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Kenia Dutzende Polizisten getötet

 ·  Kenianische Viehdiebe haben im Norden des Landes Polizisten in einen Hinterhalt gelockt und mehr als 40 von ihnen ermordet. Auslöser ist ein langer Streit zwischen zwei Ethnien, der sich nun auf die Präsidentenwahl ausweiten könnte.

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© dpa Vergrößern Der Angriff der kenianischen Viehdiebe war wohl der brutalste Anschlag auf Polizisten in der Geschichte Kenias.

Es ist der schlimmste Überfall auf Sicherheitskräfte seit der Unabhängigkeit Kenias von Großbritannien im Jahr 1964: Mehr als 40 Polizisten sind am vergangenen Wochenende im Norden des Landes mutmaßlich von Viehdieben in einen Hinterhalt gelockt und ermordet worden. Die Zahl der Opfer wird vermutlich noch steigen. Nach wie vor suchen Sicherheitskräfte in der entlegenen Gegend von Baragoi im Samburu County nach weiteren Opfern.

„Das ist bei weitem der brutalste Angriff auf Polizisten in der Geschichte unseres Landes“, sagte der Sprecher der kenianischen Polizei, Eric Kiraithe. Dabei hatte der Einsatz vom Wochenende zunächst nach Routine ausgesehen. Der Ethnie der Samburu in Baragoi war wieder einmal Vieh gestohlen worden, und zwar von der rivalisierenden Ethnie der Turkana. Das ist Alltag in der Halbwüste am Südrand des Turkana-Sees. Mal sind es die Turkana, die sich bei den Samburus bedienen, mal umgekehrt. Die beiden nomadisierenden Ethnien kämpfen seit Urzeiten um Weiderechte für ihre Viehherden und um Zugang zu Wasser.

Angriff mit militärischer Präzision

Jedes Jahr sind dabei Dutzende Todesopfer zu beklagen. In den beiden vergangenen Jahren hat sich der Konflikt allerdings durch die anhaltende Trockenheit im Norden Kenias verschärft, und jede der beiden Ethnien meint, ihre verdursteten Tiere durch den Diebstahl von anderem Vieh ersetzen zu müssen. Insofern war der Diebstahl in der vergangenen Woche nichts Neues. Ungewöhnlich allerdings war die Brutalität, mit der die Diebe vorgingen: 13 Samburu wurden bei dem Versuch, ihr Hab und Gut zu verteidigen, erschossen.

Die Polizei hatte offenbar recht schnell entdeckt, wo die Turkana die gestohlenen Rinder versteckt hielten, ein enges Tal nahe Baragoi. Als sich in der Nacht zum Sonntag dann eine Hundertschaft dem Tal näherte, geriet sie in einen offenbar von langer Hand geplanten Hinterhalt. „Das war ein mit militärischer Präzision vorgetragener Angriff“, beschreibt der Provinzgouverneur von Rift Valley, Osman Warfa, das Gemetzel. Die Viehdiebe nahmen die Polizisten mit schweren Maschinengewehren und Granatwerfern unter Beschuss, sogar von taktisch klug gelegten Anti-Personen-Minen ist die Rede.

Angst vor unfriedlicher Präsidentenwahl

Zwar ist der Norden Kenias wegen seiner Nähe zu Somalia, Südsudan und den Unruheprovinzen Äthiopiens seit jeher ein Waffenbasar, wo selbst Viehhirten Schnellfeuergewehre tragen. Die Region gilt unter Kenianern als „Banditenland“, was auch damit zusammenhängen mag, dass es in der Gegend für gewöhnlich so gut wie keine Polizei gibt. Ein Vorfall wie am Wochenende ist jedoch etwas gänzlich Neues. In der Hauptstadt Nairobi spekulierte die Polizei am Dienstag, bei den Viehdieben könnte es sich um ehemalige Soldaten handeln, die sich als Söldner für die Nomaden verdingen.

Der kenianische Minister für innere Sicherheit, Katoo ole Metito, versprach, die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Woraufhin einige Stammesälteste sowohl der Turkana als auch der Samburu die Befürchtung äußerten, die Polizei werde sich an den Ethnien rächen. Zu einem ungünstigeren Zeitpunkt jedenfalls hätte der Überfall nicht stattfinden können: Im März wählt Kenia einen neuen Präsidenten, und diese Wahl könnte abermals unfriedlich enden. Bei den Wahlen 2007 waren 1200 Menschen getötet und 300.000 vertrieben worden, weil skrupellose Politiker die ethnischen Rivalitäten für ihre Zwecke missbrauchten.

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