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Kriegsgräberfürsorge : Die Toten auf die Erde holen

  • -Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET - Andreas Brand

Zwölftausend deutsche Kriegstote liegen allein in Brandenburg ungeborgen in der Erde. Nach ihren sterblichen Überresten sucht die Kriegsgräberfürsorge. Auf ihre Habe sind Leichenfledderer aus.

          Joachim Kozlowski steht am Rand eines Roggenfelds. Vor ihm liegt ein Stapel Knochen im Staub. Ganz unten liegen die Rippen, auf ihnen die Ellen, es folgen die Speichen, dann die Hüften. Neben dem Stapel liegt der Schädel und blickt Kozlowski leer an. „Normalerweise gehen die illegalen Sucher nicht so ordentlich vor“, sagt Kozlowski, kniet sich hin und baut das Türmchen menschlicher Gebeine Stück für Stück ab.

          Hier in der Gegend von Lebus, am südlichen Zipfel des Oderbruchs, liegen noch viele Skelette in der Erde. Als die 1. Weißrussische Front im April 1945 die Seelower Höhen nahm und eine Million Rotarmisten die hunderttausend deutschen Reichssoldaten besiegten, blieb keine Zeit, die toten Kameraden zu bestatten. Die Schlacht um Berlin stand bevor. Was die Regierung der DDR dann bis 1989 unterließ, holt Joachim Kozlowski jetzt nach. Er arbeitet als Umbetter für den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Der Verein schätzt die Zahl der deutschen Kriegstoten allein in Brandenburg auf 12.000. In keinem anderen Bundesland seien mehr Soldaten verschollen.

          Die illegalen Sucher aber, die mit ihren Metalldetektoren über die Schlachtfelder ziehen, machen Kozlowski die Arbeit schwer. Sie nehmen den Gefallenen alles, auch die Erkennungsmarke – und damit ihre Identität. Dem Toten am Roggenfeld ließen sie nur seine zerfledderten Lederschuhe und einen schwarz angelaufen Esslöffel. „Jetzt muss er als Unbekannter in die Erde“, sagt Kozlowski und fragt: „Wie kann man nur so pietätlos sein?“

          Das Suchen mit Sonden und anderem technischen Gerät ist in allen Bundesländern ohne Genehmigung der Denkmalschutzämter verboten. Wer auf Schlachtfeldern buddelt, bricht zudem die Totenruhe. Und wer dann dort auch noch Waffen und Munition einsammelt, verletzt das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz. Gegen den Vorwurf, diese Gesetze gebrochen zu haben, müssen sich zurzeit wieder einige Männer verantworten, die Ermittler des Landeskriminalamts Brandenburg in den Jahren 2008 und 2009 festnahmen. Bei der ersten Durchsuchung am 28. Februar 2008 stellten die Ermittler Stahlhelme sicher und Feldpostkarten, sieben Karabiner, Erkennungsmarken, zwei Suchsonden, ein Maschinengewehr und zwei Kilogramm Sprengstoff. Bei der zweiten im Juli 2009 fanden sie 700 Gewehrpatronen, Wurfgranaten und mehr als 16 Kilogramm TNT.

          „Was wollen die damit?“, fragt sich Joachim Kozlowski, der mittlerweile die Knochen des Unbekannten mit einem Zollstock vermisst. Folgt man dem Verdacht des Landeskriminalamts, ging es den mutmaßlichen Tätern um Geld. Die Marktpreise für Sprengstoff lassen sich nur schwer schätzen. Doch ein angeblich originaler, schussunfähig gemachter Wehrmachtskarabiner, Modell k98, wird im Internet für 259 Euro angeboten. Die Preisspanne für Dolche der SS reicht, je nach Typ und Zustand, von 800 bis 6000 Euro. Originale, unversehrte Uniformen können mehrere Tausender Euro bringen. Für Erkennungsmarken bekommt man 50 bis 150 Euro. Die Frage aber ist, ob tatsächlich allein das Geld die Sondengänger antreibt.

          „Man wird immer gleich als Nazi verpönt“

          „Snek“ und „eurone“ nennen sich zwei Sucher, die zur festen Community des Militaria-Fundforums gehören, einem der größten Internetforen für Sondengänger im deutschsprachigen Raum. Die beiden, die anonym bleiben wollen, äußern sich zu Fragen über ihre Beweggründe nicht. Am 28. Mai beschreibt „eurone“ in dem Forum aber, wie er und „Snek“ einen verkrusten Dolch in einer Scheide, vermutlich einen von der SS, mit einer Magnet-Angel aus einem Teich fischten : „Ca 2Stunden hatten wir schon gsucht und hatten die Hoffnung schon aufgegeben was zu finden. Dann ein Aufschrei von Snek. Ich guckte was ist los. Guck Dir das an wie geil ist das denn. Ich nur noch :-) :-) :-) :-). Jetzt keine Worte mehr. Gruss eurone.“ Einen Tag später lädt „eurone“ die Fotos ihres Fangs hoch. Das einzige, was „eurone“ auf Nachfrage per E-Mail antwortet, ist: „Das mit Militaria sammeln, ist ja in der Öffentlichkeit immer so eine Sache. Man wird ja immer gleich als Nazi verpönt. Die Sachen die gefunden werden, haben alle eine Geschichte, sowie Archäologen ihre Funde wahren. Ist im Endeffekt das gleiche.“

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