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Kriminalstatistik Frankfurt bleibt Kriminalitäts-Hauptstadt

Deutschlands Kriminalitätshochburg ist und bleibt Frankfurt am Main. Allerdings vernachlässigt die aktuelle Kriminalitätsstatistik, dass durch den Rhein-Main-Flughafen Kriminalität importiert wird. Statistisch die sicherste deutsche Großstadt ist München.

© dpa Vergrößern

Frankfurt am Main bleibt das „heißeste Pflaster“ unter den Großstädten in Deutschland, München statistisch gesehen die sicherste der Metropolen. Nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa zeigt die Kriminalstatistik 2006 in den zehn bevölkerungsreichsten deutschen Städten ein recht unterschiedliches Bild.

Während die Polizei in Berlin, Hamburg, Frankfurt, Bremen, Dortmund und Essen weniger Straftaten registrierte als 2005, verzeichneten Düsseldorf, Köln, Stuttgart und München wieder mehr Delikte. Die Top-Quote bei der Zahl der aufgeklärten Delikte erzielte wie schon im Jahr 2005 Stuttgart (62,7 Prozent). Die Polizeiliche Kriminalstatistik für ganz Deutschland wird Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. Mai vorstellen.

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Vergreisung fördert die Sicherheit

„Der Gesamttrend bei der Entwicklung der Kriminalität in Deutschland bleibt positiv, im langjährigen Vergleich nimmt die Zahl der Straftaten immer mehr ab“, stellt Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, fest. Dort wird zurzeit eine Studie zur Jugendgewalt durchgeführt, bei der 50.000 Jugendliche einbezogen sind. Bei den Großstädten, die wieder mehr Straftaten verzeichneten, handele es sich bis auf Düsseldorf um Schauplätze der Fußball-WM im vergangenen Jahr. „Ansonsten steht nach wie vor der Satz: Die Vergreisung der Republik fördert die innere Sicherheit.“

Weil es immer weniger junge Menschen gebe, gingen Delikte wie Einbruch, Bankraub, Autodiebstahl oder auch Rauschgiftvergehen kontinuierlich zurück. Dagegen sei häufig eine Zunahme von Gewalttaten, besonders bei Jugendlichen, und ein Anstieg der Internetkriminalität zu verzeichnen.

So stieg in Bremen die Zahl der Raubüberfälle auf öffentlichen Straßen um 22,7 Prozent im Vergleich zu 2005. In Köln haben sich die sogenannten Straftaten gegen das Leben von 20 auf 57 Fälle fast verdreifacht. In Hamburg stiegen die Fälle gefährlicher und schwerer Körperverletzung um 4,2 Prozent (210 Fälle). Stuttgart registrierte 1,4 Prozent mehr Täter unter 21 Jahre. Berlin meldete einen Anstieg der Jugendgruppengewalt von 8,4 Prozent. Hessen beklagt, dass die Zahl von Kindern sowie Jugendlichen, die sich an Minderjährigen vergingen, zwischen 1993 und 2006 um das Fünf- beziehungsweise Dreifache gestiegen ist.

Frankfurt und Düsseldorf sind Sonderfälle

Frankfurt bleibt mit 16.378 Straftaten pro 100.000 Einwohner zwar die Kriminalitätshochburg, doch die Bankenmetropole am Main hat den Abstand auf die „Verfolger“ verkürzt. Ein Handicap für die Statistik der relativ kleinen Großstadt ist, dass auch Delikte, die auf dem größten deutschen Flughafen verübt werden, einfließen. Pfeiffer nennt das „importierte Kriminalität. Die Leute in Frankfurt sind nicht krimineller als anderswo.“

Den größten Sprung in der Rangliste der am stärksten belasteten Großstädte machte Düsseldorf - von Platz fünf auf Rang zwei. Auf 574.514 Einwohner kamen im vergangenen Jahr 87.216 Straftaten, acht Prozent mehr als 2005. Die Polizei begründet dies mit einem großen Anlagebetrugsverfahren aus den Jahren 1999 bis 2003. Allein daraus ergaben sich 6468 Fälle. Entgegen dem Trend ging in Düsseldorf der Anteil der Straftäter unter 21 Jahre um zwei Prozent zurück.

Berlin: Bessere Zahlen durch veränderte Statistik?

Der Papierform nach am sichersten leben die Menschen in München. In der bayerischen Landeshauptstadt stieg die Zahl der Delikte um 2,7 Prozent auf 111.622 an, doch mit 8861 Straftaten je 100.000 Einwohner ist München in punkto Sicherheit nach wie vor die Vorzeigemetropole, gefolgt von Stuttgart (9289) und Essen (9291).

In Berlin sank die registrierte Kriminalität im Jahr 2006 auf 496.797 Straftaten und damit auf den niedrigsten Stand seit 1990. Die Berliner Polizei ist inzwischen dazu übergegangen, anstelle der Kriminalitätshäufigkeitszahl (Straftaten pro 100.000 Einwohner) die Bevölkerungsgefährdungszahl (Zahl der Opfer pro 100.000 Einwohner) abzubilden. Bei Jugendgruppengewalttätern ermittelten die Berliner Behörden einen Anteil von 44,7 Prozent Ausländern oder Deutschen mit Migrationshintergrund (2005: 42,8 Prozent).

Weniger ausländische Tatverdächtige

Forderungen nach einem erweiterten Melderecht für die Kriminalstatistik in Bezug auf die Staatszugehörigkeit oder das Herkunftsland Tatverdächtiger unterstützt Kriminologe Pfeiffer, weil sich damit kriminologische Phänomene besser untersuchen ließen. „Es ist sinnvoll, wenn man es behutsam macht und nicht zur Stigmatisierung von Gruppen missbraucht“, betonte er aber. Der Anteil von ausländischen Tatverdächtigen sei von 27 Prozent im Jahr 1995 auf 19 Prozent im Jahr 2005 zurückgegangen.

In deutlichem Gegensatz dazu stehe die „gefühlte Kriminalität“. Aus repräsentativen Befragungen wüssten Kriminologen, dass die Menschen den Anteil ausländischer Täter auf 37 Prozent schätzten. Am krassesten sei die Kluft zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit bei Sexualmorden. „Die Zahl ist seit Jahren rückläufig, die Leute glauben jedoch, dass sie um das Sechsfache gestiegen ist.“ Ursache sei die verstärkte Präsenz solcher Verbrechen in den Medien. In den Printmedien habe die Berichterstattung in den vergangenen zehn Jahren um das Dreifache zugenommen, bei privaten Fernsehsendern um das Sechsfache.

„Beste Polizei, die wir je hatten“

Angesichts nahezu gleichbleibend hoher Aufklärungsquoten stellt Pfeiffer der Polizei ein sehr gutes Zeugnis aus. „Es ist die beste Polizei, die wir je hatten.“ Auch immer modernere Sicherungssysteme und technische Hilfsmittel sorgten für einen hohen Grad der Abschreckung. Nachholbedarf gebe es bei der Verfolgung der Internetkriminalität. Bayern sei da Vorreiter.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa

 
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