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Internet-Kriminalität Ermittlungen gegen Nutzer von Raubkopien

17.09.2004 ·  Eine der größten Online-Angebote für illegale Film-Downloads ist von der Polizei lahmgelegt worden. Jetzt müssen auch die 45.000 Kunden des Abo-Services mit Ermittlungen gegen sie rechnen.

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In einem der bislang größten aufgedeckten Fälle von Internet-Piraterie in Deutschland wird auch gegen Nutzer der Raubkopien ermitteln. Es müsse im Einzelfall geprüft werden, ob sie vorsätzlich gegen das Urheberrecht verstoßen haben, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Petri am Freitag in Mühlhausen. Drei Thüringer sowie ein Münchner Rechtsanwalt sollen 45.000 Kunden im Internet illegal mit Raubkopien von Kinofilmen, Computerspielen, Anwendersoftware und Musikdateien versorgt haben. Die Kunden, die seit Juni 2003 Raubkopien von der Internetseite heruntergeladen hätten, kämen zum Großteil aus Deutschland.

Die vier Beschuldigten im Alter von 19 bis 46 Jahren waren nach Durchsuchungen in Bayern, Hessen und Thüringen am Donnerstag festgenommen worden. Gründer der Internetseite sind laut Staatsanwaltschaft zwei 20 und 30 Jahre alte Brüder. Der 46 Jahre alte Rechtsanwalt soll die Finanzen der Firma verwaltet haben. Gegen alle drei wurden am Freitag Haftbefehle erlassen. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Ein 19jähriger, der den Internetdienst technisch betreut haben soll, wurde wieder auf freien Fuß gesetzt.

Großer Teil des deutschen Marktes trockengelegt

Mit der Verhaftung der mutmaßlichen Internet-Kriminellen sei ein großer Teil des Marktes für deutschsprachige Raubkopien trockengelegt worden, sagte die Juristin der Hamburger Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU), Evelyn Ruttke, dem Nachrichtensender MDR INFO. Bei deutschen Kinofilmen oder synchronisierten Filmen aus dem Ausland sei ftp-welt.com der größte und aktuellste unter den illegalen Anbietern gewesen. Filme, die gerade im Kino angelaufen seien, seien am nächsten Tag auf der Internetseite in hervorragender Qualität zu erhalten gewesen.

Der ermittelnde Staatsanwalt Thomas Köhler sprach von einem kriminellen Netzwerk, mit dem die Beschuldigten ihre Spur geschickt verschleiert hätten. Betrieben wurde die Internetseite über eine Briefkastenfirma auf den Jungferninseln. Für den illegalen Service seien Server in Braunschweig, Tschechien, Estland und Holland genutzt worden. Der Schaden der Internet-Piraterie liegt den Angaben zufolge im zweistelligen Millionenbereich.

Anzeige brachte Ermittlungen ins Rollen

Die Abnehmer mußten sich nur anmelden und ein so genanntes Mitglieds-Abo kaufen. Mit einem Paßwort hatten sie dann Zugriff auf die Daten. Die Preise galten für bestimmte Datenmengen. Für rund 15 Euro ließen sich beispielsweise zwei bis drei der etwa 150 angebotenen Filme herunterladen. Das Quartett nahm nach Angaben der Ermittler auf diese Weise knapp eine Million Euro ein. Laut dem Landeskriminalamt (LKA) Thüringen wurden 250.000 Euro auf deutschen Konten beschlagnahmt. Woher die Raubkopien kamen, werde derzeit noch ermittelt.

Zum Teil seien Filme bereits zwei Tage vor ihrer Deutschlandpremiere angeboten worden, sagte Bernd Kulbe von der GVU. Auch Computerspiele, die noch nicht auf dem Markt waren, konnten heruntergeladen werden. Das seien zusammen mit den geringen Preisen Anzeichen für Raubkopien. Die GVU hatte nach Hinweisen aus der Bevölkerung im August 2003 mit einer Anzeige die Ermittlungen ins Rollen gebracht.

Den Tätern drohten nun Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren und hohe Schadensersatzforderungen von den Betroffenen in Film-, Software- und Musikindustrie, hieß es. Auch die 45.000 Abonnenten der Internetseite müßten mit strafrechtlichen Ermittlungen rechnen, ebenso mit zivilrechtlichen Klagen der Industrie. Ein Sprecher von Microsoft Deutschland sagte der Nachrichtenagentur AP, man prüfe derzeit, ob das Unternehmen als Nebenkläger Schadenersatz von den Tatbeteiligten und den Abonnenten fordert. Die Webseite wurde am Donnerstag von der Polizei aus dem World Wide Web entfernt.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AP
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