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Jessica-Prozeß Mediziner schildert Jessicas Leiden

13.09.2005 ·  Der Rechtsmediziner vom Universitätskrankenhaus in Hamburg spricht im Prozeß gegen die Eltern der verhungerten Jessica von einem „einmaligen Fall“. Das siebenjährige Mädchen starb nach langen Qualen.

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Im Hamburger Prozeß gegen die Eltern der verhungerten Jessica hat am Dienstag der Rechtsmediziner Michael Tsokos vom Universitätskrankenhaus ausgesagt. Jessica sei in der Nacht zum 1. März gestorben, vermutlich gegen 2 Uhr. Todesursache war das Einatmen von Erbrochenem. Die Tote habe keine Spuren von Gewalteinwirkung gezeigt.

Alles habe aber auf eine jahrelange Mangel- und Unterernährung gedeutet. Tsokos sprach von einem "massiv ausgezehrten Kind". Er setzte hinzu, dieser Fall sei einmalig. Man müsse schon in die Zeit des Warschauer Gettos zurückgehen, um einen vergleichbaren Fall von Unterernährung bei einer Siebenjährigen zu finden.

Furchtbare Schmerzen durch Krämpfe

Jessica sei nur 105 Zentimeter groß gewesen und habe 9,6 Kilogramm gewogen. Normal entwickelte Kinder sind in diesem Alter bis zu 133 Zentimeter groß und wiegen mindestens 17 Kilogramm. Das Gewicht der Kotsteine, die in ihrem Darm gefunden wurden, habe bei 870 Gramm gelegen. Einer habe einen Durchmesser von 4,8 Zentimetern gehabt und den After verschlossen.

Das Kind müsse furchtbare krampfartige Schmerzen gelitten haben. Hungerödeme hätten sich gefunden und Knochenfraß, weil dem Körper Mineralien fehlten. Jessica habe das Skelett einer Dreijährigen gehabt. Vermutlich seit Monaten sei das Kind nicht mehr gelaufen. Die Beinknochen seien so angegriffen gewesen, daß sie bei einem Gehversuch unweigerlich gebrochen wären.

Quelle: F.P. / F.A.Z., 14.09.2005, Nr. 214 / Seite 11
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