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Aktualisiert: 12.12.2016, 17:40 Uhr

Messerattacke in Herborn Lebenslange Haft für Mord an einem Polizisten

Die Bluttat an Heiligabend 2015 am Herborner Bahnhof schockierte viele. Nun muss der Mann, der damals einen Polizisten tötete und einen anderen schwer verletzte, lebenslang in Haft.

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© dpa Polizisten am 24. Dezember 2015 in Herborn auf einem abgesperrten Bahnsteig. Am Morgen war hier bei einer Messerattacke ein 46 Jahre alter Polizist getötet worden.

Der wegen Mordes und versuchten Mordes an zwei Polizisten angeklagte Patrick S. ist zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Limburg stellte am Montag zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Das schließt eine Entlassung nach 15Jahren aus. Der Vorsitzende Richter sprach von einer brutalen und erbarmungslosen Tat.

Patrick S. hatte in den Morgenstunden des 24. Dezember vergangenen Jahres am Herborner Bahnhof einen 46 Jahre alten Polizeibeamten tödlich und seinen 47 Jahre alten Kollegen lebensgefährlich verletzt. Der Zugbegleiter hatte zuvor die Polizei alarmiert, weil der zur Tatzeit 27 Jahre alte Patrick S. als aggressiver Schwarzfahrer aufgefallen war. Die Überwachungskameras der Deutschen Bahn hatten die tödliche Messerattacke aufgezeichnet. Im Sommer sagte ein Sachverständiger der Polizei vor dem Landgericht Limburg aus, Patrick S. habe gezielt Deckungslücken gesucht, um die Polizisten mit schnellen Messerstichen im Hals- und Schulterbereich zu verletzen. Nach Einschätzung des Sachverständigen, der an der Polizeiakademie Hessen Nahkampf unterrichtet, sei das „gelerntes Kämpfen“ gewesen. Auf den Kampf soll sich der Verurteilte gezielt vorbereitet haben. So habe er im Ein- und Ausstiegsbereich des Zugabteils auf die Beamten gewartet, um im Nahkampf ausreichend Bewegungsfreiheit zu besitzen. Seine Körperhaltung, so der Sachverständige der Polizei im Sommer, deutete auf eine antrainierte Kampfstellung hin. Die linke Hand des Verurteilten soll zudem schon die Tatwaffe, ein Springmesser, umklammert haben.

Patrick S. hatte zur Tatzeit 1,7 Promille Alkohol und Amphetamine im Blut. Für die Polizei war er kein Unbekannter. Wegen verschiedener Gewaltdelikte hatte S. erst kurz vor der Tat eine Haftstrafe verbüßt. Auf der Entlassungsfeier, sagte eine Zeugin vor dem Landgericht aus, habe S. den Wunsch geäußert, einmal einen Polizisten zu erstechen. Auf den Fingergliedern der rechten Hand trägt der Verurteilte die Tätowierung „ACAB“ (All Cops Are Bastards).

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert

Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert. Patrick S. habe angeblich in einer Notwehrsituation gehandelt. Die Polizisten wollte er nicht als solche erkannt haben, obwohl auf den dunkelblauen Uniformjacken, welche die Beamten im Einsatz trugen, groß der Schriftzug „Polizei“ zu lesen war. Patrick S. behauptete, dass er die Polizisten für verfeindete Rocker hielt. Der Verurteilte war womöglich Mitglied des in Deutschland verbotenen Rocker-Clubs Satudarah MC.

Um zu überprüfen, ob die Beamten als Polizisten zu erkennen waren, hatte das Gericht im September einen Verhandlungstag am Tatort anberaumt. Der Ortstermin fand am späten Abend statt, um möglichst identische Lichtverhältnisse zu erzeugen. Die Hessische Landesbahn hatte dafür eigens einen Zug bereitgestellt, der von Gießen aus in Herborn einfuhr. Nachdem alle Prozessbeteiligten – auch der Angeklagte – eingestiegen waren, näherte sich, wie an Heiligabend vergangenen Jahres, ein Beamter langsam dem Abteil. Für den Vertreter der Nebenklage war dabei klar erkennbar, dass ein Polizist auf den Zug zukam.

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Der psychiatrische Sachverständige Rainer Gliemann hatte Patrick S. volle Schuldfähigkeit attestiert. Zudem wies er darauf hin, dass Alkohol im Leben des Täters ein „konstellativer Faktor“ sei, der das Aggressionspotential von Patrick S. steigere und in allen noch vorhandenen Urteilen gegen ihn eine Rolle gespielt habe. Eine Alkoholabhängigkeit sei aber nicht festzustellen.

Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte Patrick S. Bilder von einer Axt und einer Pistole. Er selbst bezeichnet sich dort als „sicario“ – als Auftragskiller. S. war bei der Tat selbst schwer verletzt worden. Der tödlich verletzte Beamte feuerte auf seinen Mörder noch zwei Schüsse ab, ehe er auf dem Bahnsteig verblutete. Der Beamte hinterlässt eine Frau und vier Kinder. Für sie wird Weihnachten immer mit der schrecklichen Bluttat verbunden sein.

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