In einem Indizienprozeß will die Staatsanwaltschaft vor dem Frankfurter Landgericht dem 22 Jahre alten Grafiker Jens A. den Mord an dem Unternehmersohn Andreas Sascha Grimm nachweisen. Die Verteidigung ließ am Freitag offen, ob ihr Mandant ein Geständnis ablegen werde.
Der 25 Jahre alte Grimm war am 15. Oktober vergangenen Jahres zuletzt gesehen worden, ein Leichnam ist bislang nicht gefunden. Nach den Ermittlungen hatte sich Grimm, der in Frankfurt studierte, mit dem Angeklagten für den Nachmittag verabredet, um von ihm Kokain zu erwerben.
In einer Wohnung im Frankfurter Nordend habe A. seinen Bekannten zur Rede gestellt und ihn aufgefordert, die Annäherungsversuche an seine Freundin zu unterlassen, faßte Staatsanwältin Silke Schönfleisch zu Beginn des Prozesses das Ergebnis der langwierigen kriminalistischen Arbeit zusammen.
Anklage: Niedrige Beweggründe und Heimtücke
Unvermittelt habe er die bereitgelegte Pistole genommen und Grimm in den Kopf geschossen. Die Staatsanwaltschaft sieht als Motiv Habgier des angeblich hochverschuldeten jungen Mannes an; er soll seinem Opfer 3000 Euro und eine teure Uhr abgenommen und versucht haben, dessen Wagen zu verkaufen.
Als weitere Mordmerkmale führt die Anklage niedrige Beweggründe und Heimtücke auf. Wichtige Beweisstücke sind ein in der Wohnung des Angeklagten gefundenes Messer und ein Beil, an dem sich Blutspuren Grimms nachweisen ließen. Außerdem fand die Polizei in einem Kosmetikkoffer eine Pistole, mutmaßlich die Tatwaffe.
Der Zweiundzwanzigjährige äußerte sich zu Beginn des auf mehrere Monate terminierten Prozesses, in dem etwa hundert Zeugen geladen sind, zunächst nicht. Bei der Polizei hatte er nach seiner Festnahme von zwei Unbekannten berichtet, die Grimm während eines Streits in seiner Wohnung erschossen und ihn genötigt hätten, den Toten zu beseitigen. Seine Hinweise, wo der Tote zu finden sei, waren jedoch offenbar falsch. Die Durchsuchung eines Waldstücks in der Nähe von Montabaur war im vergangenen Herbst ohne Erfolg geblieben.