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Kriminalität Verfassungsschützer in „Döner-Morde“ verwickelt?

 ·  Ein Beamter des Hessischen Landesamtes für Verfassungsschutz ist in der bundesweiten Mordserie an neun ausländischen Kleinunternehmern unter Verdacht geraten. Aber die Polizei hat noch immer keine heiße Spur.

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Halit Yozgat ist das neunte Opfer einer Serie von Morden, die in der Presse unter dem Namen „Döner-Morde“ in Zusammenhang gebracht werden. Der 21 Jahre alte Deutsche wurde am 6. April dieses Jahres in dem von ihm betriebenen Kasseler „Tele-Internetcafe“ mit zwei Kopfschüssen getötet.

Zur Tatzeit, gegen 17 Uhr, das haben die Ermittlungen der Kasseler Staatsanwaltschaft ergeben, müssen mehrere Besucher in dem Cafe gewesen sein. Auf Presseaufrufe der Polizei hin melden sich alle bis auf einen. Der Fehlende wird ermittelt und am 21. April festgenommen. Er ist Mitarbeiter des hessischen Landesamts für Verfassungsschutz. „Da war er für uns verdächtig“, sagt der mit dem Fall betraute Kasseler Oberstaatsanwalt Hans-Manfred Jung.

Kein Haftbefehl wegen mangelnder Indizien

In der etwa 24 Stunden dauernden Vernehmung gab der Verdächtige zwar zu, am fraglichen Tag nachmittags in dem Cafe gewesen zu sein, er hob aber hervor, dieses kurz vor der Tat verlassen zu haben. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Beamten ein Buch eines Polizeiverlages - Fachliteratur über Serienmorde. Nach Angaben der „Bild“-Zeitung will ein Zeuge den Mann mit einer Tüte gesehen haben, wie sie auch in anderen Mordfällen schon verwendet worden sei. Die Schüsse seien jeweils durch eine Tüte abgegeben worden, um das Herunterfallen der Patronenhülsen zu verhindern. Dazu wollte weder der Staatsanwalt noch die „Sonderkommission Bosporus“, die mit 60 Beamten vor allem in den fünf bayerischen Mordfällen ermittelt, Angaben machen.

Der Mann, gegen den das hessische Innenministerium mittlerweile disziplinarische Maßnahmen eingeleitet hat, wurde nach der Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt - die Indizien haben für einen Haftbefehl nicht ausgereicht. Auch die danach in Gang gesetzte Überprüfung seiner „Laufwege“ - über Tankquittungen, Kreditkartenabrechnungen, Fahrtenbücher - hat bislang keine Hinweise auf eine mögliche Verbindung zu anderen Tatorten erbracht. Das Ermittlungsverfahren wird zwar einstweilen fortgesetzt. Allerdings sprach Oberstaatsanwalt Jung am Freitag von einer „geringen Verdachtsstufe“. Man müsse die Angelegenheit kühl betrachten.

Es gebe bislang keine heiße Spur in dem Fall, sagt auch der Sprecher der Polizeidirektion Mittelfranken in Nürnberg, wo bislang drei Personen getötet wurden: Enver S., Abdurrahim Özüdogru und Ismail Yasgar. Enver S. wird am 9. September in seinem Blumenstand mit acht Schüssen aus zwei Pistolen unterschiedlichen Kalibers angeschossen und stirbt zwei Tage später im Krankenhaus. Özüdogru wird am 13. Juni 2001 erschossen in seiner Änderungsschneiderei aufgefunden, Yasgar am 9. Juni 2005 in seinem Dönerstand. Ebenfalls erschossen.

Alle Opfer haben Verbindungen zur Türkei

Zeugen haben zwei Fahrradfahrer vor dem Dönerstand gesehen. Die beiden Männer, die beide dunkle Rucksäcke trugen, waren zuvor gesehen worden, wie sie einen Stadtplan studierten. Beide Männer sollen zwischen 25 und 35 Jahren alt sein, 185 bis 190 Zentimeter groß, mit dunklen kurzen Haaren und auffallend schlank. Sie sollen sich sehr ähnlich sehen. Nach der Tat wurden sie beobachtet, als sie Fahrräder und Rucksäcke in einen schwarzen Transporter luden und davonfuhren. Den Wagen hatten sie zwei Tage zuvor auf einem abgelegenen Parkplatz abgestellt. Diese Spur verfolgt die Polizei nach wie vor, wobei weiterführende Hinweise aus der Bevölkerung bislang - trotz der Veröffentlichung von Phantombildern - nicht eingingen. Immerhin glaubt die Polizei, mit den beiden zumindest für den einen Nürnberger Mordfall die tatsächlichen Täter zu verfolgen.

Die anderen Mordfälle sind geographisch nicht einzugrenzen: Hamburg, Dortmund, München, Rostock, Kassel. Ob die Täter im Fall Yasgar tatsächlich auch für die übrigen acht Morde verantwortlich sind, ist nach Ansicht der Polizei nicht sicher. Manches aber spricht dafür: Alle Opfer wurden mit der gleichen Waffe erschossen, einer Pistole der Marke „Ceska“, Kaliber 7,65, Typ 83 (in zwei Fällen wurde noch eine weitere Waffe verwendet). Alle Opfer haben Verbindungen zur Türkei: Sechs waren Türken, ein Opfer war Grieche, der nach Angaben der Nürnberger Polizei „aus dem türkisch dominierten Teil Griechenlands“ stammte. Die weiteren Opfer waren Deutsche türkischer Herkunft. Hinzu kommt, daß alle Opfer als Kleinunternehmer arbeiteten: Kioskbesitzer, Dönerbudenbetreiber, Schlüsseldienstinhaber.

Was sie darüber hinaus gemeinsam haben, trennt sie zur Zeit noch: Bei keinem der Opfer konnte bislang eine Verbindung zu anderen Getöteten hergestellt werden, bei keinem der Mordfälle ist das Motiv naheliegend, geschweige denn klar. Die Sonderkommission Bosporus hat einen Motivkatalog mit dreizehn möglichen Motiven erstellt, von Rauschgift- über Waffenhandel bis hin zu Rechtsradikalismus. Gezielter Mord ist möglich, aber auch willkürlicher. So wie vielleicht bei Yunus Turgut. Der am 3. Januar 1979 geborene Türke hielt sich illegal in Deutschland auf und war am 25. Februar erst wenige Tage in Rostock, als er in seinem Dönerstand im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel erschossen wurde.

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