http://www.faz.net/-gum-7gphf
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 18.08.2013, 10:19 Uhr

Mexiko Anführer des Golf-Kartells gefasst

Einer der mächtigsten Drogenbosse Mexikos ist festgenommen worden: Mario Armando Ramírez Treviño kontrollierte einen Großteil des Kokain- und Marihuanaschmuggels in die Vereinigten Staaten.

Mexikanischen Soldaten ist eine weitere Festnahme eines wichtigen Drogenbosses gelungen: Sie haben den Anführer des so genannten Golf-Kartells festgenommen. Mario Armando Ramírez Treviño, auch bekannt als „X-20“ oder „der Glatzköpfige“ sei am Samstag in der Ortschaft Río Bravo im Bundesstaat Tamaulipas im Nordosten des Landes gestellt worden, teilte das Innenministerium mit. Das Golf-Kartell kontrolliert nach amerikanischen Angaben einen Großteil des Kokain- und Marihuanaschmuggels in die Vereinigten Staaten. Die amerikanische Anti-Drogen-Polizei DEA hatte fünf Millionen Dollar für Hinweise ausgesetzt, die zu seiner Ergreifung führen.

Es ist bereits die zweite derartige Festnahme innerhalb von einem Monat. Mitte Juli hatten Sicherheitskräfte den Anführer der „Los Zetas“, Miguel Ángel Treviño Morales alias „Z-40“ gefasst. Staatschef Peña Nieto hatte bei seinem Amtsantritt im Dezember eine neue Strategie im Kampf gegen die Drogenkartelle angekündigt, um die Zahl der Gewalttaten zu verringern. Dazu gehören ein Präventionsprogramm und die Schaffung einer neuen Militärpolizei. Sein Vorgänger Felipe Calderòn hatte Ende 2006 eine Offensive gegen den Drogenhandel mit tausenden Soldaten gestartet. Während seiner Präsidentschaft gelang es den Sicherheitskräften zwar, etwa zwei Dutzend der 37 meistgesuchten Drogenbosse festzunehmen oder zu töten. Die Morde im Zusammenhang mit dem Drogenkrieg nahmen aber deutlich zu: Von Ende 2006 bis 2012 wurden etwa 70.000 Menschen getötet.

Ein ehemaliger Polizist, der die Seiten wechselte

Das Golfkartell ist eines der ältesten Verbrechersyndikate Mexikos. Bereits zu Zeiten der Prohibition in den 1920er schmuggelte die Gruppe Alkohol, wie es in einer Analyse des wissenschaftlichen Dienstes des amerikanischen Kongresses heißt. Seit rund 40 Jahren sei das im Nordosten Mexikos beheimatete Kartell im Drogengeschäft tätig, berichtete das Nachrichtenportal Insight Crime. Mittlerweile ist die Gruppe auch in die Schleusung von Flüchtlingen in die Vereinigten Staaten verwickelt.

Bei Ramírez Treviño soll es sich um einen ehemaligen Polizisten handeln, der die Seiten gewechselt hat. Er war zunächst der Anführer eines bewaffneten Arms des Golfkartells, „Los Rojos“. Nach der Festnahme seines Vorgängers Eduardo Costilla im September 2012 und einer Reihe interner Kämpfe stieg er an die Spitze des Drogenkartells auf, wie die Zeitung „Milenio“ berichtete. Ramírez Treviño gilt als ausgesprochen gefährlich. Es sei „genauso oder noch brutaler“ als der kürzlich festgenommene Zetas-Chef Treviño Morales, hieß es in einem Bericht der Zeitung „El Universal“. Allerdings ist Ramírez Treviño in Mexiko nicht so bekannt wie andere Drogenbosse wie beispielsweise der legendäre Anführer des Sinaloa-Kartells, Joaquín „El Chapo“ Guzmán.

Keine kohärente Gruppe mehr

Zuletzt hatte das Golf-Kartell immer mehr an Einfluss verloren. Mittlerweile handele es sich nicht mehr um eine kohärente Gruppe, sondern vielmehr um eine Ansammlung mehrerer Fraktionen, die unter dem Dach der Golf-Kartells operierten, schreiben die Experten des Analyseunternehmens Stratfor in ihrem jüngsten Bericht.

Vor allem die Abspaltung der „Los Zetas“ 2010 hat dem Syndikat schwer geschadet. Der frühere bewaffnete Arm des Golf-Kartells rekrutierte sich zumindest zu Beginn vor allem aus desertierten Mitgliedern von Spezialeinheiten der Streitkräfte. Mittlerweile gelten die Zetas als mächtigstes Verbrechersyndikat des Landes. Im Kampf gegen die Gruppe hatte sich das Golf-Kartell zuletzt mit dem Sinaloa-Kartell und den sogenannten Tempelrittern verbündet. Bei der Verteidigung ihrer angestammten Einflusszonen in Tamaulipas sei das Golf-Kartell zum Teil auf die aktive Unterstützung ihrer Alliierten angewiesen, heißt es in der amerikanischen Analyse.

Mehr zum Thema

Quelle: DPA/AFP/Reuters

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Musikvideo zu Oh my God Malaysischer Rapper wegen Beleidigung des Islam festgenommen

In einem Musikvideo ist der malaysische Rapper Namewee in einer Moschee, einer Kirche und Tempeln zu sehen, zu hören ist der islamische Gebetsruf. Mehrere Anzeigen haben jetzt zu seiner Festnahme geführt. Mehr

22.08.2016, 13:54 Uhr | Feuilleton
Marine in Mexiko Schnellboot mit Hunderten Kilo Kokain beschlagnahmt

Die mexikanische Marine hat ein Schnellboot voller Drogen beschlagnahmt. Das Boot hatte mehr als 800 Kilogramm Kokain geladen. Mehr

23.08.2016, 08:35 Uhr | Gesellschaft
VW-Bauteile Prevent – weit mehr als ein Autozulieferer

Die bosnische Familiengruppe Hastor kauft sich in Unternehmen, Banken und Versicherer ein. Auch die Prevent-Gruppe gehört dazu. Welchen Einfluss hat der mächtige Clan aus dem Osten? Mehr Von Christian Geinitz, Wien

23.08.2016, 11:25 Uhr | Wirtschaft
Rio de Janeiro IOC-Funktionär Hickey festgenommen

Der IOC-Funktionär Patrick Hickey ist von der brasilianischen Polizei festgenommen worden. Ihm wird vorgeworfen, am illegalen Tickethandel während der Olympischen Spiele beteiligt gewesen zu sein. Mehr

19.08.2016, 19:01 Uhr | Sport
Exzessive Gewalt Polizisten in Mexiko töten 22 Zivilisten bei Drogenrazzia

Es sollte eine Razzia gegen eine Drogenbande werden. Dann verschanzten sich die Verdächtigen auf einer Ranch und die Polizei ging mit exzessiver Gewalt vor - und töte dabei auch viele Zivilisten. Mehr

19.08.2016, 10:27 Uhr | Gesellschaft

Rapper DMX wird zum 15. Mal Vater

Das 15. Kind von Rapper DMX heißt Exodus, Blake Lively bedauert die negative Sicht auf Frauenkörper nach der Geburt, und Prince soll Medikamente genommen haben, die stärker waren als angegeben – der Smalltalk. Mehr 4

Frankfurter Allgemeine Stil auf Facebook
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden