02.02.2005 · Kinderlose oder Konservative: Im Prozeß gegen Michael Jackson versuchen beide Seiten die Zusammensetzung der Jury in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Kaum ausgewählt, schon heiß umkämpft: Die Eröffnungsplädoyers von Anklage und Verteidigung im Mißbrauchsprozeß gegen Michael Jackson werden im Gerichtssaal von Santa Maria wohl erst in einem Monat zu hören sein. Denn so lange wird es nach Schätzung von Rechtsexperten noch dauern, bis die Auswahl der zwölf Geschworenen abgeschlossen ist.
Die Nominierung der „Jackson Twelve“ - wie die Jury bereits von Prozeßbeobachtern unter Anspielung auf die frühere Boy-Group „Jackson Five“ des Angeklagten bezeichnet wird - ist vor allem deshalb kompliziert, weil die Prozeßgegner dabei bereits ihre ersten Gefechte austragen. Beide Seiten hoffen, mit der Zusammensetzung der Jury das Verfahren in ihrem Sinne beeinflussen zu können.
Jackson-Anwälte hoffen auf junge Geschworene
So hofft die Staatsanwaltschaft im Jackson-Prozeß aller Wahrscheinlichkeit nach auf eine mehrheitlich konservative, religiöse und familienorientierte Jury. Die Verteidigung dürfte dagegen nach Ansicht von Experten jüngere, liberale und kinderlose Geschworene bevorzugen.
Niemand wird aus eigenem Antrieb Geschworener in den Vereinigten Staaten - die Kandidaten werden vorgeladen und dann nach intensiver Prüfung durch Richter, Staatsanwälte und Verteidiger ausgewählt. Für den Jackson-Prozeß wurde eine erste Liste von 4000 potentiellen Juroren erstellt, von denen dann mehrere hundert vor Gericht erscheinen mußten. Etwa 215 Kandidaten legten bei ihrem Gerichtstermin dar, daß sie sich die Teilnahme an dem etwa halbjährigen Prozeß aus privaten oder beruflichen Gründen nicht leisten könnten. Die meisten Nein-Sager argumentierten mit dem ihnen drohenden Verdienstausfall. Richter Rodney Melville siebte an den ersten beiden Prozeßtagen schließlich 250 mögliche Geschworene heraus, die in den kommenden Wochen genauer überprüft werden sollen.
Schlüsselthemen Reichtum und Pädophilie
Die Auswahl der zwölf Juroren sowie von acht Stellvertretern findet auf Grundlage eines siebenseitigen Fragebogens statt. Darin müssen sich die Kandidaten zu Schlüsselthemen des Jackson-Verfahrens wie Ruhm, Reichtum und Pädophilie äußern. Die Antworten werden von Anklage und Verteidigung gründlich analysiert. Sie können dabei einzelne Kandidaten zu einer mündlichen Befragung vorladen. Beide Seiten können je zehn Kandidaten ohne Angaben von Gründen ausschließen. Bei den übrigen Kandidaten müssen sie gegebenenfalls darlegen, warum sie ihnen nicht passen. Einer der Hauptgründe für den Ausschluß von Kandidaten ist, daß sie befangen wirken.
In dem Auswahlverfahren werden die Staatsanwälte und Verteidiger von professionellen Juroren-Beratern unterstützt. Diese sind darauf spezialisiert, die Persönlichkeiten der potentiellen Geschworenen und ihre wahrscheinlichen Meinungen zu dem Fall einzuschätzen. Die „jury consultants“ sind oft ausgebildete Psychologen oder frühere Polizisten. Sie nehmen Umfragen in der Gemeinde vor, helfen bei der Formulierung der Fragebögen und bei der Analyse der Antworten. Und ihre Rolle ist oft nicht mit der Auswahl der Geschworenen zu Ende. Häufig beraten sie die Anwälte beider Seiten im weiteren Verfahren dabei, wie sich die Jury am Besten beeinflussen läßt.