahtzieher sein. Sie stellten laut Anklage beispielsweise einem 38 Jahre alten Maurer 18 Kinder „zur Verfügung“ - die Frau nahm so umgerechnet bis 300 Euro pro Woche ein.

Auffallend ist die „aktive Teilnahme“ von Frauen an den Taten. Die Ermittler sind sicher, nicht alle Täter dieser „schmutziges Dossier“ genannten Vorgänge vor Gericht gebracht zu haben. Der Prozeß kostet eine Million Euro und ist sorgfältig vorbereitet worden, weil das „Justiz-Fiasko von Outreau“ vom Mai 2004 vermieden werden soll.

Damals brach die Anklage in dem dünnen Eis ihrer „Beweise“ ein, von den 16 Angeklagten des Kinderschänder-Prozesses wurden 13 freigesprochen. Diesmal sind die meisten der Angeklagten geständig - ihnen droht nun Haft von drei Jahren bis zu lebenslänglich (für die drei mutmaßlichen Wiederholungstäter). Und die Franzosen müssen vier quälende Monate lang mit Berichten aus dem alltäglichen Horror der Kinder fertig werden.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, Reuters
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