Home
http://www.faz.net/-gus-1021s
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Leipzig Suche nach Michelles Mörder geht weiter

25.08.2008 ·  Die Leiche der acht Jahre alten Michelle wurde am Donnerstag in einem Teich gefunden. Dort suchen die Ermittler nach weiteren Spuren. Haare und Zigarettenstummel haben sie bereits eingesammelt. Michelles Mitschüler werden von Montag an von Psychologen betreut.

Artikel Bilder (10) Video (1) Lesermeinungen (2)

Auch eine Woche nach dem Verschwinden der ermordeten Michelle aus Leipzig haben die Ermittler noch keine konkrete Spur zum Täter. Um den Fortgang der Fahndung nicht zu gefährden, will sich die Polizei bei der Bekanntgabe von Details stärker zurückhalten als bisher. „Wir möchten zurzeit keine weiteren Angaben zum Fall machen“, sagte ein Beamter in der Nacht zum Montag. Polizeisprecher Andreas de Parade kritisierte, dass in den Medien mitunter über Dinge berichtet wurde, die eindeutig Täterwissen seien.

Zuvor hatten die Fahnder allerdings Berichte bestätigt, nach denen in der Nähe des Teiches, in dem die tote Michelle lag, Haare gefunden wurden. Ob es Haare des Kindes sind, wollte de Parade am Sonntag nicht sagen. Die Spurensicherung sammelte in dem Park, in dem der Teich liegt, auch Zigarettenstummel ein, die noch untersucht werden. Auch dazu teilte die Polizei jedoch nicht mit, ob es einen Zusammenhang mit dem Verbrechen gebe.

Psychologen betreuen Michelles Mitschüler

Die achtjährige Michelle war am vergangenen Montag von der Ferienbetreuung in ihrer Schule nicht nach Hause gekommen. Am Donnerstag entdeckten Spaziergänger die Leiche des Mädchens in dem Teich im Osten Leipzigs.

Zum Schuljahresbeginn in Sachsen am heutigen Montag wollen Lehrer und Mitschüler des Mädchens die schrecklichen Ereignisse gemeinsam verarbeiten. Psychologen werden in der Grundschule der getöteten Achtjährigen vor allem die jüngeren Schüler betreuen. Lehrer sollen die Kinder bei der Trauer begleiten. Am Wochenende hatten mehrere hundert Leipziger bei Andachten in der Trinitatiskirche getrauert.

177 Ermittler suchen nach dem Mörder

Derweil bleibt die Fahndung nach dem Täter schwierig. „Es ist eine Suche nach irgendwelchen Gegenständen, die uns auf die Spur des Täters bringen können“, sagte ein Polizeisprecher. Vermisst werden immer noch die rosafarbene Jacke und die pink gemusterte Tasche, die das Mädchen zuletzt bei sich hatte.

Die Alibis von mehr als 250 aktenkundigen Sexualstraftätern und mehr als 50 Stunden Videoaufzeichnungen aus Bussen und Straßenbahnen werden von der Ermittlern geprüft. Taxifahrer, Mitarbeiter der Leipziger Verkehrsbetriebe und Besucher der Computerspielemesse „Games Convention“ erhielten bereits Fahndungsplakate. Bisher seien etwa 250 Hinweise von Bürgern eingegangen, hieß es. In der bislang größten Sonderkommission der sächsischen Polizei seit der Wiedervereinigung arbeiten insgesamt 177 Ermittler.

Trotzdem: Sexualmorde werden weniger

Trotz der großen öffentlichen Anteilnahme im Fall Michelle war aus Sicht des Kriminologen Christian Pfeiffer das Risiko für Kinder, Opfer eines Sexualmordes zu werden, in Deutschland noch nie so gering wie heute. „Auch wenn ein anderer Eindruck vermittelt wird - seit Jahrzehnten gehen diese Straftaten zurück“, sagte der Chef des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen in Hannover der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der Grund: „Die Polizei war noch nie so gut, die Strafverfolgung arbeitet effizient, die Therapien für verhaltensgestörte Menschen sind besser. Es gibt weniger Eltern, die Kinder misshandeln oder quälen.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen