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Jahrestag in Berlin : Opfer des Tunnelraubs demonstrieren vor Bank

  • Aktualisiert am

Die Schließfächer drei Tage nach dem Einbruch Bild: dpa

Vor einem Jahr gruben sich Diebe durch einen 45 Meter langen Tunnel in den Tresorraum einer Bank in Berlin-Steglitz. Bis heute fehlt von den Tätern jede Spur. Schließfachbesitzer demonstrieren nun für Entschädigung.

          Geschädigte des spektakulären Tunnelraubs in Berlin haben am Dienstag vor der Bank demonstriert. Rund 50 Menschen forderten eine lückenlose Aufklärung des Überfalls und eine Entschädigung vom Geldinstitut. Vor einem Jahr hatten mehrere Täter ein Loch durch die Außenwand des Tresorraums der Volksbank-Filiale in Berlin-Steglitz gebohrt. Zuvor hatten sie einen Tunnel zu dem Tresorraum gegraben.

          Bei dem Diebstahl wurde der Inhalt von etwa 300 Schließfächern gestohlen. Der Wert der Beute soll laut Polizei bei rund zehn Millionen Euro liegen. Ein Teil der Beute ist verschwunden, andere Tresorinhalte konnte die Bank nicht zuordnen. Knapp 60 Prozent der 294 bestohlenen Schließfachbesitzer stehen noch mit weitgehend leeren Händen da.

          Am 14. Januar 2013 wurde der Coup in Hollywood-Manier entdeckt. Die Bankräuber hatten sich von einer Tiefgarage durch einen 45 Meter langen Tunnel in den Tresorraum der Bank gegraben und rund 300 Schließfächer geplündert. Die Polizei gab den Wert der Beute mit rund zehn Millionen Euro an.

          Geschädigte Kunden demonstrieren vor der Berliner Volksbank in Steglitz.

          Bargeld, Goldbarren, Goldmünzen und Schmuckstücke hatten die Tunnelräuber eingesackt. Doch ließen sie auch ganze Geldbündel und Wertsachen zurück und legten ein Feuer. 1480 der 3229 Fundstücke konnte die Bank bis heute nicht eindeutig einem Besitzer zuordnen. Doch eine komplette Entschädigung der Opfer lehnt sie ab.

          „Dafür gibt es keine Grundlage, so hart das klingen mag“, sagt Bank-Sprecherin Nancy Mönch. Nur wer sein Schließfach versichert habe, sei voll entschädigt worden. Das waren nur 57 der 294 betroffenen Schließfachbesitzer, die 1,8 Millionen Euro vom Versicherer der Bank erstattet bekamen. Zehn Prozent der Geschädigten hatten nach Angaben von Mönch Glück und erhielten den gesamten Inhalt ihres Schließfaches zurück. Weitere zehn Prozent hatten zum Zeitpunkt des Raubs nichts darin deponiert.

          Die Bankräuber entkamen unerkannt, ihr professionell vorbereiteter Coup ist unaufgeklärt. Die Polizei steht bis heute vor einem Rätsel, wie es den vermutlich vier bis fünf Tätern gelang, über ein Jahr lang unbemerkt den Tunnel zu graben. Insgesamt 734 Hinweise gingen in der Sonderkommission „Tunnel“ ein, doch eine heiße Spur war nicht dabei. Weder eine Belohnung von 25.000 Euro der Volksbank noch eine aufwendige Rekonstruktion in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ brachten die Ermittler entscheidende Schritte weiter.

          „Die Aussichten, die Täter noch zu finden, sind sehr gering“, bilanziert Polizeisprecher Thomas Neuendorf nach einem Jahr. „Es gibt nicht mehr viele Möglichkeiten.“ Dabei hinterließen die Räuber auch DNA-Spuren und Fingerabdrücke. Doch die Polizei konnte sie nicht verwerten, da sich in ihren Dateien keine dazu passenden Menschen fanden. Neuendorf: „Solange wir die DNA nicht konkreten Menschen zuordnen können, ist die Aufklärung des Falls sehr schwierig.“

          Auch polnische Bierdosen und Holzwinkel, die im Tunnel gefunden wurden, brachten die Ermittler nicht weiter. Die Polizei ermittelt noch, doch statt 15 sind nur noch 3 Beamte auf den Fall angesetzt.

          Professionelle Arbeit: Blick in den Tunnel der Bankräuber, aufgenommen am 17. Januar 2013

          Frustriert sind vor allem die Opfer der Tunnelräuber. Sie gehen jetzt auf die Straße. Am Dienstag wollen sie vor dem Tatort gegen die in ihren Augen völlig unzureichende Entschädigung der Berliner Volksbank protestieren. „Wir wollen Druck gegen die Bank aufbauen“, sagt Roland Sieben, einer der Gründer der Interessengemeinschaft „Tunnelraub“.

          Von seinen mehr als 100 Goldmünzen mit einem Wert im sechsstelligen Bereich habe er nur acht zurückbekommen, kritisiert der Sechzigjährige. Außerdem seien ihm auch Goldbarren und Schmuckstücke gestohlen worden. „Wir wollen nichts behalten“, versichert Bank-Sprecherin Mönch. Doch viele Fundstücke seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt oder von niemandem wiedererkannt worden. Eine befriedigende Lösung werde noch mehrere Monate dauern.

          Unterstützung erhalten die Betroffenen vom Berliner Rechtsanwalt Michael Plassmann. Wie viele Geschädigte wirft er der Volksbank Lücken in ihrem Sicherheitssystem und Fehler des beauftragten Sicherheitsdienstes vor, der trotz Alarms den Tresorraum nicht kontrolliert habe. Dazu schweigt Mönch wegen der „laufenden Ermittlungen“.

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