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Lebensretter von Blacksburg Der Held von Norris Hall

17.04.2007 ·  Er stellte sich dem Amokläufer entgegen, versuchte die Tür zu einem Übungsraum zu blockieren, doch der Täter ließ ihm keine Chance, tötete ihn kaltblütig. Professor Liviu Librescu ermöglichte vielen seiner Studenten die Flucht - und bezahlte mit dem Leben.

Von Axel Wermelskirchen
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Der 20 Jahre alte Student Alec Calhoun sitzt am Montag wie gewöhnlich mit seinen Kommilitonen in einem Übungsraum im zweiten Stock der Norris Hall auf dem Gelände der Virginia Tech University. Das Seminar leitet der 75 Jahre alte israelische Professor Liviu Librescu, eine Koryphäe im Flugzeug- und Schiffsbau, bekannt bei den Fachkollegen in aller Welt, mit einer Veröffentlichungsliste von mehreren hundert Titeln, an der Virginia Tech seit Mitte der achtziger Jahre im Fachbereich für Ingenieurwissenschaften arbeitend.

Plötzlich dringen aus dem benachbarten Übungsraum donnernde Geräusche herüber, „wie von einem riesigen Hammer“, wie die Studenten später berichten sollen. Irgendwann begreifen die ersten, dass es Schüsse sind. Die Studenten suchen Schutz unter Tischen, einige treten die Fenster aus den Rahmen und springen hinab. Alec Calhoun sagt: „Als ich aus dem Fenster kletterte, sah ich noch, wie Professor Librescu die Tür zum Übungsraum zuhielt.“ Dann erscheint der Amokläufer. Librescu hat keine Chance. Er wird erschossen. Als die Tragödie von Blacksburg vorüber ist, schicken einige Studenten E-Mails an seine Ehefrau Marlena: „Er hat den Amokschützen aufgehalten, er hat uns das Leben gerettet.“

„Er wollte bis zum Ende unterrichten“

Das jüdische Paar war 1978 aus Rumänien nach Israel ausgewandert, nach einer Intervention des israelischen Ministerpräsidenten Menachem Begin. Librescu war schon in Rumänien als Wissenschaftler geschätzt, das Regime wollte ihn lange nicht ziehen lassen. 1986 kamen die Librescus in die Vereinigten Staaten. „Liviu war aus tiefstem Herzen Dozent“, sagte Marlena Librescu dem Online-Dienst NRG der israelischen Zeitung „Ma'ariv“.

Am Montagmorgen habe sie ihren Mann zur Arbeit gefahren. Später habe ihr jemand berichtet, ihr Mann sei verletzt. Darauf habe sie die Krankenhäuser der Umgebung abgefahren, ihn aber nirgends gefunden. Arieh Librescu, einer der beiden Söhne des Wissenschaftlers, sagte: „Das Leben meines Vaters war der Forschung und Lehre gewidmet. Er hat immer gesagt, er wolle bis zum Ende unterrichten und am liebsten im Seminarraum sterben.“ Librescus Sohn Joe sagte: „Er muss gemerkt haben, dass der Mörder kam. Er konnte seine Studenten retten, bevor er getötet wurde.“ Liviu Librescu soll in Israel begraben werden. Der zweite Dozent, der dem Amokläufer zum Opfer fiel, war Kevin Granata. Ishwar Puri, der Dekan des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften, sagte, Granata habe zu den fünf führenden Biowissenschaftlern der Vereinigten Staaten gehört. (wer.)

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Jahrgang 1951, Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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