02.03.2005 · Prozeßbeobachter sind überrascht: Michael Jackson will offenbar selbst in den Zeugenstand treten. Zunächst sahen die Geschworenen jedoch einen Fernsehfilm, der den Star schwer belastet.
Der wegen des Verdachts des Kindesmißbrauchs angeklagte amerikanische Popstar Michael Jackson wird nach Angaben seines Verteidigers vor Gericht selbst zu den gegen ihn erhobenen Vorwüren Stellung nehmen. Als erster Zeuge in dem Verfahren trat jedoch der britische Journalist Martin Bashir auf. Dessen Fernseh-Dokumentation „Leben mit Michael Jackson“ hatte die Vorwürfe gegen den „King of Pop“ im wesentlich öffentlich gemacht.
Bashir hatte sich zunächst gegen eine Befragung gewehrt, wurde aber von Richter Rodney Melville vor Gericht zitiert. Den Juroren wurde Bashirs Film gezeigt. Darin ist der Sänger Hand in Hand mit dem jugendlichen Ankläger zu sehen. Schlagzeilen hatte bei der Fernsehausstrahlung im Frühjahr 2003 vor allem Jacksons Bekenntnis gemacht, daß Jungen bei ihm im Bett übernachten würden, was der Sänger als harmlose Pyjama-Party beschrieb.
Mesereau greift Zeugen an
Michael Jacksons Anwalt Tom Mesereau legte durch seine Fragen an Bashir nahe, daß der Journalist den Musiker über die Motive für seinen Film belogen und ihn selbst zu den umstrittenen Äußerungen überredet habe. Bashir selbst verweigerte auf viele Fragen die Aussage. Er berief sich dabei auf sein Zeugnisverweigerungsrecht, daß Journalisten und ihre Quellen besonders schützt.
Vor der Befragung hatte Mesereau gegenüber den Geschworenen angekündigt, sie würden von Jackson persönlich dessen Version des Falles hören. „Mister Jackson wird Ihnen erzählen, daß er auf Neverland wegen dieser Leute irgendwann ein ganz ungutes Gefühl bekam", berichtete der Anwalt den Geschworenen mit Blick auf die Familie des 15jährigen Klägers. Angeklagte sind grundsätzlich nicht verpflichtet, vor Gericht auszusagen. Juristen hatten damit gerechnet, daß Jackson dies auch nicht tun würde, um nicht von den Anklägern ins Kreuzverhör genommen werden zu können.
Jackson reagiert auf Prozeßverlauf
Der Sänger sagte Reportern am Ende des Verhandlungstages, ihn habe der Prozeßverlauf sehr wütend gemacht - offensichtlich wegen der Aussage des britischen Journalisten. Vertreter der Anklage vermuteten, Bashirs Film habe Jackson in Panik versetzt. Die Dokumentation habe den Sänger und dessen
Umgebung dazu veranlaßt, den Jungen, der ihn beschuldigte, sowie dessen Familie zu isolieren. Außerdem seien sie gezwungen worden, den Popstar in aufgenommenen Aussagen zu entlasten.