Der Prozess gegen Jörg Kachelmann ist am Mittwoch mit der Vernehmung einer Gynäkologin fortgesetzt worden, die das mutmaßliche Opfer untersucht hatte. Die 37 Jahre alte Radiomoderatorin wirft dem 52 Jahre alten früheren Fernsehmoderator vor, sie Anfang Februar in ihrer Schwetzinger Wohnung mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Davon geht auch die Anklage aus, die Verteidigung spricht von einer Falschbezichtigung.
Wie die Gynäkologin der Heidelberger Frauenklinik sagte, habe die Patientin am Morgen nach der mutmaßlichen Tat beginnende Hämatome an beiden Oberschenkeln gehabt. Ähnliche Verletzungen, so berichtete die Ärztin, habe sie auch schon bei einem anderen Vergewaltigungsopfer gesehen. Außerdem sei eine Verletzung am Hals - „vergleichbar mit einer Kratzspur“ - erkennbar gewesen.
Streit über Rolle der Medien
Die Patientin sei „sehr ruhig und gefasst gewesen“. Sie habe weder den Namen des mutmaßlichen Täters noch Genaueres zum möglichen Tathergang berichtet. Die Patientin habe lediglich gesagt, dass es am Abend Streit mit ihrem Freund gegeben habe und er sie gegen 2 Uhr vergewaltigt und mit einem Messer bedroht habe. Bei den Untersuchungen des Unterleibs seien ihr keine Verletzungen aufgefallen, sagte die Ärztin vor dem Mannheimer Landgericht.
Befragt werden sollte am Mittwoch auch eine Freundin jener Försterin, die einst eine Geliebte Kachelmanns war und am Montag ausgesagt hatte. Das Gericht erhofft sich von der Vernehmung Aufschlüsse über die Glaubhaftigkeit der Aussage der Försterin, die über einen Anruf Kachelmanns am Tag nach der mutmaßlichen Tat berichtet haben soll; möglicherweise war sie die letzte, die vor Kachelmanns Abflug nach Kanada, wo er bei den Olympischen Winterspielen als Wettermoderator tätig war, mit ihm sprach.
Zudem wurde am Mittwoch wieder einmal über die Rolle der Medien in dem Prozess gestritten. Anlass war nun ein Exklusivvertrag, den die Försterin vor ihrer Vernehmung mit der Zeitschrift „Bunte“ abgeschlossen hatte, wie die Zeugin am Montag zugegeben hatte. Dies sei eine „Unverschämtheit und Missachtung des Gerichts“, sagte einer der Verteidiger Kachelmanns. Der Staatsanwalt kritisierte daraufhin seinerseits die Pressearbeit der Verteidigung; ein „medialer Berater“ Kachelmanns habe ihm schon vor Anklageerhebung mitgeteilt, dass die Verteidigung im Falle einer Anklage an die Presse gehen werde. „Er hat auch gesagt, dass das zum Teil auf dem Rücken der Nebenklägerin erfolgen werde.“
Gutachterin oder Richterin?
Richard Löwe (RichardL)
- 10.11.2010, 15:49 Uhr
@Herr Löwe
Moritz Mantei (moritzmantei)
- 10.11.2010, 21:40 Uhr
Die Rolle der Försterin
Rita-Eva Neeser (Rita-Eva)
- 11.11.2010, 00:53 Uhr
@Moritz Mantei (moritzmantei)
Martin Krancher (crunchie)
- 11.11.2010, 09:25 Uhr
Was geht uns das an?
Hartmut Albrecht (Drahtfuchs)
- 11.11.2010, 12:04 Uhr