20.06.2006 · Unterlagen, die im April bei der Festnahme des Mafia-Paten Bernardo Provenzano entdeckt wurden, haben die Polizei auf Sizilien auf die Spur weiterer hochrangiger Mafia-Bosse geführt. Nun schlugen die Ermittler zu.
In Sizilien ist den Ermittlern ein harter Schlag gegen die Mafia gelungen: Bei einem Großeinsatz vor Morgengrauen nahm die Polizei am Dienstag 52 Verdächtige fest, darunter die Chefs von 13 Mafiafamilien, wie der nationale italienische Antimafia-Staatsanwalt Piero Grasso der italienischen Nachrichtenagentur Ansa sagte.
Die Festnahmen seien das Ergebnis intensiver Ermittlungen über einen langen Zeitraum. Dabei hätten die Behörden das Organisationsschema der Mafia in Siziliens Hauptstadt Palermo aufgedeckt. Die Behörden erließen Haftbefehle wegen Bildung einer mafiösen Vereinigung und Erpressung.
Verbindungen auch zu Politikern
Die Ermittler hatten zuvor monatelang eine Garage in Palermo überwacht und die Treffen abgehört, die die Mafiosi dort abhielten. Zudem wurden Dokumente dechiffriert, die bei der Festnahme des „Bosses der Bosse“ Bernardo Provenzano im April gefunden worden waren. Provenzano, Chef der Cosa Nostra, war 40 Jahre auf der Flucht gewesen und hatte die Verbrecherorganisation aus dem Versteck heraus geleitet.
Moderne Abhörmethoden hätten eine „beeindruckende Zahl“ an Gesprächen geliefert, anhand derer die Stimmen und Äußerungen der verschiedenen Mafia-Chefs in Palermo identifiziert werden konnten, berichtete Chef-Ermittler Grasso. Dabei seien auch „Verbindungen zwischen Mafia-Zellen und Geschäftsmännern sowie Politikern“ aufgedeckt worden.
Die 13 festgenommenen Mafia-Bosse hätten alle schon Strafen wegen Mafia-Verbrechen abgesessen. Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis hätten sie jedoch sofort wieder ihre verbrecherischen Geschäfte aufgenommen.