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Kommentar : Lehren ziehen aus dem Fall Johanna

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Neue Details: Nach der Festnahme des mutmaßlichen Entführers der getöteten Johanna stellen sich Fragen zur Fahndung (Foto von 2009) Bild: Sick, Cornelia

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Entführers der getöteten Johanna Bohnacker kommen neue Details ans Licht. Die Frage muss erlaubt sein, ob die Hintergründe der Tat hinreichend ausgeleuchtet worden sind.

          Verbrechen lassen sich nicht ungeschehen machen. Manchmal aber lassen sie sich verhindern. Durch die Detailarbeit von Ermittlern und durch die Aufmerksamkeit von Zeugen. So war es glücklichen Umständen zu verdanken, dass im August vergangenen Jahres, als der mutmaßliche Mörder von Johanna Bohnacker ein 14 Jahre altes Mädchen in ein Maisfeld lockte und es dort fesselte, nicht Schlimmeres geschah. Und die anschließenden Nachforschungen ermöglichten die Aufklärung des Mordes an Johanna. In diesem Fall funktionierte der Spürsinn der Ermittler. Fünf Jahre zuvor, am 4. August 2011, dagegen offenbar nicht.

          Wie sich jetzt herausstellt, hatte sich der mutmaßliche Täter damals auf offener Straße auf eine sieben Jahre alte Schülerin gestürzt und auch dann noch an ihr gezerrt, als ihre Eltern eingriffen. Sicherlich kann es wohlfeil sein, im Nachhinein zu kritisieren, was Ermittlungsbehörden möglicherweise übersehen haben und welchen Spuren sie hätten nachgehen sollen. Heute weiß jeder, dass der psychisch angeschlagene Mann, den die Polizei kurz nach dem Vorfall festgenommen hatte, ein Mörder war, der sich aus pädophilen Motiven an Mädchen vergriff und in mindestens einem Fall auch tötete.

          Größte Sorgfalt walten lassen

          Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob damals die Hintergründe der Tat von Polizei und Staatsanwaltschaft hinreichend ausgeleuchtet worden sind. In jedem Fall sind aus dem Fall Lehren zu ziehen. Dazu gehört, bei Ermittlungen wegen Übergriffen gegenüber Kindern größte Sorgfalt walten zu lassen. Auch, wenn im Sommer 2011 aus Sicht der Ermittler nichts auf einen Entführungsversuch hindeutete, so hätte es geholfen, den Täter genauer in Augenschein zu nehmen. Angriffe auf Kinder werden in der Regel aus einer speziellen Motivation heraus begangen. Dass damals kein pädophiles Motiv vermutet wurde und es nur Ermittlungen wegen Körperverletzung gab, deutet auf eine Nachlässigkeit hin.

          Wäre man dem Täter damals schon auf die Spur gekommen, hätte man den Mord an Johanna Bohnacker zwar nicht rückgängig machen können. Aber man hätte die Tat im Maisfeld verhindert. Darüber hinaus wäre es dem Vater von Johanna möglich gewesen, den Prozess gegen den Mörder seiner Tochter miterleben zu können. Ein solches Verfahren ermöglicht es vielen Angehörigen, die Leiden an den Folgen der Tat zu lindern. So aber starb er in dem Glauben, diese Tat werde nie gesühnt.

          Quelle: F.A.Z.

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