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Köln plant die Silvesternacht : Vom Angst-Raum zum Licht-Traum

Sichere Silvesternacht: Köln wappnet sich mit Polizeipräsenz und Projektoren für den Jahreswechsel. Bild: dpa

Um abermalige Exzesse zu verhindern, plant die Stadt Köln an Silvester neben verstärkter Polizeipräsenz auch künstlerisch Akzente zu setzen. Eine Multimedia-Installation soll positive Bilder in die Welt senden. Das ist nicht unumstritten.

          Köln wird an Silvester im Mittelpunkt des medialen Interesses stehen. Aus vieler Herren Ländern haben sich mittlerweile Journalisten bei der Stadtverwaltung angemeldet, die am Jahrestag der Silvester-Exzesse aus Köln berichten wollen. Nun hat die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker verraten, wie Köln dieses Mal positive Bilder in die Welt schickten will – mit Hilfe einer Multimedia-Installation mit dem sperrigen Namen „Time Drifts Cologne“.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Doch der Reihe nach. An Silvester 2015 war ein Mob junger Migranten, die vorwiegend aus Nordafrika stammten, im Schatten des Doms vollkommen außer Rand und Band geraten. Über Stunden hinweg kam es in diesem scheinbar rechtsfreien Raum zu Diebstählen und sexuellen Übergriffen auf Hunderte Frauen.

          Umstrittene Schutzzonen

          Damit sich solche Szenen am 31. Dezember nicht wiederholen, werden in Köln mehr als 1500 Polizisten und Ordnungskräfte im Einsatz sein. Rund um den Dom gibt es eine mit hüfthohen Absperrgittern gesicherte „Schutzzone Dom“, in die nur eingelassen wird, wer weder Böller noch Raketen bei sich führt. Denn mit Feuerwerkskörpern hatte das Unheil an Silvester 2015 seinen Lauf genommen. Schon am frühen Abend wurde der Dom verbotenerweise beschossen. Dass die Polizei dagegen nicht einschritt, war für den Mob wie ein Startsignal.

          Dass es eine Schutzzone um den Dom geben muss, ist in Köln nicht umstritten. Früh allerdings wurden Befürchtungen laut, durch eine solche Zone rund um die am meisten besuchte Sehenswürdigkeit Deutschlands könnte „ein klinisch reiner Raum, eine Art Hochsicherheitstrakt“ entstehen, wie es die SPD formulierte. Die größte Oppositionspartei drang früh darauf, den Raum zu füllen. „Oder sollen die Medien aus aller Welt an Silvester über gähnende Leere rund um den Dom berichten?“, fragte der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Börschel und schlug eine künstlerisch anspruchsvolle Beleuchtung vor. Der Kölner Schauspiel-Chef plädierte dafür, ein Orchester und einen Chor auf der Treppe am Bahnhofsplatz auftreten zu lassen. Die Opern-Intendantin schlug allen Ernstes vor, die Absperrgitter dazu zu nutzen, Männern den Zutritt zu verwehren und die Domplatte mit Musikerinnen, Komponistinnen und Autorinnen zu einer „Bühne für starke Frauen“ zu machen. Eine ganze Weile drehte sich die Diskussion im Kreis. Dann schien die Sache – wie so häufig in Köln – im Sand zu verlaufen.

          Am Sonntagabend meldete sich dann überraschend Oberbürgermeisterin Henriette Reker zu Wort und teilte mit, dass die Sicherheitszone mit Hilfe einer Multimedia-Projektion des Lichtkünstlers Philipp Geist belebt werden soll. Köln soll mit Hilfe von „Time Drifts Cologne“ so ins Bild gesetzt werden, wie sich die Stadt selbst verstehe, verspricht Reker: „als traditionsreiche Kulturmetropole, lebendig, vielfältig, modern und dabei vor allem sicher und zivilisiert“. Der Berliner Lichtkünstler will die Umgebung des Doms mit den Projektionen von Begriffen, Zeichen, Farben und Formen auf den Platzflächen in einen „Licht-Traum-Raum“ umwandeln. Die Besucher der Sicherheitszone sollen sich in Philipp Geists Bildstrom hineinbegeben und „selbst Teil des faszinierenden Lichtraums werden“, schwärmt die sonst so sachlich-nüchterne Oberbürgermeisterin. Der Künstler erläutert, dass „der scheinbar festgefügte Boden rund um den Dom“ ganz sachte zu driften beginnen werde. „Körperlich wird erfahrbar, dass wir alle mit unseren Wünschen und Hoffnungen, Erwartungen und Zielen am Lauf der Dinge teilnehmen.“

          Die Polizei findet die Idee gut und will mit ihren vielen Beamten dafür sorgen, dass der „Licht-Raum-Traum“ mit dem „Gefühl einer ausreichenden Sicherheit erlebt werden kann“. Die Stadtverwaltung wiederum will auf der weitläufigen Fläche mobile Lichtmasten so plazieren, „dass im Bedarfsfall tageshelles Licht das Träumen unterbricht“. Sicher ist sicher.

          Quelle: F.A.Z.

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