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Internet-Kriminalität Rußlands größter Spammer getötet

27.07.2005 ·  Vardan Kushnir, Rußlands mutmaßlich größter Versender unerwünschter E-Mails, ist in seiner Wohnung tot aufgefunden worden. Theoretisch kommen als Täter für den Mord 17,6 Millionen verärgerte Internet-Nutzer in Frage.

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Vardan Kushnir starb an mehreren Schlägen, die ihm sein Mörder mit einem schweren Gegenstand auf den Kopf versetzte. Die Polizei fand den 35 Jahre alten Mann am Sonntag tot in seiner Wohnung in der Moskauer Innenstadt. Wer Kushnir umgebracht und sein Apartment verwüstet hat, ist nach Medienberichten nicht bekannt. Vielleicht, mutmaßen russische Journalisten, wird der Fall ohnehin bald fallengelassen; zu häufig seien Morde in Moskau.

Wenn die Spekulationen der Zeitungen und Internetmagazine stimmen, kommen zudem 17,6 Millionen Menschen als Täter in Frage: alle Russen nämlich, die einen Internetzugang und eine E-Mail-Adresse haben. Denn die meisten von ihnen dürften in den vergangenen Jahren regelmäßig ungebetene Post von Kushnir bekommen haben: Er war, wie ein Nachrichtendienst schreibt, „Rußlands größter Spammer“.

Schon früher Racheakte von Internetnutzern

Der Geschäftsmann leitete drei Sprachzentren für Englisch. Das „Center for American English“, das „New York English Centre“ und das „Centre for Spoken English“ verschickten große Mengen Werbung an ungezählte E-Mail-Adressen - jeden Tag schwirrten Millionen von Nachrichten mit Sprachkurs-Angeboten ins Netz. Der Ermordete müsse „die am meisten gehaßte Person“ für die russischen Internetnutzer gewesen sein, schreibt eine Internetzeitung. Daß ein durchgedrehter Empfänger der elektronischen Massenpost Kushnir jetzt in entfesselter Wut erschlagen hat, liegt also zumindest nicht fern.

In der Vergangenheit haben Internetnutzer schon mehrere Racheakte gegen das „Center for American English“ verübt, etwa durch Zurückschicken der Mails und verabredete Massenanrufe an dem Sprachenzentrum. Andere warben im Internet mit der Telefonnummer des „American English Center“ für einen angeblichen Sex-Anbieter. Das für Kommunikation zuständige russische Ministerium bat Kushnir in einem Schreiben, seine Nachrichtenflut einzustellen - ohne Erfolg.

Kaum Strafen für Spam-Versand

Ein Moskauer Rechtsanwalt verklagte ihn. Als Kushnir schließlich nach mehreren verstrichenen Terminen doch zu einer Anhörung erschien, behauptete er, er wisse nicht, wer diese Werbung für sein Unternehmen verschicke. Die Akte Kushnir wurde geschlossen. Nach Presseberichten gibt es zwar russische Gesetze, die im Sinne eines Verbots des Versendens von Spam-Mails ausgelegt werden können. Ein Zuwiderhandeln wird aber offenbar kaum sanktioniert.

Quelle: F.A.Z., 27.07.2005, Nr. 172 / Seite 7
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