27.02.2008 · Wann immer Polizeihunde das Gelände des früheren Heims Haute de la Garenne auf Jersey absuchen, schlagen sie „sehr stark an“. Wie viele Kinderleichen dort zu finden sind, wagt niemand zu sagen. Mehr als 150 Missbrauchsopfer haben schon gemeldet.
Ein Skandal um mögliche Misshandlungen in einem Kinderheim auf der britischen Kanalinsel Jersey schockiert derzeit Großbritannien. Nach schier unerträglichen Berichten von Betroffenen haben Spürhunde am Mittwoch bei der Suche nach weiteren Kinderleichen angeschlagen. Die Reaktion der Polizeihunde sei „sehr stark gewesen“, sagte der stellvertretende Polizeichef von Jersey, Lenny Harper. „Wir müssen damit rechnen, weitere sterbliche Überreste mutmaßlicher Opfer von Kindesmissbrauch zu entdecken.“
Die Polizei rechnet inzwischen damit, dass mehr als 160 Menschen als Kinder Opfer der Gewalt wurden. Zudem sei ein weiterer zugemauerter Kellerraum des ehemaligen Kinderheims „Haut de la Garenne“ in der Ortschaft St. Martin entdeckt worden. Dieser soll nun untersucht werden.
Vergewaltigungen an der Tagesordnung
In einem ähnlichen Kellerraum hatte die Polizei am vergangenen Wochenende ein Kinderskelett gefunden. Derzeit gehen die Ermittler Hinweisen auf sechs mutmaßliche Kindermorde und auf zahlreiche Sexualverbrechen hauptsächlich aus den siebziger und achtziger Jahren nach. Zahlreiche Betroffene berichteten erst jetzt, nach jahrelangem Schweigen und teils unter Tränen, in dem Heim gequält und vergewaltigt worden zu sein. Sie melden sich aus Großbritannien und Frankreich, aber auch aus entfernten Ecken der Welt. Unterdessen riefen Abgeordnete in London die britische Regierung auf, eine unabhängige Untersuchung zu den Vorfällen einzuleiten. Sie vermuten Vertuschung durch die Behörden der Kanalinsel.
Die Zustände in „Haut de la Garenne“ müssen beispiellos gewesen sein. Systematisch seien ältere Kinder von Angestellten angestachelt worden, Jüngere anzugreifen und zu vergewaltigen, berichtete der heute 59 Jahre alte Peter Hannaford. Er selbst sei als Heimkind mit zwölf Jahren „fast jede Nacht“ Opfer solcher Gewalttaten geworden. Andere Zeugen berichteten, wie sich Heimmitarbeiter bei Partys betranken und dann Kinder missbrauchten. „Vergewaltigungen von Mädchen ebenso wie Jungen in allen Altersgruppen waren an der Tagesordnung“, sagte eine 49 Jahre alte ehemalige Heimbewohnerin aus.
Die Schwächsten mussten besonders leiden
Gerade weil sie „zu den schwächsten Kindern“ gehörte, musste sie in dem Heim zwischen 1973 und 1975 wieder und wieder Vergewaltigungen über sich ergehen lassen, wie die Mutter zweier Kinder berichtete. Angestellte hätten sich regelmäßig zu Sex- und Saufgelagen getroffen. „Es wurden Jungen und Mädchen gleichermaßen vergewaltigt, in allen Altersgruppen.“
Eine andere Frau schilderte nach Angaben der Londoner Zeitung „Daily Mail“, wie Erwachsene, die für den Schutz der Heiminsassen sorgen sollten, mit ihnen „Flipperball“ spielten: Dabei seien Kinder so herumgewirbelt worden, dass sie an Möbel und Wände prallten. Für „Vergehen“ sollen Mädchen und Jungen in eine Zelle von nur drei Mal vier Meter gesperrt, „sadistisch“ gefoltert und oft zugleich sexuell missbraucht worden sein. Wenn die ganze Wahrheit ans Licht kommt, schrieb die „Daily Mail“, könnte das Königreich mit „dem weitaus schlimmsten Missbrauchsskandal auf britischem Boden“ konfrontiert sein. Auspeitschungen seien an der Tagesordnung gewesen, schilderten weitere Zeugen.
Missbrauch auch in anderen Heimen?
Insgesamt hätten sich inzwischen mehr als 150 mutmaßliche Opfer und Zeugen von Vergewaltigungen gemeldet, die bis Anfang der sechziger Jahre zurückreichen sollen, hieß es bei der Polizei. „Dies sind sehr, sehr traumatische Vorfälle. Viele Menschen, die uns in den letzten Tagen kontaktiert haben, wollten dies vorher nicht tun, weil sie Angst vor ihren Erinnerungen hatten“, sagte Harper. Mehrere ehemalige Heimangestellte waren in den letzten Tagen festgenommen worden und sollten weiter befragt werden. Harper betonte, die Polizei gehe nicht davon aus, dass es sich um einen „organisierten Ring“ von Kinderschändern gehandelt habe.
Mutmaßliche Missbrauchopfer berichteten auch von gewalttätigen Übergriffen auf Kinder in einem anderen Heim auf Jersey. In „Les Chennes“ seien Minderjährige sadistisch gequält worden, erklärte eine 38 Jahre alte Frau, die vom 13. bis zum 16. Lebensjahr in der Einrichtung lebte. Die Polizei in der südenglischen Grafschaft Hampshire teilte mit, dass sie neue Hinweise auf sexuelle Gewalttaten in einem Heim in der Hafenstadt Portsmouth erhalten und deshalb eine ältere Untersuchung wieder aufgenommen habe. Diese Ermittlungen waren 1996 eingestellt worden, nachdem die 17 des Missbrauchs beschuldigten Mitarbeiter des Heims gestorben waren.
Warum...?
David Wassermann (Trident84)
- 27.02.2008, 21:31 Uhr
Wo immer Sadismus Gelegenheit hat..
Hans Werner Danuser (LoginName83)
- 27.02.2008, 22:42 Uhr
Kollektiverziehung
Stefan Sedlaczek (sedlaczek1)
- 28.02.2008, 10:41 Uhr
@Herrn Danuser
Immo Sennewald (immediator)
- 28.02.2008, 12:45 Uhr