Der Drogenkrieg in Mexiko hat am Sonntag 13 Menschen das Leben gekostet. In Acapulco und Umgebung wurden die Leichen von neun Männern entdeckt, von denen acht erschossen worden waren, wie die Behörden mitteilten. Die Todesursache des neunten Opfers, dessen Leichnam verbrannt wurde, blieb noch unklar. Die Männer seien zwischen 25 und 50 Jahre alte gewesen, hieß es weiter.
In der mexikanischen Stadt Ciudad Juarez wurden vier Bewohner zweier Drogenentzugszentren von Bewaffneten getötet, die die Einrichtungen zuvor gestürmt hatten. Fünf weitere Bewohner wurden bei dem Vorfall von Sonntagnachmittag verletzt, wie ein Polizeisprecher mitteilte. In den vergangenen zwei Jahren haben bewaffnete Banden Dutzende Bewohner von Rehabilitationszentren getötet, die oft von Drogenkartellen betrieben werden, um Suchtkranke für kriminelle Aktivitäten anzuwerben. Diese werden dann vielfach Opfer von Angriffen rivalisierender Drogenbanden.
14-Jähriger vor Gericht
Unterdessen entschieden Richter am Sonntag, dass im Fall eines mutmaßlich an der Enthauptung von vier Menschen beteiligten 14-jährigen Jungen bei einer Verurteilung das Jugendgesetz des mexikanischen Staates Morelos angewandt werden kann, das eine Höchststrafe von drei Jahren Gefängnis vorsieht. In der Anhörung wurde auch erörtert, ob dem „El Ponchis“ genannten Jungen angesichts der Schwere der Beschuldigungen nach mexikanischem Bundesrecht der Prozess gemacht werden kann. Nach der Anhörung wurde der Junge von 15 Bundespolizisten aus dem Gerichtsgebäude der Stadt Cuernavaca geführt.
Er wurde am vergangenen Donnerstag zusammen mit seiner 19-jährigen Schwester festgenommen, die ihm nach Behördenangaben bei der Entsorgung von Leichen geholfen haben soll. Der Junge erklärte vor Journalisten, bei der Hinrichtung der Menschen unter Drogeneinfluss gestanden und aus Todesangst gehandelt zu haben. Er habe bereits seit seinem elften Lebensjahr für ein Drogenkartell gearbeitet, sagte er. Aufgewachsen ist er in einer verarmten Bezirk in der Nähe Cuernavacas. Bekannte beschrieben als ruhigen und unauffälligen Jungen. Vor einem Monat war auf YouTube ein Video aufgetaucht, dass eine Diskussion über einen kindlichen Auftragskiller auslöste.
Staatsbürgerschaft unklar
Die Ermittler nehmen an, dass „El Ponchis“ für eine Splittergruppe des Beltran-Leyva-Kartells arbeitete. Dessen Festnahme und die nachfolgende mediale Aufmerksamkeit rief bei einem mexikanischen Kinderhilfswerk Unmut hervor. Das Netzwerk für Kinderrechte erklärte am Sonntag, die Privatsphäre und die Rechte des Teenagers seien verletzt worden.
Überdies sorgte auch die Staatsbürgerschaft des Jungen für Unklarheit. Der Governeur von Morelos, Marco Adame Castillo, sagte, der Jugendliche sei in San Diego im US-Staat Kalifornien geboren worden. Es werde geprüft, ob er eine doppelte Staatsbürgerschaft habe.
Gutmenschliche "Hilfswerke"
Sarah Müller (Fuer-abendlaendische-Kultur)
- 07.12.2010, 15:52 Uhr