08.11.2007 · Killerspiele faszinieren viele Computerspieler. Doch obwohl diese Spiele nicht mehr verkauft werden dürfen, werden sie weiterhin über Privatanbieter im Internet vertrieben. Beim hessischen Landeskriminalamt fahnden Cybercops nach Verbotenem.
Von Katharina IskandarSie treffen sich in engen Gassen, abgelegenen Straßen oder Gebäuden. Dann prügeln sie aufeinander ein, hacken sich die Gliedmaßen ab, schlitzen sich mit Schwertern und Macheten den Oberkörper auf. Blut ist zu sehen, es spritzt in 3D-Optik auf den Betrachter zu. Je findiger die Tötungsart, so lautet die Regel, desto mehr Punkte heimst man ein. Die Spieler dürfen phantasievoll sein.
Weit verbreitet sind Computerspiele dieser Art, bei denen es ums Töten und Überleben geht - obwohl viele inzwischen nicht mehr verkauft werden dürfen. Erst im Sommer wurde eines dieser Killerspiele, das von einer amerikanischen Firma entwickelt wurde, in Deutschland verboten - weil es zu gewaltverherrlichend sei. Dennoch wird dieses Spiel - wie viele andere - weiterhin über Privatanbieter im Internet vertrieben.
Cybercops jagen Vertreiber von Killerspielen
Es ist nach wie vor umstritten, ob die sogenannten Killerspiele tatsächlich dafür verantwortlich sind, dass die Nutzer im realen Leben gewalttätiger werden oder gar zu Amokläufen angestiftet werden, weil sie es ihren virtuellen Helden gleichtun wollen. Kriminologen, Psychologen, Medienwissenschaftler und Vertreter der Spieleindustrie streiten sich seit Jahren.
Eine eindeutige Antwort, so sagen Fachleute, gebe es in dieser Frage nicht. Beim hessischen Landeskriminalamt (LKA) will man unabhängig von den Ergebnissen der Studien nun handeln und mit Cybercops jene Personen aufspüren, die verbotene oder indizierte Killerspiele vertreiben. Nach Angaben des LKA steht die „Task Force Internet“ erst „ganz am Anfang“. Sie ist eingebettet in ein neues Konzept des hessischen Innenministeriums, das am Donnerstag in Wiesbaden vorgestellt wurde und vorsieht, künftig in allen hessischen Polizeipräsidien Internetkommissariate einzuführen.
Meistens geht es um virtuellen Massenmord
Ein solcher Cybercop ist Axel Schröder. In „virtuellen Streifgängen“ sucht er nach verbotenen Spielen, von denen es in Deutschland derzeit ein halbes Dutzend gibt. Die Inhalte seien „menschenverachtend“, es gehe meistens um virtuellen Massenmord. Worin für die Nutzer die Faszination an diesen Spielen liegt, ist nach Ansicht des Polizisten noch nicht ausreichend erforscht. Auch ein eindeutiges Profil lasse sich nicht erstellen. „Die Nutzer spiegeln die Gesellschaft wider, das Interesse geht durch die gesamte Bevölkerungsschicht.“ Sicher sei nur, dass die Spiele dank besserer Grafikkarten in der optischen Darstellung immer realistischer würden. „Es ist fast so, als wirke man als Darsteller eines Filmes mit.“
Doch die Ermittlungsarbeit der Cyberpolizisten ist langwierig. Bei der Suche nach gewaltverherrlichenden Inhalten durchforsten sie nicht nur das World Wide Web, sondern auch andere Netze, in denen sich Internetnutzer austauschen, wie etwa das Teletype Network (Telnet), Chats, Foren oder Online-Welten wie „Second Life“.
Fündig werden die Ermittler meist in Tauschbörsen. Stellt sich heraus, dass es sich tatsächlich um verbotene Inhalte handelt, wird die IP-Adresse des Nutzers gespeichert, der das Killerspiel zum Herunterladen anbietet. Die IP-Adresse, sagt Schröder, sei wie ein Fingerabdruck. Sie könne zu einem bestimmten Zeitpunkt nur immer einmal auf der Welt vergeben sein. „Verfolgt man diese Adresse zurück, hat man auch den Täter.“
Killerspiele sind für LKA-Beamte nur der Anfang
Dass dies jedoch in der Realität nicht immer so einfach ist, weiß Erik Poth, der ebenfalls als Ermittler beim LKA in der neuen Abteilung „Task Force Internet“ nach gewaltverherrlichenden Inhalten sucht. Recherchen würden manchmal mehrere Wochen, wenn nicht gar Monate dauern, denn zunächst müsse geprüft werden, ob sich hinter einem Dateinamen überhaupt das gesuchte Killerspiel verberge. Um das herauszufinden, muss sich Poth selbst die im Internet angebotene Version besorgen - und spielen. „Eine schöne Tätigkeit ist das nicht.“
Für die LKA-Beamten sind Killerspiele nur ein Anfang, geplant sind weitere anlassunabhängige Recherchen zu anderen schweren Delikten wie etwa Kinderpornographie. „Jeder Täter hinterlässt virtuelle Spuren im Netz“, sagt der Präsident des hessischen Landeskriminalamtes, Peter Raisch. „Dafür brauchen wir Fachleute, die sich damit auskennen. Schließlich pinselt man diese Spuren nicht wie einen Fingerabdruck ab.“
Ui
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- 09.11.2007, 13:11 Uhr