Home
http://www.faz.net/-gus-7gphf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Mexiko Anführer des Golf-Kartells gefasst

Einer der mächtigsten Drogenbosse Mexikos ist festgenommen worden: Mario Armando Ramírez Treviño kontrollierte einen Großteil des Kokain- und Marihuanaschmuggels in die Vereinigten Staaten.

Mexikanischen Soldaten ist eine weitere Festnahme eines wichtigen Drogenbosses gelungen: Sie haben den Anführer des so genannten Golf-Kartells festgenommen. Mario Armando Ramírez Treviño, auch bekannt als „X-20“ oder „der Glatzköpfige“ sei am Samstag in der Ortschaft Río Bravo im Bundesstaat Tamaulipas im Nordosten des Landes gestellt worden, teilte das Innenministerium mit. Das Golf-Kartell kontrolliert nach amerikanischen Angaben einen Großteil des Kokain- und Marihuanaschmuggels in die Vereinigten Staaten. Die amerikanische Anti-Drogen-Polizei DEA hatte fünf Millionen Dollar für Hinweise ausgesetzt, die zu seiner Ergreifung führen.

Es ist bereits die zweite derartige Festnahme innerhalb von einem Monat. Mitte Juli hatten Sicherheitskräfte den Anführer der „Los Zetas“, Miguel Ángel Treviño Morales alias „Z-40“ gefasst. Staatschef Peña Nieto hatte bei seinem Amtsantritt im Dezember eine neue Strategie im Kampf gegen die Drogenkartelle angekündigt, um die Zahl der Gewalttaten zu verringern. Dazu gehören ein Präventionsprogramm und die Schaffung einer neuen Militärpolizei. Sein Vorgänger Felipe Calderòn hatte Ende 2006 eine Offensive gegen den Drogenhandel mit tausenden Soldaten gestartet. Während seiner Präsidentschaft gelang es den Sicherheitskräften zwar, etwa zwei Dutzend der 37 meistgesuchten Drogenbosse festzunehmen oder zu töten. Die Morde im Zusammenhang mit dem Drogenkrieg nahmen aber deutlich zu: Von Ende 2006 bis 2012 wurden etwa 70.000 Menschen getötet.

Ein ehemaliger Polizist, der die Seiten wechselte

Das Golfkartell ist eines der ältesten Verbrechersyndikate Mexikos. Bereits zu Zeiten der Prohibition in den 1920er schmuggelte die Gruppe Alkohol, wie es in einer Analyse des wissenschaftlichen Dienstes des amerikanischen Kongresses heißt. Seit rund 40 Jahren sei das im Nordosten Mexikos beheimatete Kartell im Drogengeschäft tätig, berichtete das Nachrichtenportal Insight Crime. Mittlerweile ist die Gruppe auch in die Schleusung von Flüchtlingen in die Vereinigten Staaten verwickelt.

Bei Ramírez Treviño soll es sich um einen ehemaligen Polizisten handeln, der die Seiten gewechselt hat. Er war zunächst der Anführer eines bewaffneten Arms des Golfkartells, „Los Rojos“. Nach der Festnahme seines Vorgängers Eduardo Costilla im September 2012 und einer Reihe interner Kämpfe stieg er an die Spitze des Drogenkartells auf, wie die Zeitung „Milenio“ berichtete. Ramírez Treviño gilt als ausgesprochen gefährlich. Es sei „genauso oder noch brutaler“ als der kürzlich festgenommene Zetas-Chef Treviño Morales, hieß es in einem Bericht der Zeitung „El Universal“. Allerdings ist Ramírez Treviño in Mexiko nicht so bekannt wie andere Drogenbosse wie beispielsweise der legendäre Anführer des Sinaloa-Kartells, Joaquín „El Chapo“ Guzmán.

Keine kohärente Gruppe mehr

Zuletzt hatte das Golf-Kartell immer mehr an Einfluss verloren. Mittlerweile handele es sich nicht mehr um eine kohärente Gruppe, sondern vielmehr um eine Ansammlung mehrerer Fraktionen, die unter dem Dach der Golf-Kartells operierten, schreiben die Experten des Analyseunternehmens Stratfor in ihrem jüngsten Bericht.

Vor allem die Abspaltung der „Los Zetas“ 2010 hat dem Syndikat schwer geschadet. Der frühere bewaffnete Arm des Golf-Kartells rekrutierte sich zumindest zu Beginn vor allem aus desertierten Mitgliedern von Spezialeinheiten der Streitkräfte. Mittlerweile gelten die Zetas als mächtigstes Verbrechersyndikat des Landes. Im Kampf gegen die Gruppe hatte sich das Golf-Kartell zuletzt mit dem Sinaloa-Kartell und den sogenannten Tempelrittern verbündet. Bei der Verteidigung ihrer angestammten Einflusszonen in Tamaulipas sei das Golf-Kartell zum Teil auf die aktive Unterstützung ihrer Alliierten angewiesen, heißt es in der amerikanischen Analyse.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA/AFP/Reuters

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Mexiko Drogenbosse beschweren sich über Zustände im Gefängnis

Überfüllte Zellen, schlechtes Essen: Inhaftierte Kartellchefs beklagen ihre Haftbedingungen. Tausende wütende Demonstranten erinnern zeitgleich an 43 verschleppte Studenten, die vermutlich ermordet wurden. Mehr

27.02.2015, 05:48 Uhr | Politik
Honduras Drogenbosse festgenommen

Mehrere Mitglieder des Los Valles Drogenkartells wurden in Honduras festgenommen. Das Los Valles Kartell soll jeden Monat tausende Kilo Kokain in die USA schmuggeln. Mehr

06.10.2014, 09:35 Uhr | Gesellschaft
Kampf gegen Boko Haram Nigeria meldet Tötung von 300 Islamisten

Die Regierung von Nigeria hat im Kampf gegen die extremistische Islamisten-Miliz Boko Haram einen Erfolg vermeldet. 300 Kämpfer seien bei der Rückeroberung des Dorfes Monguno getötet worden. Mehr

18.02.2015, 13:41 Uhr | Politik
Mexiko Chef des Beltrán-Leyva-Kartells gefasst

Sein Spitzname war El H, vier Millionen Euro Kopfgeld waren auf ihn ausgesetzt. Jetzt hat die Suche ein Ende. Der mächtige Chef des Beltrán-Leyva-Kartells ist gefasst. Mehr

02.10.2014, 11:46 Uhr | Gesellschaft
Protestmarsch in Newcastle Erste Pegida-Demo in England floppt

Zum ersten Marsch des britischen Pegida-Ablegers sind nur 400 Menschen erschienen. Das sind halb so viele wie die Organisatoren erwartet hatten. Die Zahl der Gegendemonstranten war deutlich höher. Mehr

01.03.2015, 07:03 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.08.2013, 10:19 Uhr

Schönheitskönigin Die neue „Miss Germany“ stammt aus der Ukraine

Olga Hoffmann will Deutschland ein hübsches Gesicht geben, Schauspielerin Jasmin Gerat isst wieder Fleisch, und Catwoman liebt beide Geschlechter – der Smalltalk. Mehr 6

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden