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Marco W. Unverhältnismäßig

07.09.2007 ·  Die unverhältnismäßig lange Zeit, die Marco W. inzwischen in einem türkischen Gefängnis in Untersuchungshaft sitzt, wirft Fragen nach den Motiven der Justiz auf. Ist es die Quittung für die Einmischung deutscher Politik? Ein Kommentar.

Von Wolfgang Günter Lerch
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Die südtürkische Stadt Antalya wird gemeinhin mit Sommer, Sonne, Badefreuden assoziiert; doch gegenwärtig fällt ein hässlicher Schatten auf sie. Er hängt mit dem Prozess gegen den 17 Jahre jungen Marco W. zusammen, der in den Ferien eine Minderjährige aus England vergewaltigt haben soll.

Seine Anwälte wollten ihn wenigstens aus der Untersuchungshaft freibekommen, in der er schon seit Monaten sitzt. Sie scheiterten. Die Verhandlung wurde abermals vertagt, Marco W. bleibt vorläufig bis Ende September in Haft. So unklug es war, sich von deutscher Seite zu Beginn in diesen Prozess politisch einzumischen und dadurch zu versuchen, Druck auf die türkische Justiz auszuüben, so sehr fragt man jetzt angesichts der unverhältnismäßig langen Dauer der Untersuchungshaft und dem Hin und Her - noch dazu bei einem Jugendlichen -, ob das alles noch mit rechten Dingen zugeht.

Soll hier den deutschen Politikern etwa auf Kosten eines jugendlichen Untersuchungsgefangenen gezeigt werden, was eine Harke ist? Das wäre umso skandalöser, als sich mittlerweile nach ärztlichen Gutachten abzuzeichnen scheint, dass der Vorfall im April geringfügiger war, als es zunächst den Anschein hatte.

Video: Marco W. muss weiter warten

Quelle: F.A.Z., 07.09.2007, Nr. 208 / Seite 12
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Jahrgang 1946, Redakteur in der Politik.

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