http://www.faz.net/-gum-8iq9e

Katholische Kirche : Die meisten Opfer sind Jungen

  • Aktualisiert am

Geistlichen als Täter gekennzeichnet von emotionaler und sexueller Unreife, Persönlichkeitsstörungen und Pädophilie. Bild: dpa

Ein Forschungsprojekt zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche liefert erste Ergebnisse. Bei einem Drittel der Taten liegt demzufolge eine „erhebliche Schwere“ vor.

          Nach dem ersten Bekanntwerden von Missbrauchsfällen im großen Ausmaß in der katholischen Kirche im Jahr 2010 liegen nun Teilergebnisse eines Forschungsprojekts zu Ursachen und Ausmaß vor. Forscher stellten bei Geistlichen als Tätern unter anderem emotionale und sexuelle Unreife, Persönlichkeitsstörungen und Pädophilie fest.

          Aus einer Metaanalyse bereits vorhandener Studien haben sie Aussagen zu Täter- und Opferstruktur gewonnen. Wesentliche Teile des Forschungsprojekts, darunter die geplante umfangreiche Aufarbeitung von Akten aus deutschen Bistümern, sind aber gerade erst angelaufen. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und die 27 Diözesen haben die umfangreiche Studie in Auftrag gegeben, um Umfang und Hintergründe sexuellen Missbrauchs in der Kirche aufzuklären.

          Ein Ergebnis der Forscher ist, dass die Täter innerhalb der Kirche wie in anderen Institutionen auch hauptsächlich männlich sind. Bei den Opfern gibt es aber Unterschiede: Während in nicht-kirchlichen Institutionen häufiger weibliche Betroffene (55 Prozent) verzeichnet wurden, sind die Opfer bei Taten in der Kirche überwiegend männlich (79 Prozent). Die Daten wurden durch ein Übereinanderlegen von insgesamt 53 vorhandenen Studien aus verschiedenen Ländern gewonnen. 40 davon beschäftigten sich mit Missbrauch in der katholischen Kirche.

          Erhebliche Schwere der Taten

          Ein weiteres Ergebnis der Forscher um den Psychiater Harald Dreßing und den Kriminologen Dieter Dölling ist, dass drei Viertel der Taten in der katholischen Kirche sogenannte Hands-on-Handlungen sind, bei denen das Opfer mindestens angefasst wurde. Am häufigsten ging es dabei um Anfassen oberhalb (23 Prozent) und unterhalb (21 Prozent) der Kleidung. In 17 Prozent der Fälle kam es zu Geschlechts-, in zwölf Prozent zu Oralverkehr. Damit gebe es bei fast einem Drittel der Taten eine erhebliche Schwere, sagte Dölling bei der Vorstellung der Ergebnisse in Berlin.

          Das Forschungsprojekt wurde im Juli 2014 gestartet und läuft noch bis Ende 2017. Zum Projekt gehören eine Sichtung und Auswertung zahlreicher Personalakten in der katholischen Kirche und Interviews mit Betroffenen. Um Besonderheiten des Missbrauchs in der katholischen Kirche aufzudecken, sollen zudem Strafakten von Tätern aus dem kirchlichen und nicht-kirchlichen Bereich verglichen werden. Am Montag sollte zudem eine Online-Umfrage starten, die sich ebenfalls an Opfer richtet.

          Weitere Themen

          In den Händen des Papstes

          Missbrauchsskandal in Chile : In den Händen des Papstes

          Alle 34 Bischöfe Chiles haben nach Gesprächen mit Franziskus über die Missbrauchsfälle in ihrem Land den Rücktritt angeboten. Nun muss Franziskus über die künftige Besetzung der chilenischen Bischofskonferenz entscheiden.

          Proteste eskalieren Video-Seite öffnen

          Sexismus in Chile : Proteste eskalieren

          Die Demonstranten forderten ein Ende sexueller Belästigungen an den Universitäten und Schulen. Die Demonstration begann friedlich, doch dann eskalierte die Situation.

          Topmeldungen

          Kim Jong-un: Nordkoreas Präsident versucht es nun wieder mit diplomatischer Härte.

          Nordkorea zeigt Härte : Der Wohlfühlgipfel war gestern

          Nordkoreas Haltung hat sich wieder verhärtet – Pjöngjang versucht, einen Keil zwischen Seoul und Washington zu treiben. Eine besondere Rolle dabei spielen zwölf nordkoreanische Kellnerinnen.

          Aufruf von 154 Professoren : Ökonomen warnen vor Euro-Haftungsunion

          Die Vorschläge von Frankreichs Präsident Macron und EU-Kommissionspräsident Juncker gefährden Europas Wohlstand. 154 Wirtschaftsprofessoren fordern in der F.A.Z. mehr Reformen statt weitere Fehlanreize.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.