11.03.2010 · Die Odenwaldschule plant ein neues Einstellungsverfahren für Lehrer und einen Ethik-Kodex für alle Mitarbeiter. Die Zahl der beschuldigten Lehrer hat sich inzwischen von drei auf acht erhöht, 33 Missbrauchsopfer haben sich bei der Schule gemeldet.
Die Odenwaldschule plant nach den bekanntgewordenen Missbrauchsfällen aus den 1970er und 80er Jahren ein neues Einstellungsverfahren für Lehrer. Die Zahl der beschuldigten Lehrer hat sich inzwischen von drei auf acht erhöht, wie Schulleiterin Margarita Kaufmann heute in Heppenheim mitteilte. Mittlerweile hätten sich 33 Missbrauchsopfer bei der Schule gemeldet, rund 40 Prozent davon ehemalige Schülerinnen. Außerdem werde die Schule einen Ethik-Kodex erstellen, an den sich jeder Mitarbeiter halten müsse, sagte Kaufmann. Für die Arbeit an der Schule solle mit Hilfe eines renommierten Wissenschaftlers ein neues Konzept erarbeitet werden.
Um zu klären, ob es in der jüngsten Zeit immer noch sexuelle Übergriffe gegeben habe, werde eine anonymisierte Umfrage unter den jetzigen Schülern gestartet.
Vorstand dementiert Rücktrittspläne
Der Vorstand der Odenwaldschule war bereits am Morgen Meldungen entgegen getreten, dass er geschlossen zurücktreten wolle. Am Dienstagabend hatte der Hessische Rundfunk unter Verweis auf das Vorstandsmitglied Friedrich Springorum gemeldet, die Vorstandsmitglieder würden Konsequenzen aus dem Skandal um jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch an der Schule ziehen und ihre Ämter zur Verfügung stellen. In einer Erklärung stellte das siebenköpfige Gremium klar, dass ein Rücktritt allein in der Mitgliederversammlung der Schule beschlossen werden könne. Bislang sei aber weder von der Mitgliederversammlung noch vom Vorstand eine solche Entscheidung getroffen worden.
Für eine Krisensitzung des Trägervereins am 27. März sind jedoch kurzfristig Neuwahlen des Vorstands anberaumt worden seien. Dort werde das Gremium „in einer möglicherweise neuen Besetzung“ demokratisch gewählt werden.