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Künstlerische Freiheit : Niederlage für Birkenstock-Geschäftsführer im Streit mit Kunsthaus

  • Aktualisiert am

Wegen der einstweiligen Verfügung gegen die Verwendung des Bildes musste die Kunstausstellung vorübergehend schließen. Bild: dpa

Eine Künstlerin fotografiert eine Werbung an einem Geschäft der Sandalenfirma Birkenstock und benutzt das Bild in ihrer Ausstellung. Es zeigt die sechsjährige Tochter des Birkenstock-Geschäftsführers. Es kommt zum Rechtsstreit - nun sprach das Gericht ein Urteil.

          Der Geschäftsführer des Sandalenherstellers Birkenstock aus Neustadt/Wied, Oliver Reichert, hat einen Gerichtsstreit mit dem Kunsthaus Hamburg um ein Werbefoto seiner kleinen Tochter verloren. Die Pressekammer des Landgerichts Hamburg hob am Donnerstag im Eilverfahren eine einstweilige Verfügung auf, die es dem Kunsthaus verboten hatte, das Bild zu präsentieren. Das Kunsthaus dürfe das Bild wieder zeigen, sagte die Vorsitzende Richterin. Allerdings ist die Schau inzwischen beendet. Die Familie will gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen.

          Das Foto von Reicherts Tochter war in einer Birkenstock-Werbekampagne zu sehen. Die norwegische Künstlerin Ida Ekblad verwendete einen Ausschnitt - er zeigt ein lachendes Mädchen mit Zahnlücke - in ihrer im Februar eröffneten Ausstellung „Diary of a Madam“, verfremdete das Foto mit dem Schriftzug „Ekblad“. Die verärgerte Familie Reichert erreichte Mitte März eine richterliche Aufforderung, die Abbildung abzuhängen.

          Kunstfreiheit oder Recht am eigenen Bild?

          Weil das unmöglich war, wurde die Ausstellung in dem kleinen Kunsthaus zeitweise geschlossen. Sie konnte erst wieder öffnen, nachdem Ekblad das umstrittene Bild überklebt hatte. Das Landgericht musste nun zwischen der Kunstfreiheit und dem Recht am eigenen Bild abwägen. Auf eine Mediation konnten sich die Parteien nicht einigen.

          Gegen das Kunsthaus sprach laut Pressekammer, dass die Tochter noch minderjährig ist und die Künstlerin nur das Gesicht des Kindes aus dem Ganzkörperfoto auswählte. Doch am Ende habe ein anderes Argument schwerer gewogen: Die Tochter sei bei zwei Werbekampagnen „bereit gewesen, sich in sehr großem Maße der Öffentlichkeit zu präsentieren“, begründete die Vorsitzende Richterin das Urteil.

          Das Urteil habe einen hohen ideellen Wert, betonte die Geschäftsführerin des Kunsthauses, Katja Schroeder. „Es ist ein positives Signal für die künstlerische Freiheit.“ Die Familie hält es nach Angaben ihrer Anwälte dagegen für falsch, der Kunstfreiheit gegenüber den Rechten einer Minderjährigen den Vorrang zu gewähren. Zumal die Künstlerin offensiv mit dem abfotografierten Bildausschnitt in allen Medien werbe, hieß es.

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          Ekblad hatte das Bild für ihre Ausstellung verwendet, weil sie fand, das kleine Mädchen sehe ähnlich aus wie sie selbst als Kind. Die Eltern befürchten, die Kontrolle darüber zu verlieren, in welchem Kontext das Foto ihrer sechsjährigen Tochter gezeigt wird. Die aktuelle Entscheidung im Eilverfahren vor der Pressekammer bezog sich nur auf den Bildrechte-Streit zwischen der Familie Reichert und dem Kunsthaus.

          Eine Entscheidung in dem Verfahren, das die Künstlerin betrifft, steht noch aus. Rechtlich ungeklärt sei nach wie vor, ob Ekblad als Initiatorin von Ausstellungen in ganz Europa das Bild weiter nutzen dürfe, betonten die Anwälte der Familie Reichert.

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