18.12.2006 · Bremens Justizstaatsrat Mäurer hat als erster Zeuge vor dem Untersuchungsausschuß zum „Fall Kevin“ ausgesagt. Die „massiven Formen der Kindesmißhandlung“ so lange übersehen zu haben, nennt er ein „unverzeihliches Versagen“.
Bremens Justizstaatsrat Ulrich Mäurer hat vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß zum „Fall Kevin“ ausgesagt, die Situation beim Tod des Kindes sei „völlig außer Kontrolle“ geraten; das Jugendamt habe „offensichtlich überhaupt nicht reagiert“.
Mäurer war am Montag der erste von 24 Zeugen, die in den kommenden drei Tagen vernommen werden, um individuellem Verschulden, behördlichem Versagen und Strukturmängeln nachzuspüren, die zum gewaltsamen Tod des zweieinhalb Jahre alten Kevin geführt haben.
Schon 2004 mit Knochenbrüchen im Krankenhaus
Sein Tod hatte in Deutschland eine Debatte über eine bessere Begleitung und Fürsorge von Kleinkindern ausgelöst. An jedem zweiten Tag stirbt in Deutschland ein Kind als Folge von Gewalt oder Vernachlässigung. Kevin war am 10. Oktober im Kühlschrank seines Ziehvaters im Bremer Stadtteil Gröpelingen gefunden worden; es sei, so Mäurer, „sehr unwahrscheinlich“, daß Kevin Anfang Juli noch gelebt habe.
Sein inhaftierter Ziehvater wie auch seine Ende vergangenen Jahres verstorbene Mutter waren rauschgiftsüchtig. Es habe, so der Staatsrat, „massive Formen von Kindesmißhandlung“ gegeben, die sichtbar gewesen seien, etwa als er im August 2004 mit zahlreichen Knochenbrüchen in eine Klinik eingeliefert wurde.
Zahlreiche Lücken und Unklarheiten in den Akten
Mäurer hatte im Auftrag des Bremer Senats den Todesfall untersucht und dabei „schreckliches, unverzeihliches Versagen des Staates“ festgestellt. Der Tod führte zum Rücktritt der Sozialsenatorin Röpke (SPD) und zu strafrechtlichen Ermittlungen gegen zwei Mitarbeiter des Jugendamtes. In den Akten gebe es, so Mäurer, zahlreiche Lücken und Unklarheiten, die der Untersuchungsausschuß mit Befragungen von Sozialarbeitern, Polizisten, Ärzten und Bewährungshelfern aufzuklären hofft.
Der 20. Untersuchungsausschuß der bremischen Nachkriegsgeschichte mit dem Titel „Aufklärung und Vernachlässigung der Amtsvormundschaft und Kindeswohlsicherung durch das Amt für Soziale Dienste“ will seinen Bericht spätestens im April vorlegen, bevor am 13. Mai die Bürgerschaft neu gewählt wird.
Versagen: Menschen sind fehlbar
Stefan Sedlaczek (sedlaczek1)
- 19.12.2006, 01:03 Uhr
Kevin
Frank Geiser (geiser123)
- 19.12.2006, 04:35 Uhr
Wieder ein Untersuchungsausschuß...wieder keine ECHTEN Konsequenzen?
Christian Ermecke (ChristianErmecke)
- 19.12.2006, 22:12 Uhr