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Kinderschänderprozess in Bangkok Kanadier beteuert Unschuld

02.06.2008 ·  Er dachte, er hätte die perfekte Tarnung. Aber dann „entstrudelte“ Interpol das Foto, das er von sich ins Internet gestellt hatte. Nun steht der mutmaßliche Kinderschänder Christopher N. in Bangkok vor Gericht und leugnet seine Taten.

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Ein kanadischer Lehrer, der auf 200 Fotos im Internet als Kinderschänder zu sehen war, hat beim Prozessauftakt in Bangkok (Thailand) am Montag alle Vorwürfe abgestritten. Der 33-jährige Christoper N., der sich in einschlägigen Internetforen „Vico“ nannte, ist wegen Entführung, Kinderschändung und Kinderpornografie angeklagt. Er hatte sein Gesicht auf den Fotos digital unkenntlich gemacht, doch gelang es deutschen Fahndern, die Fotos zu entzerren.

Eine einzigartige weltweite Interpol-Fahndung führte vor sieben Monaten zum Erfolg: Der Mann wurde in Thailand festgenommen. Der Prozess wurde am Montag auf Oktober vertagt. Dann sollen Zeugen aussagen. Mit einem Urteil wird erst nächstes Jahr gerechnet. Dem 33- jährigen drohen 20 Jahre Haft.

Entspannt und lächelnd

„Ich weise alle Vorwürfe zurück“, sagte der unscheinbare Mann. Er gab sich vor Gericht entspannt und lächelnd. Sein Kopf war kahlgeschoren und er trug eine orangefarbene Gefängnisuniform. Bei dem Prozess in Bangkok geht es um den sexuellen Missbrauch eines neunjährigen Jungen. Er hatte sich an die Polizei gewandt, nachdem er das Foto des Angeklagten im Fernsehen gesehen hatte. Der Junge hat ausgesagt, V. habe ihm im Jahr 2003 zwischen zehn und 20 Dollar für sexuelle Handlungen bezahlt. Die Staatsanwaltschaft will den heute 14-Jährigen im Oktober in den Zeugenstand rufen. Im Falle eines Schuldspruchs drohen N. bis zu 20 Jahre Haft. Der Vater des Jungen verlangte umgerechnet 6000 Euro Wiedergutmachung. Auf die Frage des Richters, ob er dies bezahlen könnte, sagte der Angeklagte: „Ich habe kein Geld, keinen Job und finanzielle Probleme.“ Ihm stand ein Pflichtverteidiger zur Seite.

Video: In Fußfesseln vor Gericht

Der frühere Priesteranwärter hatte seit Jahren in Kambodscha, Vietnam, Thailand und zuletzt Südkorea gelebt. „Ich heize seit fünf Jahren durch Südostasien und unterrichte meistens oder mache anderen Unfug“, schrieb er auf seiner „MySpace“-Internetseite. Frühere Kollegen bezeichneten ihn als unscheinbar und fleißig. Im Internet trat er jedoch anders auf. Auf Webseiten gab er Rat, wie verräterische Dateien vom Computer gelöscht werden können und wie man bei Bewerbungen um Lehrerposten unangenehme Charakterprüfungen umgehen kann. Einige seiner Opfer sollen erst sechs Jahre alt gewesen sein.

Bekannte identifizierten ihn

Deutsche Fahnder hatten ihn seit 2004 im Visier. Sie gingen zunächst davon aus, dass es sich um einen Deutschen handele. Immer wieder stießen sie auf abstoßende Fotos, auf denen der Mann, dessen Gesicht wie mit einem Wirbel tausendfach gedreht und unkenntlich gemacht war, sich an Kindern verging. Sie konnten schließlich daraus ein fast klares Bild des Täters rekonstruieren. Kaum war die Fahndung weltweit eröffnet, identifizierten Bekannte ihn, und wenig später wurde er in Thailand festgenommen.

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